Formel 3 Cup - Kolumne - Christian Vietoris
Zu viel freies Training
Motorsport-Magazin.com - Das Wochenende auf dem Eurospeedway war für mich eigentlich nicht schlecht, hätte aber auch besser sein können. Begonnen hat es jedenfalls sehr gut. Im ersten freien Training waren wir auf alten Reifen drei Zehntel schneller als der Rest. Als die Konkurrenz auch noch auf alten Reifen war, waren wir sogar sechs Zehntel schneller. Wir hatten also von Beginn an gute Karten für das restliche Wochenende. Doch leider gab es zu viel freies Training - insgesamt drei Stunden. In dieser Zeit mussten wir bemerken, dass die Konkurrenz immer mehr zu uns aufgeschlossen hat.
Eigentlich konnte man minütlich beobachten, wie die Gegner näher an uns herangekommen sind. Im zweiten Training waren wir am Ende dann nur noch Dritter. Allerdings konnten wir unsere Reifen nicht ideal ausnutzen. In meiner ersten schnellen Runde wurden die roten Flaggen gezeigt und ich musste abbrechen. Danach sind wir nicht mehr hinausgegangen, weswegen eben nur der dritte Platz zu Buche stand. Ich denke, P1 wäre schon noch drin gewesen. Trotzdem, die Konkurrenz hatte in den Trainings sehr stark aufgeholt. Wären die Sessions kürzer gewesen, hätte uns das sicher mehr geholfen als geschadet.
Wir hatten aber immer noch die Pace, um nach ganz vorne zu fahren, also sind wir auch mit dementsprechenden Erwartungen ins Qualifying gegangen. Im ersten Zeittraining habe ich auch die Pole Position geholt. Im zweiten haben mir dann aber 34 Tausendstel gefehlt. Das zeigt auch, wie eng es bei uns zugegangen ist. Und das nicht nur bei den Zeiten. Auf der Strecke war es schwer, eine freie Runde zu finden, weil sie sehr klein ist. Ich denke, es hat aber bei jedem ein, zwei Mal funktioniert.
Im ersten Rennen ist es trotz der Pole leider nicht optimal für mich gelaufen. Denn wenn man ganz vorne startet, darf man normalerweise nicht Dritter werden. Beim Start hatte ich aber den Druckpunkt der Kupplung falsch gesucht und bin deswegen auf den zweiten Platz zurückgefallen. In der vorletzten Runde wollte ich schließlich noch einen Punkt gutmachen, weil es für die schnellste Runde auch noch einen gibt. Leider hatte ich aber einen Fehler drin und den zweiten Platz auch noch verloren. Letztendlich bin ich aber noch Dritter geworden und habe damit ein bisschen auf den Meisterschaftsführenden aufgeholt. Zufrieden stellend war das aber natürlich nicht, denn ich wollte von der Pole weg schon gewinnen.
Im zweiten Rennen hat der Start gut funktioniert, aber Carlo van Dam kam auch gut weg und ich hatte keine Chance, vorbeizuziehen. Da in den ersten beiden Runden die Reifen noch nicht ganz da waren, konnte Carlo ein bisschen davon ziehen, in weiterer Folge konnte ich die Lücke aber wieder zufahren. Ab der sechsten Runde bekam ich dann aber Schaltprobleme. Ich musste den Schalthebel immer nach vorne drücken und konnte erst danach ziehen. Er ist also nicht automatisch nach vorne gegangen. Das hat Zeit gekostet und ich habe die Gänge auch nicht immer hinein bekommen. Besonders auf der Geraden hat das viel gekostet und der Drittplatzierte konnte dort immer gut aufholen. Deswegen musste ich mich ab der siebten oder achten Runde mit dem zweiten Platz abfinden und darauf achten, den auch zu verteidigen. Verdonck hat hinter mir ziemlich viel Druck gemacht, war in der letzten Runde sogar schon neben mir, aber es hat zum Glück doch gereicht.
Geholfen hat mir, dass es nicht so einfach ist, auf dem Eurospeedway zu überholen. Es sind viele schnelle Kurven drin. Der Lola ist in den Kurven aber schnell, also war es trotzdem harte Arbeit, Verdonck hinter mir zu halten. Das Wochenende war irgendwie nicht optimal. Begonnen haben wir im Training gut, sind dann aber stehen geblieben. Die anderen waren vielleicht ein, zwei Zehntel schneller als wir. Es war aber das sechste Rennen mit dem Dallara, fünf Mal war ich auf dem Podium, es macht definitiv Spaß, jetzt da vorne mitzufahren.
Wir haben beim Auto ein gutes Basis-Setup gefunden, ein paar kleinere Änderungen sind noch möglich. Es reicht in jedem Fall, um unter die ersten Drei zu fahren. Im Moment können wir aber nicht viel testen, weil es keine freien Strecken gibt. Es gibt aber immer Verbesserungsmöglichkeiten und wie gesagt, für die ersten Drei reicht es im Moment. Wenn es so weiterläuft, könnte es in der Meisterschaft noch bis auf P2 gehen.














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