F3 EuroSeries - Kolumne - Tim Sandtler
Verflixte Kurve eins
Motorsport-Magazin.com - Das Wochenende am Nürburgring war ein echtes Déjà-vu-Erlebnis. Das erste Rennen war schon nach der ersten Kurve vorbei, genauso wie in Mugello und Zandvoort. Im zweiten Lauf konnte ich durch den Unfall nur noch hinterherfahren. So langsam habe ich das Gefühl, dass ich das Pech an mir kleben habe. Ich habe mir die Szene in der ersten Kurve nach dem Start noch einmal auf DVD angesehen. Mailleux und Kobayashi haben sich verbremst, der Franzose hat mich danach durch die ganze Kurve geschoben. Ich habe versucht einen Weg zurück auf die Strecke zu finden, aber er hat mich geblockt. Das ging solange, bis er mich im wahrsten Sinne des Wortes ausgehebelt hat. Hinten war schon alles krumm, als mir wenig später noch ein anderen Fahrer gegen das Vorderrad gefahren ist.
Im zweiten Lauf am Sonntag war dann schon vorher klar, dass nichts mehr zu holen ist. Ich musste von weit hinten starten und bin am Ende noch 13. geworden, direkt hinter Sergey Afanasiev. Auch an ihm war ich schon vorbei, doch er konnte kontern. Trotz der langen Geraden ist es am Nürburgring sehr schwierig, zu überholen. Denn davor ist meist eine schnelle, lange Kurve, wo der Anpressdruck fehlt. Immerhin hat es ein paar Mal mit dem Überholen geklappt.
Nur der Unfall wurmt mich. Ich habe mich weder dumm platziert, noch bin ich zu risikoreich in die erste Kurve gegangen. Ich konnte wieder nichts dafür, Mailleux ist mir einfach ins Heck gerauscht. Das Problem war, dass ich auf der Außenbahn starten musste. Normalerweise versucht man immer, sich auf der Innenbahn einzureihen. Dort fuhren die Piloten jedoch schon wie an der Perlenschnur aufgereiht. Außen kann man jedoch später bremsen und profitiert vom Rückstau auf der Innenseite, es ist also prinzipiell keine schlechte Option. Leider besteht immer die Gefahr, dass man nicht in die Kurve kommt, weil alles blockiert ist. Nach dem Losfahren muss man die Entscheidung in Sekundenbruchteilen fällen. Man kann nicht vorhersagen, was passiert. Es ist wichtig, dass Feld zu beobachten. Wer ist neben einem, wer vor einem und wer kommt von hinten? Erst dann kann man sich entscheiden.
Es gibt einen bekannten Spruch: "Ein Rennen gewinnt man nicht in der ersten Kurve." Eigentlich stimmt das, aber jede Position, die man am Start gewinnt, entscheidet über das spätere Resultat. Vor allem, wenn es so schwer ist zu überholen. Hoffentlich klappt es beim nächsten Rennen in Barcelona besser. Ich bin sehr optimistisch und will wieder auf Punktejagd gehen, auch wenn es letztes Jahr nicht so gut lief. Aber da war ich noch in einem anderen Team. Schon in Brands Hatch habe ich gezeigt, dass dies nichts zu bedeuten hat.
Überrascht hat mich der gute Einstand von Volkswagen. Die Marke steht voll hinter ihrem Einsatz. Und ein Großunternehmen im Rücken zu haben, kann nie schaden. Man weiß aber überhaupt nicht, wie viel sie im Vorfeld getestet haben - was die tolle Leistung beim ersten Rennen nicht schmälern soll. Auch für uns wären die Motoren eine Option für die Saison 2008. Zunächst muss man aber abwarten, wie sie sich in den nächsten Rennen entwickeln. Sie werden sicher nicht die Hände in die Taschen stecken. Große Updates werden jedoch nicht mehr kommen, denn das geht nur zum Jahreswechsel. Aber man kann das Steuerprogramm verbessern und die Ausschöpfung der Motorleistung optimieren. Zu weit sollte man allerdings nicht gehen, denn irgendwann geht auch der beste Motor kaputt.
Tim ging den klassischen Motorsportweg: Aus der Kartwelt in die Formel BMW und von dort in die Formel 3 EuroSerie. Dort tritt er in seinem zweiten Jahr für Jo Zeller Racing an.
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