Mi, 13.09.2006

Mehr Motorsport - Kolumne - Bruno Senna

F3 - Italienische Woche - Fahren und Verhandeln

In Monza schnupperte Bruno Senna nicht nur Formel-1- sondern auch GP2-Luft. Am kommenden Wochenende ist er in Mugello dann selber unterwegs.
© Bruno Senna

Motorsport-Magazin.com - Nach einer ganz kleinen Pause geht es für mich jetzt wieder so richtig rund - auf und neben der Strecke. In Monza habe ich am letzten Wochenende schon mal wieder Formel-1-Luft geschnuppert. Eigentlich war ich ja hauptsächlich dort, um mit verschiedenen GP2-Teams Gespräche über meine Zukunft zu führen - und habe dabei so einige meiner Kollegen aus der britischen Formel 3 und aus der Euroserie getroffen, die auch auf Jobsuche waren. Es gibt zwar noch nichts Endgültiges, aber ich würde schon sagen, es war ein recht produktives Wochenende. Ich habe mit ART und iSport schon mal Tests im November vereinbart, danach wird es dann wohl eine Entscheidung geben, wo ich 2007 fahren werde. Ich will auf jeden Fall in ein Top-Team, denn ich gehe in jede Meisterschaft mit dem Ziel, sie zu gewinnen.

Alte Bekannte und junge Fahrer

Aber wenn man schon einmal bei einem Grand Prix ist, dann schaut man natürlich auch mal im Formel-1-Fahrerlager vorbei. Bei BMW habe ich Josef Leberer getroffen, den ich ja noch aus meiner Kindheit kenne, als er der Fitnessbetreuer und auch ein sehr guter Freund von meinem Onkel Ayrton war. Und natürlich bin ich auch mal bei Gerhard Berger vorbeigegangen, und bei Kimi und den Robertsons, meinen F3-Teamchefs, bei McLaren-Mercedes… Natürlich war auch für mich die Rücktrittserklärung von Michael Schumacher ein Thema, wie ja für die ganze Rennsportwelt. Ich sehe das ein bisschen unter zwei Aspekten. Einerseits ist es so, dass das einen Umbruch einleitet, der jetzt erst recht den Weg frei macht für eine neue Fahrergeneration in de Formel 1. Auf der anderen Seite ist es schade, dass ich, wenn ich in die Formel 1 komme, jetzt nicht mehr gegen ihn fahren darf. Aber ich glaube, er hat für sich den richtigen Moment gefunden. Er tritt ab, so lange er noch oben ist und riskiert nicht, vorher abzustürzen.

Was mich wirklich freut, ist, wie viele junge Fahrer jetzt zeigen, dass sie den alten Hasen durchaus einheizen können. Was zum Beispiel Robert Kubica im BMW macht, ist doch wirklich toll. Ich habe mich über seinen Podiumsplatz wirklich gefreut. Ich habe ihn letztes Jahr in Macau kennen gelernt, und er ist nicht nur schnell, sondern auch ein sehr netter Kerl. Und Sebastian Vettels tolle Auftritte am Freitag machen auch mir Mut: Schließlich habe ich mich mit ihm in Zandvoort beim F-3-Masters die ganze Zeit um den sechsten Platz duelliert, war da bestimmt gleichwertig, obwohl die Euroserie-Fahrer da ja sogar einen leichten Reifenvorteil haben.

Nächster Einsatz in Muggello

Nach Monza bin ich gleich in Italien geblieben - wir haben ja an diesem Wochenende in Mugello unser drittletztes britisches Formel-3-Wochenende der Saison. Die Strecke von Mugello ist für so ziemlich alle von uns Neuland, aber ich denke, sie sollte mir recht gut liegen, weil sie relativ schnell und flüssig ist. Ich möchte in Mugello unbedingt das nachholen, was eigentlich schon in Brands Hatch fällig gewesen wäre. Endlich wieder mal ganz oben auf dem Podium zu stehen. In Brands Hatch war ich ja am Freitag beim Testen deutlich schneller als alle anderen, vier Zehntel vor dem Nächsten - und dass nicht nur in einer, sondern in mehreren Runden. Aber dann ist in den beiden Qualifyings so gut wie alles schief gegangen, was nur schief gehen kann.

Im ersten gab es wieder mal so viele Abbrüche durch rote Flaggen, dass ich keine einzige vernünftige gezeitete Runde hingekriegt habe. Und im zweiten habe ich dann - auf dem Weg zur Pole mit Sektorbestzeit - selbst einen Fehler gemacht und mich in die Leitplanken gedreht. Ergebnis: Ich war zweimal nur Fünfter - und damit war die ganze Sache schon fast hoffnungslos, denn auf der Strecke kann man einfach nicht überholen, selbst wenn man um einiges schneller ist. Sobald man ein bisschen dichter an den Vordermann heranfährt, ist der ganze Abtrieb weg… Dass dann im ersten Lauf auch noch der Start ein bisschen daneben ging - was mir wirklich selten passiert - stand auch nicht auf dem Plan. So kam am Ende nur ein siebter und ein fünfter Platz heraus - schon sehr enttäuschend, wenn man weiß, dass man vom Speed her hätte gewinnen können.

In der Meisterschaft bin ich durch dieses verkorkste Wochenende sogar auf den dritten Platz zurückgefallen. Der Titel ist damit endgültig weg, den hat mein Teamkollege Mike Conway schon so gut wie sicher, er könnte ja schon in Mugello alles klar machen, obwohl noch die zwei Wochenenden in Silverstone und Thruxton ausstehen. Aber den Vize-Meistertitel will ich mir auf jeden Fall noch holen. Oliver Jarvis liegt jetzt zwar 13 Punkte vor mir und auch Maro Engel ist ziemlich dicht an mich heran gekommen, auf sieben Punkte. Aber ich hoffe, dass das nach Mugello schon wieder besser aussieht - und am Ende der Saison erst recht!

Euer Bruno Senna
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Bruno Senna
Bruno Senna

Der Name Senna verpflichtet. Bruno ist der Neffe des großen Ayrton und gibt genauso Gas wie sein berühmter Namensvetter. Nach der britischen F3 fährt er nun in der GP2.