Do, 13.09.2007

GP2 - Kolumne - Bruno Senna

Vorfreude auf Spa

Bruno Senna durfte in Monza einen dritten Platz feiern. Nun freut er sich auf das Rennen in Spa-Francorchamps.
© Sutton

Motorsport-Magazin.com - Endlich gab es für mich mal wieder was zu feiern - es war schon schön, im Monza am Sonntag nach zwei Monaten Pause und vielen Enttäuschungen wieder einmal auf dem Podest zu stehen. Schon das erste Rennen am Samstag war ja super, wo ich von Startplatz 14 auf Rang vier nach vorne gekommen bin und endlich einmal wieder ein wirklich gutes Auto hatte - unsere "Umbauarbeiten" nach dem enttäuschenden Qualifying hatten diesmal wirklich funktioniert.

Es war schon sehr wichtig, nach der langen Durststrecke wieder einmal ein Ausrufezeichen zu setzen.
Bruno Senna

Am Sonntag hatte ich dann einen sehr guten Start, und wenn ich es gleich am Anfang noch geschafft hätte, auch noch an Risatti vorbeizukommen, dann wäre vielleicht sogar noch mehr drin gewesen. Denn dann hätte ich ein bisschen wegfahren können, aber so hing ich halt fest und von hinten konnten die ganzen noch etwas Schnelleren wie Timo Glock, aber auch Pantano und Filippi aufschließen und mich dann auch schnappen. Mit Filippi hatte ich dann ja in der zweiten Schikane auch noch eine leichte Feindberührung, danach stand mein Lenkrad etwas schief. Ich konnte mich zwar darauf einstellen, meine Fahrweise anpassen - aber an einen Angriff nach vorn war so natürlich nicht mehr zu denken. Immerhin hat es gereicht, um die anderen recht sicher hinter mir zu halten und den dritten Platz ins Ziel zu bringen. Es war schon sehr wichtig, nach der langen Durststrecke wieder einmal ein Ausrufezeichen zu setzen. Nicht nur für mich persönlich - auch in der allgemeinen Wahrnehmung ist so etwa ja gerade gegen Saisonende nicht unbedeutend.

Aber sehr viel Zeit zum Freuen blieb gar nicht. Am Dienstag habe ich noch einen Abstecher nach Schottland gemacht und weiter an dem Ferrari-Computerrennspiel mitgearbeitet, das jetzt in etwa zwei Wochen auf den Markt kommen wird. Das wird wirklich etwas Besonderes, ich kenne mich ja mit solchen Spielen ein bisschen aus, mach das selbst immer wieder mal gerne. Und eines weiß ich: Auch wenn es natürlich kein Simulator ist, wo man auch noch die Effekte von Kräften wirklich spüren kann - für ein Computerspiel kommt es der Realität schon sehr nahe. Das Fahrverhalten, die Reaktionen von "meinem" Ferrari F430, das passt schon alles sehr genau.

Bruno freut sich auf Spa © Sutton

Und jetzt steht ja schon Spa auf dem Programm. Dass wir jetzt auf das Ergebnis von Monza wirklich aufbauen können und es bei den letzten beiden Events auch von Anfang an wieder besser läuft, das wage ich noch nicht zu prophezeien. Es ist bei uns halt doch immer ein gewisses Lotteriespiel, ob unser Auto von Anfang an einigermaßen auf die Strecke passt oder nicht, und bei der wenigen Zeit, die wir vor Ort zum Aussortieren haben, wird das halt schnell zum großen Problem.

Jetzt in Spa ist es aber wenigstens so, dass ja niemand verlässliche Daten hat - dadurch, das im letzten Jahr da nicht gefahren wurde. Und 2005 war die GP2 ja noch mit Rillenreifen unterwegs - außerdem hat es da viel geregnet. Wenn alle rätseln müssen, dann könnte das für uns ein kleiner Vorteil sein. Außerdem kenne ich Spa sehr gut, ich bin da ja letztes Jahr mit der britischen Formel 3 gefahrenen und sehr gut zurecht gekommen. Da war ich zweimal Dritter, allerdings immer unter ziemlich chaotischen Umständen, auch vom Wetter her - richtig schnell war ich jedenfalls. Und in diesem Jahr im Juli habe ich noch einmal einen kompletten Testtag mit dem Ferrari 430 dort absolviert. Da gab es zwar keine offizielle Zeitmessung, aber so nach unserer privaten Stoppung war ich schon auch der Schnellste, obwohl ich da wirklich nicht groß gepusht habe, sondern eher vorsichtig zu Werke gegangen bin. Insgesamt haben an dem Tag ja acht Leute dort Ferrari-Schrott gebaut - und das musste ja nun für mich wirklich nicht sein. Es ging ja vor allem darum, die Strecke noch einmal genau kennen zu lernen. Ich mag Spa sehr, sehr gerne, das ist ein toller Kurs, eine echte Herausforderung für den Fahrer, wo man wirklich immer an die Grenzen kommt, vor allem auch das Auto an seine Grenzen treibt - und wo der Fahrer wirklich noch einen Unterschied machen kann.. Eau Rouge natürlich vor allem, aber auch Blanchimont und noch ein paar andere Stellen - das ist schon etwas ganz Besonderes. Dazu kommt noch das Wetter, dass man ja immer mit Regen rechnen muss... Wobei mir Spa auch im Regen in der Formel viel Spaß gemacht hat, weil da trotzdem viel Grip war, man richtig "zaubern" konnte. Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn es auch jetzt am Wochenende mal nass würde...

Euer Bruno Senna
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Bruno Senna
Bruno Senna

Der Name Senna verpflichtet. Bruno ist der Neffe des großen Ayrton und gibt genauso Gas wie sein berühmter Namensvetter. Nach der britischen F3 fährt er nun in der GP2.