GP2 - Kolumne - Bruno Senna
Außerhalb meiner Kontrolle
Motorsport-Magazin.com - Ich weiß bald nicht mehr, was ich sagen soll - irgendwie scheint sich in dieser GP2-Asia-Serie alles gegen mich verschworen zu haben. Reifenschäden, Defekte, Strafen - irgendwas war doch immer. In Bahrain fing das ja schon im Qualifying an, als ich in den Runden, als die Reifen noch gut waren, jedes Mal irgendwo auf Verkehr getroffen bin, so dass ich bei weitem nicht die Rundenzeit fahren konnte, die möglich gewesen wäre... Wodurch mein Teamkollege Karun Chandhok am Ende um sieben Tausendstel vor mir in der ersten Reihe stand, neben Grosjean, ich nur in der zweiten. Was am Samstag im Rennen noch Folgen haben sollte.
Denn auch wenn ich nach dem Start gleich an Grosjean vorbeigekommen bin, Chandhok lag halt noch vor mir an der Spitze, als nach einer Runde das Safety-Car raus kam, weil es weiter hinten gekracht hatte. Als wir dann alle zum Pflichtboxenstopp hereinkamen, musste ich hinter ihm warten, bis er abgefertigt war, wodurch ich bis auf Platz 12 zurückfiel und das Rennen natürlich eigentlich schon verloren hatte. Aber bei iSport ist nun mal die Teampolitik, dass der Priorität hat, der im Rennen vorne ist, unabhängig von eventuellen Chancen in der Meisterschaft... Denn wenn ich vor Grosjean ins Ziel gekommen wäre, und ich lag ja vor dem Stopp vor ihm, dann wären meine Titelchancen ja noch nicht ganz weg gewesen, während Karun ja überhaupt keine mehr hatte...
Wie auch immer, ich musste mich dann wieder nach vorne kämpfen - kam bis auf Platz vier, knapp hinter Kobayashi - aber alle Chancen, den vielleicht noch zu attackieren, waren dahin, als zwei Runden vor Schluss mein Auto auf einmal kurz ausging - einfach so... Zum Glück habe ich es wieder angekriegt und auch "nur" sieben Sekunden, aber keinen Platz dadurch verloren. Aber besorgniserregend ist so etwas natürlich schon. Wir waren dann Samstag Abend auch bei den GP2-Leuten, um alles checken zu lassen, Elektronik, Sensoren, alles, was man sich vorstellen kann, um eben auch was auszutauschen. Aber sie haben nichts gefunden, es hieß, da sei alles in Ordnung. Also konnten wir auch nichts weiter tun...
Als ich dann Sonntag auf der Aufwärmrunde in die Startaufstellung war, ist genau das gleiche wieder passiert - nur diesmal endgültig. Plötzlich war alles einfach aus, nichts mehr da - und diesmal war nichts mehr zu machen. Und wir konnten wieder nicht feststellen, woran es liegt - auf der Telemetrie ist absolut nichts zu sehen. Meine Vermutung geht am ehesten in Richtung einer Pumpe im Hydrauliksystem des Getriebes als Auslöser, aber das ist auch nur eine Vermutung, weil immer zuerst einfach der Vortrieb weg ist... Andererseits könnte ein Versagen der Pumpe auch durch einen falschen Sensorimpuls ausgelöst werden... Das Ganze ist halt ziemlich frustrierend, weil das Team selbst auch kaum eine Möglichkeit hat, da was zu machen - diese Dinge liegen bei uns in den Händen der GP2-Organisation...
Ich bin dann am Sonntag Abend gleich nach Dubai weiter geflogen - für drei Tage Fitnesstraining vor unserem Finale. Ich will auf jeden Fall versuchen, mit einem guten Ergebnis dort wenigstens noch den Vizemeistertitel zu holen. Sicher war es mein eigentliches Ziel, den Titel zu gewinnen, aber es ist einfach so viel passiert, was außerhalb meiner und unserer Kontrolle lag, dass das einfach nicht möglich war. Vorwürfe muss ich mir selbst nur für das erste Rennen in Malaysia machen, ansonsten habe ich persönlich immer eine gute Leistung abgeliefert. Außerdem konnte ich die Rennen nutzen, um mich bei iSport wirklich ins Team zu integrieren, die Kommunikation und die Arbeitsweise kennen zu lernen, und das ist mir auch gelungen. Jetzt hoffe ich nur, dass unser gesamtes Pech des Jahres in der Asienserie aufgebraucht wurde und dann in der Hauptserie in Europa alles besser läuft.




















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