Di, 03.06.2008

Formula Master - Kolumne - Tim Sandtler

Eine schmerzhafte Strecke

Pau ist eine harte Strecke. Wie hart sie wirklich ist, musste Tim Sandtler am Wochenende feststellen.
© IFM

Motorsport-Magazin.com - Nach dem schwierigen Auftakt in Valencia bin ich hoffnungsvoll nach Pau gereist, doch leider sprangen auf dem französischen Stadtkurs schon wieder keine Punkte heraus. Der Hauptgrund war vielleicht eine nicht optimale Qualifikation, auf der ich außerhalb der besten Zehn landete - in den Rennen war es einfach zu schwierig nach vorne zu fahren, denn in Pau ist es fast unmöglich zu überholen.

Wenn der Vordermann keinen Fehler macht, kommst du nicht vorbei. Trotzdem konnte ich im ersten Rennen zwei, drei Fahrer überholen und bin fünf Positionen nach vorne gekommen. Auf dieser Strecke muss man mit Köpfchen fahren - sonst geht es nicht. Gerade im Regen ist es sehr rutschig. Unter solch schwierigen Bedingungen ist es nicht leicht, immer genau die richtige Linie zu treffen. Leider lagen die meisten Fahrer bereits hinter mir, die ausgefallen sind und so konnte ich von den Ausfällen kaum profitieren. Immerhin habe ich es bis auf den zehnten Platz geschafft, auch wenn ich gerne Achter geworden wäre, um von der Pole in das zweite Rennen zu starten.

Ich habe noch nie so viele Piloten durch das Fahrerlager humpeln sehen
Tim Sandtler

Der zweite Start lief dann allerdings alles andere als gut: Nach der dritten roten Ampel fiel meine Drehzahl in den Keller und der Motor starb abrupt ab, obwohl ich die Kupplung komplett durchgetreten hatte. Ich habe den Motor also nicht abgewürgt, es war ein technisches Problem, das wir noch genauer analysieren müssen. Auch nach meinem Boxenstopp wäre ich nicht weggekommen, wenn mich meine Mechaniker nicht angeschoben hätten. Es wären vielleicht Punkte drin gewesen, wenn mein Rennen nicht schon so früh von einem technischen Problem am Start und der unverschuldeten Kollision ruiniert worden wäre.

Auch wenn die Resultate nicht meinen Vorstellung entsprachen, hat es unheimlich viel Spaß gemacht in Pau zu fahren; die Strecke ist sehr anspruchsvoll. Es geht bergauf, bergab, über einen Kreisverkehr hinweg. Stadtkurse sind immer toll, und Pau ist ein richtiger Stadtkurs: im Gegensatz zum Norisring, dort gibt es ja nur drei Kurven. Allerdings ist Pau schon ein bisschen in die Tage gekommen. Die Strecke ist teilweise sehr gefährlich, der Asphaltbelag extrem wellig und uneben. Man muss fast nur Zickzack fahren. Dagegen sollte auf jeden Fall etwas unternommen werden.

Im Fahrerlager hatte Tim viel Spaß © IFM

Wie es leider enden kann musste mein Teamkollege Filip Salaquarda feststellen. Er ist im ersten Rennen so unglücklich in die Barriere eingeschlagen, dass sich ein Querlenker durch das Monocoque gebohrt hat und sein Wadenbein traf. Der Aufprall war zwar nur mit knapp mehr als 30 km/h, aber der Winkel muss sehr ungünstig gewesen sein. Er hätte mit dem angebrochenen Wadenbein zwar fahren können, hat dann aber nichts riskieren wollen und ist nicht gestartet. Generell war Pau eine schmerzhafte Strecke - ich habe noch nie so viele Piloten durch das Fahrerlager humpeln sehen.

Pau hatte aber auch seine schönen Seiten: Die Formel 3 ist mit uns im Rahmenprogramm gefahren und einige meiner alten Kollegen haben mal bei mir vorbei geschaut. Natürlich war ich auch selbst in deren Fahrerlager, um zum Beispiel mein altes Team zu besuchen. Ich habe mich sehr gefreut die ganzen Gesichter wieder zu sehen - und die anderen bestimmt auch. Für das Team von Jo Zeller lief es in Pau ja gar nicht so schlecht - mein Nachfolger Michael Klein hat im ersten Rennen alles richtig gemacht: während die Konkurrenz Unfälle baute, fuhr er sicher ins Ziel und holte Punkte.

Nun freue ich mich auf das nächste Rennen in Brünn und natürlich auf die anstehende Fußball-Europameisterschaft. Natürlich drücke ich unserer Mannschaft die Daumen und würde sogar wetten, dass sie den Titel holen. Das Auftaktspiel werde ich noch zuhause verfolgen, das zweite Gruppenspiel schaue ich im Fahrerlager von Brünn - den Fernseher haben wir schon im Gepäck. Da ich nach dem Rennwochenende Urlaub auf Mallorca mache, werde ich die restlichen Spiele im Ausland verfolgen, aber irgendwie ist das doch auch ein Heimspiel...

Euer Tim Sandtler
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Tim Sandtler
Tim Sandtler

Tim ging den klassischen Motorsportweg: Aus der Kartwelt in die Formel BMW und von dort in die Formel 3 EuroSerie. 2008 tritt er in der Formula Master Serie im Rahmen der Tourenwagen-WM an.