Fr, 01.06.2007

GP2 - Kolumne - Bruno Senna

Viele Emotionen in Monaco

Bruno Senna hatte in Monaco viel zu tun. Neben der GP2 gab es viele Termine, die ihn teilweise sehr berührt haben, wie er in seiner adrivo.com-Kolumne erzählt.
© Sutton

Motorsport-Magazin.com - Ich kann nicht behaupten, dass ich am Monaco-Wochenende besonders wenig zu tun gehabt hätte - und damit meine ich nicht nur mein GP2-Rennen dort. Erstens ist natürlich nach meinem Barcelona-Sieg der Medienrummel ziemlich groß geworden, ich weiß gar nicht mehr genau, wie viele Interviews ich speziell Donnerstag und Freitag gegeben habe, es war jedenfalls alles sehr gedrängt, so dass ich zum Teil nach dem Training nicht mal zum Umziehen gekommen bin... Denn da war ja auch noch die andere große Veranstaltung zum Gedenken an meinen Onkel Ayrton und zugunsten der Ayrton Senna Foundation am Freitag Abend, bei der ich dabei sein sollte und wollte. Aber für so was braucht man dann halt auch so Dinge wie einen Smoking - den ich vorher nie besessen habe und den ich dann am Freitag Nachmittag noch probieren gehen musste, nachdem mir meine Mutter schon am Vortag ein passendes Hemd und Schuhe besorgt hatte - ich hatte meine eleganten Sachen dummerweise in England vergessen... Kostet halt alles Zeit - vor allem im leichten Chaos eines Monaco-GP-Wochenendes. Aber am Ende haben wir alles hingekriegt - und es war für mich auch ein sehr schönes Erlebnis.

Da durchzugehen und die ganzen Fotos und Videos zu sehen. Das weckt tiefe Emotionen
Bruno Senna

Die Austellung über Ayrton und seine ganzen großen Erfolge in Monaco war wirklich sehr beeindruckend - das hat mich schon sehr berührt, da durchzugehen und die ganzen Fotos und Videos zu sehen. Das weckt tiefe Emotionen - aber manchmal musste ich auch einfach ein bisschen schmunzeln... Nicht nur bei den Champagnerschlachten nach seinen Siegen, sondern sogar, als ich seinen Unfall 1988 vor dem Tunnel sah, wo er sich doch so sehr über sich selbst geärgert hat. Dabei fiel mir ein, dass mir mein Team schon vorher gesagt hatte, dass das die Stelle sei, wo ich in der GP2 jetzt am allerwenigsten einen Crash bauen dürfte. Danach gab es dann noch die Versteigerung verschiedener Overalls und Helme von Formel-1-Fahrern zugunsten der von meiner Mutter geleiteten Ayrton Senna Foundation. Knapp 165 000 Euro kamen da in kurzer Zeit zusammen. Was ich sehr schön fand, war, dass auch einige Leute gekommen waren, die Ayrton immer sehr nahe standen, Josef Leberer zum Beispiel - aber vor allem auch Isabelle, Ayrtons erste Haushälterin aus Monaco. Ich hatte sie ja schon ewig nicht mehr getroffen, seit meiner Kinderzeit nicht. Ich war damals zwar nie in Monaco, aber sie hat ab und zu auch für Ayrton in seinem Haus in Portugal gearbeitet und dort war ich öfters mal. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, dass sie mir immer ganz spezielle Spiegel- und Zuckereier gemacht hat. Sie wieder zu sehen und in die Arme zu nehmen, war ganz toll. Wer weiß, vielleicht kann ich sie engagieren, wenn ich auch mal nach Monaco ziehen sollte. Die einzige Gefahr dabei wäre, zu dick zu werden - weil sie einfach zu gut kocht.

Rein sportlich wäre es natürlich schön gewesen, in Monaco gleich an die Erfolge von Barcelona anknüpfen zu können. Und ich hatte mir ja auch einiges ausgerechnet, schließlich mag ich Straßenkurse. Aber irgendwie war das einfach nicht so richtig mein Wochenende. Im Qualifying lag das Auto nicht besonders, sprang ziemlich stark, dazu kam dann noch mein Anteil des üblichen Monaco-Verkehrs, der neunte Startplatz war nichts Besonderes. Da habe ich allerdings noch gehofft, im Rennen trotzdem noch einiges gutmachen zu können, mit einer guten Strategie, mit einem hoffentlich besseren Auto - und wenn vielleicht vor mir ein paar Leute Fehler machen würden, was ja in Monaco häufig vorkommt.

Im Rennen lief es nicht nach Wunsch für Bruno © Sutton

Es gab dann aber doch sehr wenig Chaos vorne, das mir hätte helfen können. Aber Timo Glock, der auch nur einen Platz vor mir startete, hat ja bewiesen, das schon was geht, wenn alles passt. Bei mir hat freilich nicht viel gepasst: Mein erster Reifensatz hat extrem abgebaut, da hat der Reifendruck nicht gestimmt. Dadurch habe ich zeitmäßig schon sehr viel Boden verloren - und gerade unter diesem Aspekt war unsere Strategie, möglichst lange draußen zu bleiben, im Nachhinein betrachtet sicher falsch. Aber die Idee war halt, dass man in Monaco spät stoppen müsse, um nicht in den Verkehr zu geraten und dann hinter extrem langsamen Autos fest zu hängen, an denen man nicht vorbeikommt. Gut - nach dem Rennen hatte ich auch das Gefühl, dass das vielleicht nicht ganz so zutrifft, dass man sehr wohl vorbeikommen kann, wenn der Vordermann deutlich langsamer ist. Ich habe mit Sicherheit was daraus gelernt - beim nächsten Mal würde ich es anders machen, früher reinkommen.

So war dann nach dem Boxenstopp und den zwei Safetycar-Phasen, die für meine Strategie auch zu spät kamen, nicht mehr viel zu machen. Hirate konnte ich noch überholen, nachdem ich ihn in der Runde vorher in der Loews schon mal leicht angeschubst hatte, weil er gar so langsam war. In der nächsten hat er dann dort einen Fehler gemacht, eine kleine Lücke gelassen - und da hatte er keine Chance mehr! War ein schönes Manöver, hat Spaß gemacht und hat wohl auch aus der Perspektive meiner Onboard-Kamera ganz gut ausgesehen. Danach bin ich zwar auf der Jagd nach Nakajima noch ein paar richtig schnelle Runden gefahren, unter anderem die drittschnellste Rennrunde, weil ich ja so kurz vor Schluss nicht mehr besonders auf die Reifen aufpassen musste und voll angreifen konnte. Bei einer Kontrolle des Autos am Montag in England hat mein Team dann übrigens auch noch festgestellt, dass der Stabilisator gebrochen war - möglicherweise bin ich fast das ganze Rennen so gefahren. Hilfreich war das garantiert auch nicht, aber egal, abhaken, nach vorn schauen... Es kommen noch viele Rennen in dieser Saison, ich bin in der Meisterschaft immer noch Dritter - der Schaden hält sich also in Grenzen.

Die einzige Chance, so was mal auf einer öffentliche Straße zu machen, ohne gleich einen Strafzettel zu kriegen
Bruno Senna

Ein bisschen Spaß hatte ich dann noch nach dem Rennen: In Monte Carlo gibt es ja die Besonderheit, dass wir nach den Trainings und nach den Rennen mit unseren Autos von den Boxen über eine normale öffentliche Straße in unser Fahrerlager in einem Parkhaus am Palastberg hochfahren müssen, durch zwei Tunnel durch. Könnte sein, dass ich da am Samstag Abend ein paar unschuldige und ahnungslose Fußgänger ein bisschen erschreckt habe, als ich mal ein bisschen herumgespielt, ein wenig mehr Gas als nötig gegeben habe - und ein bisschen quer stand. War aber nur ein kleiner Scherz, alles unter Kontrolle - und die einzige Chance, so was mal auf einer öffentliche Straße zu machen, ohne gleich einen Strafzettel zu kriegen. Ist wohl schon was dran, dass so ein bisschen kindlicher Spieltrieb in uns allen steckt, der ab und zu mal raus muss. Vor allem, weil ja sonst nicht so viel Zeit zum Entspannen bleibt: Am Dienstag nach Monaco bin ich in Silverstone noch einen Test mit dem Ferrari gefahren, mit dem ich am 10.Juni als Gast bei den Ferrari Racing Days in Silverstone starten werde. Das Auto ist ganz schön schnell, macht richtig Spaß. Zwischendurch stehen noch sechs Tage Promotion- und Sponsortermine in Brasilien auf dem Programm - und am 19. und 20. Juni dann der nächste GP2-Test in LeCastellet. Meine theoretische Pause bis zum nächsten Rennen in Magny Cours ist also ganz schön ausgefüllt.

Euer Bruno Senna
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Schlagwörter: GP2, Monaco, Bruno Senna, Kolumne

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3 Leser-Kommentare
am 04. Juni um 14:13 Uhr
Anonymer Kommenar: Super Sache
Bruno, mach einfach weiter so!
am 02. Juni um 13:15 Uhr
senninha1:
Podem os mil ângulos guiam sempre sua maneira! Boa sorte!! ..para o corrida seguinte.
am 02. Juni um 05:01 Uhr
Anonymer Kommenar:
Você é um anjo
Bruno Senna
Bruno Senna

Der Name Senna verpflichtet. Bruno ist der Neffe des großen Ayrton und gibt genauso Gas wie sein berühmter Namensvetter. Nach der britischen F3 fährt er nun in der GP2.