Mi, 25.07.2007

GP2 - Kolumne - Bruno Senna

Positive Halbzeitbilanz - trotz Pech am Nürburgring

Deutschland brachte Bruno kein Glück. Dennoch zieht er eine positive Zwischenbilanz.
© GP2 Series

Motorsport-Magazin.com - Im Moment scheint ein bisschen der Wurm bei uns drin zu sein: Nach Silverstone ging auch am Nürburgring nicht viel - diesmal hatten wir vor allem am Freitag im Qualifying ein Auto, das so massiv untersteuert hat. So war wirklich nicht viel möglich. Dann versucht man natürlich, mehr aus dem Auto rauszuholen, als drin ist, mit dem Ergebnis, dass ich auch selbst keine optimale Runde hingekriegt habe. Die einzelnen besten Sektorzeiten zusammen, das wäre ja noch einigermaßen gegangen, aber so war es nur Startplatz 16...

Dann die Durchfahrtsstrafe am Samstag, auf dem Weg zu Platz acht, die wohl ein bisschen ungerechtfertigt war - und statt einer möglichen Pole Position am Sonntag stand ich dann auf Platz 15. Dass ich mir dann gleich kurz nach dem Start bei einer nur ganz leichten Berührung mit Viso die Aufhängung abgeknickt habe, passt da irgendwie ins Bild... Und wenn in einem Wochenende der Wurm drin ist, dann ist er offenbar richtig drin: Ich musste diesmal noch vor dem Grand Prix weg, um den Flug nach London zu erwischen, aber als wir in Frankfurt an den Flughafen kamen, war die British Airways-Maschine abgesagt - zum Glück konnte man uns noch auf die nächste Lufthansa umbuchen.

Noch kennt Bruno den Hungaroring nicht, aber das ändert er noch vor dem Rennen. © Sutton

Der Nürburgring war ja für uns in der GP2 Saisonhalbzeit. Und auch wenn die beiden letzten Wochenenden aus verschiedenen Gründen nicht gerade erfolgreich verlaufen sind: Grundsätzlich bin ich mit dem, was ich in der ersten Saisonhälfte erreicht habe, absolut zufrieden. Der Sieg in Barcelona war natürlich das absolute Highlight, aber auch der Auftakt in Bahrain war ja schon sehr gut, besser, als ich mir das vor dem Saisonstart vorgestellt hatte. Ich muss zugeben, ich war ja schon selbst überrascht, dass es in meiner allerersten GP2-Saison von Anfang an so gut lief. Dann der dritte Rang im Qualifying in Magny Cours und der Podiumsplatz im ersten Rennen - es gab schon einige wirklich schöne Momente und auch in der Zusammenarbeit mit dem Team, mit meinem Ingenieur, in der Abstimmung des Autos, bin ich jetzt schon viel weiter.

Auch aus den Sachen, die nicht so toll waren, habe ich jeweils viel gelernt - Dinge, die ich dann in der Zukunft verwenden und besser machen kann. Etwa meinen beiden Fehlern in Magny Cours im zweiten Rennen und vor allem im Qualifying in Silverstone - dass ich da das Auto rausgeschmissen habe, an einem Wochenende, wo so viel drin gewesen wäre, war sicher die bisher größte Enttäuschung. Aber auch so etwas wie die massiven Abstimmungsproblemen, denen wir uns am Nürburgring gegenüber sahen, ist etwas, was eben mal vorkommen kann, mit dem man sich auseinandersetzen muss, damit man in Zukunft besser und schneller reagieren kann.

Am Nürburgring lief es nicht nach Plan. © Sutton

Hundertprozentig zu Hause bin ich in der GP2 vielleicht noch immer nicht, es gibt ja immer noch mehr zu lernen, aber ich gehe jedenfalls sehr zuversichtlich in die zweite Saisonhälfte. Da kommen noch ein paar Strecken, die mir von der Charakteristik her entgegenkommen sollten. Istanbul vor allem, auch Monza - und dann natürlich Spa, wo ich auch aus der britischen Formel 3 einige Erfahrung habe. Nur Valencia am Ende mag ich nicht besonders - und wie es mit dem Hungaroring aussieht, das weiß ich auch noch nicht so genau, das wird vielleicht nicht ganz so nach meinem Geschmack sein. Auf jeden Fall schaue ich mir den gerade in diesen Tagen mit einem privaten Ferrari schon mal ein bisschen näher an - ich war ja vorher noch nie dort.

Ich denke schon, dass es möglich sein sollte, in den noch ausstehenden zehn Rennen noch ein paar Podiumsplätze zu holen, vielleicht auch noch einmal zu gewinnen. Und auch wenn ich jetzt im Moment auf den siebten Rang in der Meisterschaft zurückgefallen bin - auf den vierten Platz fehlen mir ja nur vier Punkte und ich habe schon vor, da noch wieder ein Stück nach vorne zu kommen. Die Top Five bleiben auf jeden Fall das Ziel. Und all das, was ich jetzt noch an Erfahrungen sammle, kann ich dann ja nächstes Jahr von Anfang an ein- und umsetzen und dann hoffentlich von Anfang an wirklich um den Titel kämpfen.

Euer Bruno Senna
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Bruno Senna
Bruno Senna

Der Name Senna verpflichtet. Bruno ist der Neffe des großen Ayrton und gibt genauso Gas wie sein berühmter Namensvetter. Nach der britischen F3 fährt er nun in der GP2.