Di, 15.05.2007

GP2 - Kolumne - Bruno Senna

Das Geheimnis hinter dem schnellen Erfolg

Schon am zweiten Rennwochenende ist Bruno am Ziel seiner Träume angekommen.
© Sutton

Motorsport-Magazin.com - Was für ein unglaubliches Wochenende in Barcelona. Ich konnte es am Sonntag nach dem zweiten Rennen immer noch kaum glauben, wie toll das alles für mich gelaufen ist. Ich hätte mir vorher sicher nie erträumt, dass ich hier schon meinen ersten GP2-Sieg feiern würde, hinter Timo auch am Sonntag wirklich konstant der zweitschnelle Fahrer auf der Strecke war und dann auch noch als Gesamt-Zweiter in der Meisterschaft aus Barcelona weggehen würde. Es waren unglaubliche Emotionen, dieser erste Sieg - auch wenn ich am Anfang eine Weile gebraucht habe, um sie überhaupt zu spüren. Mein Adrenalinspiegel direkt nach dem Rennen war so hoch, dass ich erst einmal gar nicht wirklich etwas fühlen konnte, das ist dann fast wie eine Taubheit, die sich im ersten Moment über alles legt. Aber so allmählich beginnt es dann, einzusinken...

Bruno Senna - schon am zweiten Rennwochenende ganz oben. © Sutton

Wenn ich zurückschaue und analysiere, was zu diesem schnellen Erfolg beigetragen hat, dann ist das in erster Linie sicher die konsequente Arbeit am Auto zusammen mit meinem Team. Um heute im Rennsport Erfolg zu haben, ist es das wichtigste, ein absolutes Vertrauensverhältnis zu seinem Ingenieur aufzubauen. Als ich zu Arden kam, wusste ich ziemlich schnell, dass der Ruf, der Mick Cook vorauseilt, nicht ganz ungerechtfertigt ist. Er ist sehr, sehr gut, aber er hat relativ feste Ansichten darüber, wie ein Auto zu sein hat - und es ist nicht einfach, ihn umzustimmen. Aber mir ist es dann schon während der Tests gelungen, ihn doch zu verschiedenen Änderungen zu bewegen. Dass ich dann praktisch jedes Mal gleich schneller war, wenn wir etwas so gemacht haben, wie ich es wollte, hat sicher dazu beigetragen, dass er meinen Vorschlägen mehr und mehr vertraut hat. Inzwischen ist unsere Zusammenarbeit unglaublich gut - er macht jetzt manchmal schon Dinge, ohne überhaupt noch einmal zurückzufragen, warum.

Am Freitag Abend in Barcelona haben wir zum Beispiel noch bis abends um neun an der Strecke zusammen gesessen und an einer Lösung getüftelt, wie man die extreme Abnutzung der Hinterreifen über die Distanz, die ja in Barcelona berüchtigt ist, in den Griff bekommen könnte. Und offenbar sind wir der Sache schon ziemlich nahe gekommen, wenn man sich am Samstag das Rennen angeschaut hat. Immerhin bin ich in der letzten Runde noch eine Zeit gefahren, die nur drei Zehntel hinter meiner schnellsten Rundenzeit lag.

Mein Adrenalinspiegel direkt nach dem Rennen war so hoch, dass ich erst einmal gar nicht wirklich etwas fühlen konnte.
Bruno Senna

Und dann waren natürlich auch meine guten Starts wichtig - in beiden Rennen. Ich glaube, der am Sonntag war sogar noch ein kleines bisschen besser als der am Samstag. Was für die Starts eine große Rolle spielt, ist das Kupplungssystem, das wir haben, das aus zwei Kupplungshebeln besteht. Den rechten kann man bei grün sofort komplett loslassen, dadurch sind die Reaktionszeiten sehr gut. Mit dem linken Hebel dosiert man und kontrolliert das Durchdrehen der Räder. Ich komme damit jedenfalls sehr gut zurecht, ich hoffe, es bleibt so - gerade am nächsten Wochenende in Monaco. Da ist ein guter Start ja noch mehr wert als überall anders.

Auf das Rennen in Monaco freue ich mich sehr. Sicher wird es für mich etwas Besonderes sein, dort zu fahren. So werde ich die Strecke, auf der Ayrton so viele ganz besondere Siege gefeiert hat, nach meinem Porsche-Cup-Einsatz letztes Jahr jetzt auch in einem Formel-Auto kennen lernen. Und danach kann ich sicher noch viel besser einschätzen, wie schwierig das damals für ihn gewesen sein muss, was da für eine Leistung dahinter steckte. Ich selbst mag Stadtkurse auch sehr gerne, meine Lieblingsstrecke ist und bleibt ja Macau.

Der erste GP2-Pokal - ihm werden sicher weitere folgen... © Sutton

Ich habe auch schon einige Ideen, was wir noch am Auto machen müssen, um für Monaco optimal gerüstet zu sein. Ich werde auch in dieser Woche die Zeit nützen, werde zum Team ins Werk fahren, damit wir da schon mal einiges vorbereiten und durchsprechen können. Und einen neuen Sitz müssen wir natürlich auch machen. Ich habe ja in Barcelona gemerkt, dass meiner in Bahrain dadurch, dass das Auto da am Sonntag nach dem Rennen, vor dem Wiegen, ewig in der Sonne stand, total verzogen und beschädigt war. Aber direkt vor Ort an der Strecke einen neuen zu machen, das ist zu riskant, das kann voll daneben gehen. So musste ich mich halt das eine Wochenende damit abquälen, wir haben ja versucht, die gröbsten Macken wieder auszubessern, aber es war alles andere als optimal. Ich hatte nachher überall am Rücken blaue Flecken.

Eines ist sicher wichtig: Ich darf mich von diesem Erfolg, den ich selbst nie erwartet hatte, nicht überwältigen lassen. Ich selbst habe, ehrlich gesagt, nicht damit gerechnet, dass es so schnell so gut gehen würde. Ich habe vor Saisonbeginn wirklich gedacht, dass der Start in die GP2 noch schwieriger würde, dass ich mich erstmal im Mittelfeld bewegen würde, vielleicht so unter den Top-Ten. In Bahrain konnte ich die Ziele dann schon ein bisschen nach oben korrigieren. Dass jetzt schon der erst Sieg kam, heißt aber nicht, dass man sich darüber freuen und sich dann zurücklehnen kann. Es liegt noch eine harte Saison vor mir, ich muss mich auf die nächsten Rennen konzentrieren und sogar noch härter arbeiten. Das tue ich - zusammen mit dem Team. Wir sind schnell - aber wir müssen noch schneller werden. Denn klar: Jetzt, wo ich einmal gewonnen habe, möchte ich natürlich noch mehr Siege!

Euer Bruno Senna
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3 Leser-Kommentare
am 19. Mai um 20:04 Uhr
Anonymer Kommenar: dynamo
ja ein würdiger zweiter wird er hinter Glock.Senna sieht man demnächst in der F1.
am 16. Mai um 16:53 Uhr
Anonymer Kommenar:
Es erfüllt mich mit großer Freude was man über Bruno so liest. Berühmter Onkel hin oder her, seine Performance ist so gut, er bräuchte diesen großen Namen nicht, um nach vorne zu kommen.
am 16. Mai um 14:18 Uhr
Anonymer Kommenar: Siege
Ich bin fest davon überzeugt, wenn Du weiterhin so konzentriert arbeitest, kommen die Siege von ganz alleine. Sieh nur zu, daß Du in Monaco einen guten Startplatz erwischst. Das war Deinem Onkel immer sehr, sehr wichtig. Überholen ist dort ja bekanntlich nicht gerade einfach. Du schaffst das schon! Good luck!!
Bruno Senna
Bruno Senna

Der Name Senna verpflichtet. Bruno ist der Neffe des großen Ayrton und gibt genauso Gas wie sein berühmter Namensvetter. Nach der britischen F3 fährt er nun in der GP2.