Di, 06.05.2008

GP2 - Kolumne - Bruno Senna

Ich freue mich schon auf Istanbul!

Bruno Senna kommt als Tabellenführer nach Istanbul - da ist die Vorfreude natürlich groß.
© Sutton

Motorsport-Magazin.com - Barcelona war für mich ein wirklich guter Auftakt in die europäische GP2-Saison. Auch wenn ich noch nicht ganz oben auf dem Podest stand, der zweite Platz am Samstag und der vierte vom Sonntag haben mich ja in der Gesamtwertung punktgleich mit Alvaro Parente erst mal an die Spitze gebracht.

Das ist natürlich schon ein gutes Gefühl, gibt auch allen im Team noch einmal einen zusätzlichen Motivationsschub. Es ist immer etwas einfacher, eine Meisterschaft von vorne fahren zu können, nicht ständig unter dem Druck zu stehen, aufholen zu müssen. Und dafür ist es vor allem wichtig, so regelmäßig wie möglich zu punkten, ja kein Rennen unnötig wegzuwerfen. Natürlich sind Siege immer das Schönste, und ich bin auch überzeugt, dass ich in diesem Jahr gewinnen werde, aber es bringt eben nichts, das mit Gewalt zu versuchen und zuviel Risiko einzugehen. So habe ich zum Beispiel im ersten Rennen in Barcelona auf Parente bis zum Schluss immer Druck gemacht, in der Hoffnung, dass er vielleicht noch einen Fehler macht. Aber nachdem er sich keinen geleistet hat, musste ich mich halt doch mit Platz zwei zufrieden geben, das Risiko einer Gewaltattacke wäre zu hoch gewesen. Zumal ich noch nicht davon überzeugt bin, dass Alvaro, so gut seine Leistung in Spanien auch war, die ganze Saison über konstant an der Spitze mitfahren wird.

Istanbul ist eine meiner absoluten Lieblingsstrecken, sie ist sehr anspruchsvoll, ein absoluter Fahrerkurs
Bruno Senna

Die Fehler habe ich jedenfalls lieber den anderen überlassen, auch im zweiten Rennen: Das Duell zwischen Maldonado und Zuber hat beide Punkte gekostet - aber ich glaube, das wird bei denen noch öfters so sein, dass sie sich gegenseitig in die Quere kommen... Und auch bei Grosjean hat man gesehen, dass er vielleicht hier in Europa, wo die Dichte doch höher ist und er insgesamt mehr Druck bekommen wird als in Asien, doch noch die ein oder andere Erfahrung sammeln muss - bei allem Speed, den er zweifellos auch diesmal wieder gezeigt hat.

Dass man genau überlegen muss, was geht und was nicht, liegt auch daran, dass es mit den neuen Autos noch schwieriger ist zu überholen. Man verliert noch mehr Downforce, wenn man versucht, dicht auf den Vordermann aufzufahren. Speziell auf einer Strecke wie Barcelona ist das extrem - aber wir werden es auch anderswo merken, etwa am kommenden Wochenende in der Türkei. Mein Wohnmobil ist schon auf dem Weg dahin - ich werde am Mittwoch fliegen. Auch wenn es ziemlich weit ist bis Istanbul - für mich ist es einfach eine Menge wert, auch dort im Wohnmobil an der Strecke übernachten zu können. Außer in Monaco, wo einfach kein Platz dafür ist, werde ich wohl in dieser Saison nirgendwo ein Hotelzimmer brauchen.

Istanbul ist eine meiner absoluten Lieblingsstrecken, sie ist sehr anspruchsvoll, ein absoluter Fahrerkurs. Da ist wirklich alles drin, schnelle Kurven, enge Ecken, interessante Bergauf- und Bergab-Passagen… Dazu kommt, dass es für und in der GP2 der einzige Kurs ist, der gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird. Da könnte schon der ein oder andere Fahrer Probleme mit der Hals- und Schultermuskulatur bekommen könnten, vor allem, weil die neuen Autos ja schon um einiges anstrengender zu fahren sind.

Auf dem Podium hat Bruno immer gute Laune © Bumstead/Sutton

Ich erwarte auch, dass in Istanbul die Abstände zwischen den einzelnen Teams und Fahrern wieder etwas größer sein werden als in Barcelona. Dort hatten alle getestet, jeder konnte sich vorbereiten, wusste ziemlich genau, was ihn erwartet. Hier wird es jetzt darauf ankommen, so viel wie möglich aus dem freien Training herauszuholen. Ich hoffe, dass ich da mit meinem Teamkollegen zusammen einiges erreichen kann. Ich denke, unser Teamchef Paul Jackson hat da nach seinem Abflug im freien Training in Barcelona auch noch mal sehr ernsthaft mit ihm gesprochen, denn solche Dinge sind natürlich nicht sehr hilfreich für das ganze Team...

iSport war ja letztes Jahr in Istanbul sehr schnell, aber wie weit man aus den Daten vom letzten Jahr jetzt mit dem neuen Auto noch große Schlüsse ziehen kann, das ist die andere Frage. Zumindest in den schnellen Kurven hat sich durch die höhere Downforce schon sehr viel verändert, auch die Übersetzungswerte stimmen möglicherweise nicht mehr so ganz... Aber ich bin auf jeden Fall sehr zuversichtlich, denn wir wissen, dass wir das Potenzial haben, wieder ganz vorne dabei zu sein.

Auch ich selbst habe an Istanbul ja keine so schlechten Erinnerungen: Letztes Jahr habe ich da mit dem Arden im zweiten Rennen nach einer langen Durststrecke endlich mal wieder einen Punkt geholt, obwohl unser Auto nun wirklich nicht besonders schnell war und ich auch üble Bremsprobleme hatte. Da sollten in diesem Jahr die Voraussetzungen nun wirklich wesentlich besser sein, deshalb bin ich sehr optimistisch und freue mich schon auf Istanbul.

Euer Bruno Senna
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4 Leser-Kommentare
am 07. Mai um 21:07 Uhr
cman:
regelmäßig Punkten ist schon wichtig, aber Siege sind sicher diese Saison einige drin für Bruno.Das ist doch für jeden Rennfahrer das Tüpfelchen auf dem i.Wir freuen uns darauf
am 07. Mai um 17:19 Uhr
Tyrrell91:
Wäre schön, wenn sich die anderen wirklich in die Quere kämen und Bruno in Ruhe seine Rennen fahren kann. Soll aber nicht heißen, dass er auf die Fehler anderer angewiesen wäre. Ich bin überzeugt davon, dass er in Istanbul aus eigener Kraft weit nach vorne fahren kann! Good luck, Bruno:-)
am 06. Mai um 23:48 Uhr
Lotus73:
Dann hoffe ich mal das alles gelingt und Du den 1. Sieg einfährst. Oder auch 2.
am 06. Mai um 23:16 Uhr
Libera: :)
Wir freuen uns auch!
Bruno Senna
Bruno Senna

Der Name Senna verpflichtet. Bruno ist der Neffe des großen Ayrton und gibt genauso Gas wie sein berühmter Namensvetter. Nach der britischen F3 fährt er nun in der GP2.