Di, 10.06.2008

F3 EuroSeries - Kolumne - Michael Klein

Wechselhafte Bedingungen

Wechselhafte Bedingungen stellen hohe Herausforderungen an Fahrer und Team. Michael Klein erklärt, wie es im Regen von Pau zuging.
© F3 EuroSeries

Motorsport-Magazin.com - In Pau habe ich meine ersten Punkte in der F3 EuroSerie geholt und konnte in der Spitze mithalten - das ergibt eine positive Bilanz, die ich beim nächsten Straßenrennen in Nürnberg ausbauen möchte. Das Auto fühlte sich schon ab dem Freien Training gut an und es machte richtig Laune, auf der Strecke zu fahren. Es ist einfach etwas ganz Anderes - denn bislang bin ich nie durch solch enge Straßenschluchten gefahren. Leider verlief das Qualifying am Samstag nicht ganz nach Plan, denn ich fand mich am Ende nur auf der 27. Position wieder.

Trotzdem konnte ich im ersten Rennen mit Platz sieben meine ersten Punkte der Saison holen - damit hatte ich vorher nicht gerechnet. Ich ging mit der Maxime ins Rennen: abwarten, was passieren wird. Denn ich wusste, dass es einige Ausfälle geben würde. Mein Ziel war es, das Auto heil ins Ziel zu bringen. Also bin ich auf Nummer sicher gefahren, habe keinen Fehler gemacht und mich so bis auf Platz 7 vorgekämpft. Es war ein witziges Rennen, bei dem wir auch vom Speed her gut dabei waren.

Eine große Herausforderung waren an diesem Wochenende mit Sicherheit die schweren Bedingungen
Michael Klein

So gut wie vor dem zweiten Rennen habe ich glaube ich noch nie geschlafen. So ein Startplatz in der ersten Reihe ist schon nicht schlecht. Auch der Speed war wieder gut, ich hatte ein gutes Gefühl im Auto. Schon vorher war mir klar: wenn es trocken bleiben würde, würde ich schnell sein. Auch wenn es letztlich geregnet hat, konnte ich mich lange auf dem zweiten Platz halten. Leider hatte ich etwas Pech und machte auch einen kleinen Fehler. Das war schade, aber insgesamt bleibt festzuhalten: dass wir erneut gut unterwegs waren und erneut unter den besten Zehn ins Ziel gekommen sind.

Eine große Herausforderung waren an diesem Wochenende mit Sicherheit die schweren Bedingungen; eigentlich hatten wir nur am Freitag im Training eine trockene Strecke, ansonsten war es ständig nass oder feucht. Auf einem engen und vor allem schnellen Stadtkurs wie Pau macht das unsere Arbeit natürlich nicht gerade leichter, vor allem weil es viele Zebrastreifen und anderen Straßenbemalung gab. Wenn man da drauf kam ist das Auto sofort ausgebrochen - man musste sich diese Stellen also gut merken und seine Linie anpassen.

Glücklicherweise hat es bei unseren Rennen nie sehr fest geregnet, so dass sich keine Pfützen auf der Strecke gebildet habe. Auch der Start hinter dem Safety-Car hat uns etwas geholfen, denn so konnten wir zunächst ein wenig Wasser von der Strecke fahren. Der wellige Stadtkurs brachte aber auch Vorteile: wir haben schon so ein extremes Setup gefahren, dass wir nur noch Regenreifen aufziehen mussten. Sonstige Änderungen wie zusätzlichen Abtrieb oder ein höheres Fahrwerk waren kaum noch nötig, da schon alles am Anschlag war.

Auch am Norisring werden Leitplanken lauern © F3ES

Wenn es auf anderen Strecken anfangen würde zu regnen, hätten die Mechaniker mit Sicherheit mehr zu tun. So müsste man auf dem Hockenheimring viel mehr schrauben, weil Regen- und Trocken-Setup weiter auseinander liegen. Falls es im Laufe der Saison nochmals wechselhafte Bedingungen geben sollte, könnten wir auch den Vorteil des Drexler-Getriebes ausspielen: wir können die Differentialsperre direkt von außen verstellen und müssen nicht erst den Wagen aufschrauben.

Dass wir diese Option bisher kaum genutzt haben, hat einen einfachen Grund: wir haben schon eine sehr gute Einstellung für das Differential gefunden. Mit einer starken Sperre ist die Hinterachse beim Anbremsen einer Kurve eher starr, gibt nicht so leicht nach und man hat weniger Übersteuern. Mit einem offenen Differential rollt das Auto besser um die Kurven und man hat in der Kurve weniger Untersteuern. Auch hier ist es wie bei jeder anderen Einstellung am Setup - man muss einen guten Kompromiss finden.

Keine Kompromisse soll es am Norisring geben, auf den ich mich schon sehr freue. Zwar bin ich dort bisher noch nicht gefahren, aber die kurze Strecke sollte ich mir schnell einprägen können. Ich bin schon gespannt wie es dort läuft - anscheinend liegen mit die Stadtkurse. Vielleicht springen in Nürnberg schon die nächsten Punkte heraus...

Euer Michael Klein
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Michael Klein
Michael Klein

Nach seiner Kartzeit legte Michael eine Motorsportpause ein, gewann aber schon im zweiten Jahr im F3 Cup die Trophy-Wertung. Jetzt wagt er den Sprung aus dem Formel 3-Cup in die Formel 3 EuroSerie.