GP2 - Kolumne - Bruno Senna
Ich weiß nicht, was ich erwarten soll
Motorsport-Magazin.com - So, jetzt wird es also ernst - mein erstes GP2-Wochenende steht unmittelbar bevor.
Ich bin am Dienstag Abend nach Bahrain gekommen, habe dann am Mittwoch noch ein bisschen trainiert - und bis jetzt, muss ich sagen, bin ich eigentlich nicht besonders angespannt oder nervös. Ich weiß, dass die GP2 für mich Neuland ist, dass ich da noch viel lernen muss, dass wir auch mit dem Team noch eine Menge Arbeit vor uns haben und dass ich absolut nicht als Favorit in dieses erste Jahr gehe. Das ist doch eine andere Situation als letztes Jahr in der Formel 3 - auch wenn ich natürlich weiß, dass viele Leute trotzdem auf mich schauen werden. Aber darauf bin ich vorbereitet und ich denke, ich kann inzwischen auch ganz gut damit umgehen.
Ich mache mir keinen zusätzlichen Druck, ich weiß, dass gerade die erste Saisonhälfte nicht einfach werden wird. Es gibt noch ein paar Dinge, die an unserem Auto noch nicht perfekt sind, vor allem bei hohem Speed reagiert es oft sehr sensibel, ist dann sehr schwierig zu fahren. Aber zwischen mir und meinem Renningenieur wird das Vertrauen inzwischen immer größer, er merkt, dass ich umso schneller werde, je mehr er mir vertraut - und da ist eine sehr gute Entwicklung. Es ist halt nur schade, dass es in der GP2 während der Saison so wenige Testmöglichkeiten gibt, das hilft mir als Neuling natürlich nicht gerade. Aber das hat man beim Team ja gewusst, wie man mich verpflichtet hat, dass ich noch keine Erfahrung habe - und deswegen sagen wir ja auch immer wieder, dass das ganze Projekt auf zwei Jahre angelegt ist. Aber wie ich so höre, ist mein Teamchef Christian Horner ja zumindest mit meinem Speed schon mal nicht so ganz unzufrieden.
Wir hatten beim Testen in Barcelona gerade über die Distanz ein ziemlich gutes Auto, nur ART und iSport waren da schneller. Ich hoffe mal, dass wir daran anknüpfen können. Den letzten Test danach, in Paul Ricard, den vergessen wir mal lieber. Erstens war der Arden auf der Strecke noch nie wirklich gut, und außerdem ging da bei mir auch so ziemlich alles schief, was schief gehen konnte. Motorschaden, dauernd Bremsprobleme... Aber ich sage mir, besser da, als wenn das jetzt beim ersten Rennen passiert wäre. Ich hoffe, dass dadurch, dass jetzt alles mögliche ausgetauscht und neu ist, nichts mehr kaputt geht.
Mein Ziel für Bahrain wäre es, unter die Top Ten zu kommen, aber ich wäre glaube ich auch nicht allzu enttäuscht, wenn das jetzt beim ersten Mal noch nicht klappen würde. Es hängt ja von so vielen Kleinigkeiten ab, zum Beispiel auch davon, ob man in der halben Stunde Qualifying, die wir haben, wenigstens mit einem der beiden Reifensätze eine freie Runde erwischt... Andererseits - wenn man im ersten Rennen so ins Ziel kommt, dass man im zweiten weit vorne startet, dann ist sicher manches möglich. Ich weiß im Moment wirklich selbst nicht, was ich erwarten kann und soll. Aber ich mache mich da nicht verrückt, einfach mal abwarten, am Freitag ins Auto steigen und fahren - und dann sehen, was dabei rauskommt.
Ich habe den Winter über sehr viel trainiert, bin auch besser in Form als je zuvor, und mit meiner Ausdauer bin ich jetzt auch schon recht zufrieden. Nur im Bereich Kraft, Schultern, Arme, Rücken - da muss ich noch ein bisschen zulegen. Ich habe in Barcelona, wo die vielen schnellen Kurven eine starke physische Belastung darstellen, schon gemerkt, dass ich abends immer ziemlich müde war. Aber hier in Bahrain sollte das kein Problem sein, hier gibt es nur zwei halbwegs schnelle Kurven, das ist dann schon etwas weniger anstrengend. Und die Hitze macht mir bestimmt nichts aus - die bin ich als Brasilianer ja gewohnt. Worauf ich noch ein bisschen hoffe: Dass es ein kleiner Vorteil für mich ist, dass ich im Gegensatz zu ziemlich vielen meiner Konkurrenten die Strecke hier schon kenne. Ich bin ja letztes Jahr hier im Rahmenprogramm zum Grand Prix so ein Prominentenrennen mitgefahren - und auch wenn das ganz andere Autos waren: Gerade bei unserer kurzen Trainingszeit sollte es schon helfen, wenn man von Anfang an genau weiß, wo es lang geht. Ich hoffe, ihr drückt mir alle die Daumen - so dass ich dann nächste Woche von einem erfolgreichen Saisonauftakt berichten kann!




















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