F3 EuroSeries - Kolumne - Tim Sandtler
Sehr spektakuläres Wochenende
Motorsport-Magazin.com - Nach dem nicht so tollen Wochenende auf dem Norisring verliefen die Tage in Magny-Cours wieder gut für uns. Ausgehend von einer nicht optimalen Qualifikation konnten wir uns immer weiter steigern und habe am Ende zwei Punkte mitnehmen können. Mit den Schritten, die wir im Laufe des Wochenendes gemacht haben, bin ich sehr zufrieden. Es mussten sich ja einige Fahrer von hinten durch das Feld kämpfen und ich glaube, dass ich von denjenigen wohl den besten Job gemacht habe.
Leider kann ich immer noch nicht sagen, wie das Schaltproblem im zweiten Rennen zustande kam. Wir vermuten, dass das Problem am Schaltseil liegt. Schon ab der ersten Runde hatte ich Schwierigkeiten beim Hochschalten. Der Schalthebel ging nach dem Ziehen einfach nicht mehr in seine Ausgangsposition. Kurz vor dem Restart habe ich gar keinen Gang mehr rein bekommen und etwas Zeit verloren. Vom Fahrerischen war das nachher kein Problem mehr, ich musste mich nur daran gewöhnen. Es hat immer ein wenig mehr Konzentration erfordert, vor dem Schalten noch den Hebel nach vorne zu schieben.
Im Rahmen der Formel 1 zu fahren hat es für uns nicht unbedingt einfacher gemacht. Vor allem im Vergleich zum Test vor einigen Monaten waren die Bedingungen total anders. Am Freitag waren wir die ersten Fahrzeuge auf der Strecke, es war noch kalt, die Strecke dreckig und an einigen Stellen sogar noch feucht. Von Tag zu Tag hat sich der Kurs verändert, denn die Formel 1-Fahrzeuge haben viel Gummi gelegt. Man merkt schon einen großen Unterschied, wenn der Reifenabrieb nicht von unseren Pneus stammt. Der Formel 1-Gummi verträgt sich nicht so gut mit unseren Reifen, dass ist ähnlich wie in der DTM und den Dunlop-Reifen. Normalerweise ist es ja immer besser, wenn mehr Gummi auf der Strecke liegt. Das ist aber nur der Fall, wenn er auch von den eigenen Reifen stammt. Beim Testen hatten wir zum Beispiel viel bessere Bedingungen.
Aber auch neben der Strecke gab es viel zu entdecken. Es war toll, am Mittwoch und Donnerstag einmal durch die Boxengasse zu schlendern und einen kurzen Blick in die Boxen werfen zu können. Bei den Formel 1-Teams sitzen da nicht zwei Ingenieure, sondern gleich 17 Stück. Auch wie die Teams sich präsentieren ist atemberaubend. Red Bull braucht für den Aufbau seiner Hospitality so viele Trucks wie die ganze DTM für ein Wochenende. Sehr spektakulär!
Der Formel 1 hatten wir es auch zu verdanken, dass wir nach den Rennen lange Pausen hatten. Viel machen kann man da nicht. Am Freitag saß ich die ganze Zeit mit dem Team zusammen. Wir haben überlegt, wie wir unser Setup verbessern können und haben die Daten analysiert. Da muss ich mich auch einmal beim Team bedanken, dass sind auch nur Jo und zwei Mechaniker. Sie haben das Auto perfekt vorbereitet und saßen am Freitag bis zwölf Uhr nachts im Zelt. Der Aufwand hat sich aber gelohnt.
Für mich war der ganze Trubel nicht einfach. Irgendwann war ich auch froh, wenn ich mal eine ruhige Minute für mich hatte. Am Samstagabend war auf den Campingplätzen rund um die Strecke viel Musik und Stimmung. Das ist natürlich nicht so klasse, wenn man früh ins Bett will und Sonntagsmorgens ein Rennen hat. Besonders am Sonntag war viel los. Am Freitagabend bin ich noch mit einem anderen Fahrer um die Strecke gelaufen. Die Ruhe abseits der Fans und Motoren war etwas ganz Besonderes.
Als nächstes geht es nach Mugello. Ich kenne die Strecke noch nicht, aber glücklicherweise haben wir am Donnerstag eine ausgiebige Testmöglichkeit. Selbst wenn ich vorher auf der Playstation übe, spare ich mir nur zwei oder drei Runden im Formelauto. Viel wichtiger wird der Mittwoch werden, wenn wir die Strecke abgehen können und uns alle wichtigen Details einprägen.
Tim ging den klassischen Motorsportweg: Aus der Kartwelt in die Formel BMW und von dort in die Formel 3 EuroSerie. Dort tritt er in seinem zweiten Jahr für Jo Zeller Racing an.
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