GP2 - Kolumne - Bruno Senna
Die Fünf vor Augen
Motorsport-Magazin.com - Vor dem letzten GP2-Wochenende der Saison in Valencia habe ich mein Ziel, dass ich spätestens nach den ersten Rennen in Bahrain gesteckt habe, noch nicht aufgegeben. Ich möchte am Ende in der Meisterschaft unter den ersten Fünf landen - das wäre für mein erstes Jahr in dieser Serie ein sehr gutes Ergebnis. Im Moment bin ich zwar nur Achter, aber auf Rang fünf fehlen mit nur zwei Punkte. Mit einem guten Wochenende in Valencia ist das also durchaus noch möglich. Die Strecke gehört zwar mit ihrer Charakteristik, sehr eng und winklig, nicht unbedingt zu meinen Lieblingskursen, aber zumindest kenne ich sie ziemlich gut, ich habe da ja letzten Winter schon getestet.
Der fünfte Rang wäre natürlich viel einfacher zu erreichen gewesen, wenn das Wochenende von Spa so weitergegangen wäre, wie es angefangen hatte. Ganz so einfach war es nicht, die Enttäuschung von dort wegzustecken. Denn nach dem freien Training, wo ich ja deutlich Schnellster war, und auch noch nach dem Qualifying war ich wirklich zuversichtlich, dass ich auf meiner Lieblingsstrecke nach Barcelona meinen zweiten Sieg würde feiern können. Im Qualifying hatte es zwar nur zu Platz drei gereicht, aber das mit einer gar nicht so optimalen Runde und ohne meinen zweiten Satz Reifen nutzen zu können.
Das lief ein bisschen unglücklich, genau beim Anbremsen der Schikane hat mir mein Ingenieur gesagt, dass ich reinkommen soll. Der Funk ging nicht richtig, ich habe nur einen gewaltigen Lärm gehört, war einen Moment abgelenkt und habe mich gedreht. Was eigentlich auch noch kein so großes Desaster gewesen wäre, denn der Motor lief ja noch. Aber als ich wegfahren wollte, hat plötzlich das Anti-Stall-System ganz merkwürdig eingesetzt und der Motor starb dann doch noch ab. Ich konnte mir das da auch schon nicht wirklich erklären, aber wir haben keine Ursache gefunden - und irgendwie schiebt man so was dann halt als einmaliges Ereignis auf die Seite...
Was ich da noch nicht wusste - dass das schon ein böses Vorzeichen für den Start am Samstag sein sollte. Da passierte im Prinzip genau das gleiche, der Motor starb ab, ich kam nicht weg, wie ein paar andere ja auch nicht - auch Timo Glock und Andi Zuber hat es zum Beispiel erwischt. Wir waren uns alle einig, dass wir uns das absolut nicht erklären können, wir hatten alles so gemacht wie sonst beim Start auch immer, und aus den Daten ließ sich auch nicht wirklich etwas ableiten.
Dass ich dann, als ich mit einer Minute Rückstand dem Feld hinterher gejagt bin, zehn Runden lang die schnellsten Runden im Feld fuhr, mich sogar Zehntelsekundenweise von Timo absetzen konnte, war auch nur ein schwacher Trost. Der Rückstand war so groß, da war nichts mehr zu machen, aber ich wollte halt wenigstens irgendwann die Leute vor mir wieder in Sichtweite bekommen, war absolut am Limit - und dann in der 12. Runde auch ein kleines bisschen drüber. Prompt kam der Abflug - aber zum Glück hat das Auto nicht viel abgekriegt und für den Startplatz am Sonntag hat es auch nicht mehr so viel Unterschied gemacht... Dass schon einigen Leuten aufgefallen war, wie schnell ich wieder unterwegs war, ist zwar ganz schön - aber im Endeffekt bringt es mir halt leider doch nicht viel, weil letztlich nur die Ergebnisse zählen...
Am Sonntag bin ich dann als 24. weggefahren - und diesmal ging alles glatt, obwohl vorher beim Wegfahren aus der Box das Problem wieder aufgetaucht, der Motor wieder abgestorben war - und da geht es sogar Berg unter... Alles reichlich rätselhaft - aber andererseits sind die Startprobleme in der GP2 ja wohl so ziemlich von Anfang an nicht wirklich etwas Neues. Bis jetzt habe ich wohl immer Glück gehabt, dass es mich nicht erwischt hat - aber ausgerechnet an dem Wochenende, an dem so viel möglich gewesen wäre, das ist natürlich schon bitter...
Na ja, jedenfalls klappte diesmal der Start, bei mir zumindest - und ich konnte bis zur La Source schon drei oder vier Leute überholen. Dann brach dort in der Haarnadel ein riesiges Chaos aus, ich konnte das nutzen und bin relativ unbehelligt innen durch gekommen. Dann habe ich nach Eau Rouge auch noch Buemi und Conway erwischt - und war nach der ersten Runde Achter... Von Startplatz 24 aus nicht schlecht - ich glaube, das war die beste erste Runde, die ich je gefahren bin...
Zu dem Zeitpunkt hätte ich schon gedacht, dass vielleicht sogar ein Punkt noch möglich wäre, selbst wenn mich Conway bald wieder gekriegt hat. Aber nachdem ich einmal an Petrov vorbei war, konnte ich wieder ein paar Runden lang Boden auf die Spitze gutmachen. Bis dann halt wieder einmal Bremsprobleme auftraten, wie schon in Istanbul, ich nicht mehr wirklich attackieren konnte und dann sogar einmal in der Schikane geradeaus gefahren bin. Ein Teil des Problems kommt sicher daher, dass es während der Saison einmal einen neuen Bremstyp gab, mit dem wir bei Arden aber nie wirklich klargekommen sind. Deshalb verwenden wir weiterhin den alten Typ, der aber sehr leicht und schnell überhitzt...
Ach ja, aber eine ganz andere nette Geschichte gibt es aus Spa doch noch: Am Donnerstag habe ich dort im Fahrerlager eine belgische Familie getroffen, die ihren inzwischen vierjährigen Sohn Senna genannt hat. Der Vater, Marc Moeskops, war ein ganz großer Fan von Ayrton und wollte mich unbedingt mal kennen lernen. TV Globo, der größte brasilianische Fernsehsender, hat dann auch gleich eine ziemlich große Geschichte draus gemacht, wie ich ihnen das Auto erklärt und alles gezeigt habe. Ich habe den Eltern gesagt, dass sie den Jungen am besten so schnell wie möglich in ein Kart setzen sollen. Das war natürlich schon einerseits ein Scherz - andererseits, wenn man Rennen fahren will, ist es ja wirklich das Ideale, so früh wie möglich anzufangen...

















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