Mehr Motorsport - Kolumne - Bruno Senna
Viel Arbeit und viel Spaß in Interlagos
Motorsport-Magazin.com - Ein Rennwochenende kann ganz schön anstrengend sein, sogar, wenn man selbst gar nicht fährt. Das habe ich jetzt an diesem Wochenende in Interlagos gemerkt, wo ich ziemlich intensiv bei den verschiedensten Medien- und Sponsorterminen unterwegs war. Aber es ist ja logisch, dass mich meine Landsleute auch mal zu Gesicht bekommen wollen, wenn ich normalerweise fast das ganze Jahr über in Europa unterwegs bin. Aber das Rennen an sich war natürlich toll, mir hat es Riesenspaß gemacht, da zuzuschauen. Dass mit Felipe Massa endlich mal wieder ein Brasilianer gewonnen hat, war natürlich das Tüpfelchen auf dem i. Der letzte war ja 1993 mein Onkel Ayrton gewesen. Ich erinnere mich schon noch sehr gut an seine Siege von damals, an die Stimmung, auch zum Beispiel daran, wie ich vor ziemlich genau 15 Jahren zu Hause vor dem Fernseher seinen WM-Triumph in Suzuka 1991 verfolgt habe. Da durfte ich selbstverständlich schon aufstehen und mit gucken, obwohl ich erst acht Jahre alt war - und die Japan-Rennen in Brasilien ja mitten in der Nacht waren...
Aber auch Michael Schumachers Abschiedsvorstellung hat mich wirklich beeindruckt, das war schon ein Klasse-Rennen, das er da hingelegt hat. Er hat gezeigt, dass er bis zur allerletzten Sekunde nicht das kleinste bisschen nachgelassen hat. Ich freue mich aber auch für Fernando Alonso, der seinen WM-Titel wirklich verdient hat und ihn souverän nach Hause gebracht hat. Insgesamt hat mich dieses Wochenende nur noch mehr motiviert, so bald wie möglich in der Formel 1 anzukommen und dann vielleicht auch mal hier zu gewinnen.
Gutes GP2-Debüt
Meine ersten zwei Testtage in der GP2 habe ich ja auch schon hinter mir. In Paul Ricard bin ich für DPR gefahren und ich muss sagen, ich war sehr zufrieden, es war ein guter Anfang. Als ich am zweiten Tag richtig auf Zeit gefahren bin - am ersten habe ich eigentlich nur versucht, mich an das Auto und die unbekannte Strecke zu gewöhnen - am Ende habe mir als Zwölfter nur neun Zehntel auf den Schnellsten, auf Andi Zuber im iSport, gefehlt.
Vorher hatten mich viele Leute gewarnt, dass so ein Auto mit seinen 600 PS sehr schwierig zu fahren sei, aber ich muss sagen, ich hatte eigentlich keine größeren Probleme, ich habe mich ziemlich schnell daran gewöhnt, auch wenn die Sitzposition ein bisschen anders und die Lenkung etwas schwergängiger ist als in der Formel 3. Dadurch habe ich mir eine leichte Sehnenscheiden-Entzündung im linken Handgelenk geholt - aber mit ein bisschen Physio-Therapie geht das schon wieder weg. Und außerdem weiß ich jetzt genau, worauf ich in Zukunft beim Fitnesstraining besonders achten muss. Der größte Unterschied sind eigentlich die Bremsen, dadurch, dass man ja in der GP2 Karbonbremsen verwendet, sind sie viel effizienter. Darauf muss man sich schon erst einmal einstellen. Und auch die Reifen entwickeln viel mehr Grip, als ich es bisher gewohnt war. Bei den nächsten Tests, erst für ART und Arden in der kommenden Woche, dann später auch noch für iSport, wird das sicher alles schon viel mehr Routine sein.
F3 ist vorbei
Die Formel-3-Zeit habe ich jetzt endgültig hinter mir gelassen, ich werde auch in Macao nicht mehr fahren. Das ist auch eine Geldfrage, da teste ich lieber mehr in der GP2. Auch wenn es am Ende in Thruxton doch nicht mehr zum Vizemeister-Titel gereicht hat, bin ich mit der gesamten Saison doch recht zufrieden. In Thruxton ging halt ein bisschen was schief, gerade mein Teamkollege Mike Conway war ja auch nicht immer gerade sehr hilfreich, einmal, im ersten Lauf, musste ich sogar in den Dreck, um ihm auszuweichen - und habe dadurch alle Chancen verloren, mich vielleicht doch noch vor Jarvis zu setzen.
Aber was soll's? Ich habe vor Beginn der Saison immer gesagt, dass es mein Ziel ist, unter die ersten drei in der Meisterschaft zu kommen, und das habe ich geschafft. Dafür, dass ich so spät mit dem Rennsport begonnen habe, ist das ein optimales Ergebnis. Auch ein Jenson Button zum Beispiel ist ja, trotz seiner langer Kart-Erfahrung, "nur" Dritter in der britischen Meisterschaft geworden. Ich war ja nicht weit weg vom Zweiten, und ohne den Unfall in Snetterton, der mich zwei Rennen gekostet hat, wäre ich sicher noch ein Stück weiter vorne gelandet. Immerhin habe ich mit meinen fünf Siegen nach Conway die meisten Rennen gewonnen - und drei Pole-Positions konnte ich mir auch holen.
Aber jetzt am Wochenende mache ich erst einmal einen Abstecher nach Deutschland, nach Hockenheim zum DTM-Finale. Dort werde ich nach Monaco zum zweiten Mal in einem Porsche Cup-Rennen antreten. Macht sicher wieder Spaß - und eine neue Formel-1-Strecke lerne ich auch wieder. Denn 2008 ist Hockenheim sicher wieder im Programm. Wer weiß, vielleicht kommen einige von Euch ja nach Hockenheim und man trifft sich mal...















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