Mo, 22.10.2007

Polo Cup - Der Renn-Polo im Detail

Klein, aber oho

Der Polo Cup ist eine beliebte Einstiegsklasse in den Motorsport. Wir haben den kleinen Rennwagen genauer unter die Lupe genommen.
© Volkswagen

Motorsport-Magazin.com - "Im Renn-Polo steckt mehr, als man ihm ansieht", so die Worte von Ex-Champion Jimmy Johansson über den kleinen, aber feinen Rennwagen aus dem Hause Volkswagen, mit dem in diesem Jahr 23 Nachwuchsfahrer um den Sieg kämpften. Zwei Runden auf dem Hockenheimring an der Seite von Chef-Instruktor Benedikt große Darrelmann waren überzeugend genug. Mit einer Spitzengeschwindigkeit um 200 Kilometer pro Stunde scheint der Polo nichts Besonderes zu sein, aber sobald es in eine Kurve geht, zeigen sich seine Stärken.

Späte Bremspunkte, hohe Kurvengeschwindigkeiten und ab dem Scheitelpunkt schon wieder voll auf dem Gas. Wie ist es möglich, dass ein kleiner und oft belächelter Wagen so viel Spaß macht - und das, obwohl man nur auf dem Beifahrersitz Platz genommen hat? adrivo.com ist dieser Frage nachgegangen.

Im Renn-Polo steckt mehr, als man ihm ansieht.
Jimmy Johansson

Nach einer erfolgreichen Zeit mit dem Lupo wechselte die Tourenwagen-Schule den Untersatz und vertraut seit vier Jahren auf den Polo. Dieser wurde zusammen mit Peter Terting, selbst Meister im Lupo Cup und Fahrer für Audi in der DTM, entwickelt und abgestimmt. Nur rund ein halbes Jahr nach den ersten Planungen war der kleine Rennwagen einsatzbereit. Das Debüt feierte der Polo in der Saison 2004 auf dem Hockenheimring.

Für den nötigen Vortrieb sorgt ein Reihen-Vierzylinder-Ottomotor mit FSI-Benzindirekteinspritzung. "Es gab keinen Motor aus der Polo-Reihe, den wir verwenden wollten", berichtet der Technische Leiter Hans Marschall über den 150 PS starken Motor, der eigentlich aus dem Golf stammt. "Der ist robust und sehr gutmütig." Um die Kosten gering zu halten, ist vor allem eins wichtig: Die Zuverlässigkeit. "In vier Jahren gab es keinen Ausfall durch einen Motorschaden." Trotzdem hat man den sportlichen Touch nicht außer Acht gelassen. "Dafür sorgt ein auf Agilität getrimmtes Steuergerät."

Geschaltet wird mit einem Sechsgangseriengetriebe. Lediglich die Radsätze wurden für den Rennbetrieb angepasst. "Die Gänge eins, zwei und drei sind länger als normal, denn wir wollen keine Berge hinauffahren oder Anhänger ziehen", erklärt Marschall. Die letzten drei Gänge seien hingegen kürzer übersetzt, "denn wir fahren nicht andauernd geradeaus. Bei 207 km/h regelt der Motor ab. Auf den Rennstrecken liegen die Höchstgeschwindigkeiten meist zwischen 190 und 200 km/h."

Die Polos werden in Kempten zentral vorbereitet © Volkswagen

Um Tempo abzubauen sind gute Bremsen wichtig. "Die Bremsen an der Vorderachse stammen aus den Modellen R32 oder TT. An der Hinterachse ist weiterhin die Serienbremsanlage aus dem Serienwagen verbaut. Selbst die ist noch zu stark für das Rennfahren. Damit der Polo auf der Hinterachse nicht überbremst, mussten wir sogar den Bremsdruck verringern", sagt Projektleiter Marschall. Viele Teile aus dem Renn-Polo stammen von seinen großen Brüdern, so auch der Querlenker, der für eine größere Spurbreite sorgt. Normalerweise wird dieser im Audi A3 verbaut. Das Baukastenprinzip hat sich bewährt. Auf der einen Seite geht selten etwas kaputt, auf der anderen Seite bleiben die Kosten gering, wenn doch mal etwas passiert. Dies spiegelt sich in der niedrigen Einschreibgebühr wieder, die unter anderem Vorbereitung, Wartung und Einsatz des Rennfahrzeugs umfasst und nur 35.000 Euro beträgt.

Seit dem Einstand 2004 hat sich der 1.060 Kilo schwere Polo kaum verändert. Eine Schönheitskur mit einer komplett überarbeiteten Frontpartie und einer neuen Hecklippe, die den Polo bissiger wirken lassen, sowie der Wechsel auf ein leichtes Schwungrad aus dem Hause Sachs zählen zu den wenigen Änderungen in den vergangenen vier Jahren. Den wichtigsten Unterschied für die Fahrer brachte die Einführung der Differenzialsperre. "In den Kurven kann das entlastete Rad nicht mehr so schnell durchdrehen. Daher kann besser aus den Kurven herausbeschleunigt werden. Es ist einfach mehr Rennauto." Wie beliebt der Polo ist, zeigt ein Blick auf die Weltkarte. Auch in Dänemark und Südafrika, sogar in Asien werden Rennen mit dem Kleinen aus der Volkswagen-Familie gefahren. In Deutschland wird es im April wieder heiß her gehen, wenn der Polo Cup in die Saison 2008 startet.

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