Di, 04.04.2006

GP2 - Kolumne - Timo Glock

Eine schwierige Saisonvorbereitung

Das Abenteuer USA ist für Timo Glock vorüber. Jetzt soll ihm die GP2 als Sprungbrett in die F1 dienen. Die Saisonvorbereitung verlief jedoch durchwachsen.
© GP2

Motorsport-Magazin.com - Mein Ausflug über den großen Teich ist vorbei: In diesem Jahr kehre ich nach Europa zurück. Die Umstellung von den Champ Cars auf die GP2-Boliden war glücklicherweise nicht allzu schwierig. Trotzdem ist eine gewisse Eingewöhnungsphase von Nöten: Denn die GP2-Autos haben einfach mehr Aerodynamik als die Autos in den USA.

Natürlich ist die Aerodynamik auch bei den Champ Cars wichtig, aber dort lassen die Stadtkurse einfach viel weniger Aerodynamik zu. Deshalb sind die Kurvengeschwindigkeiten nicht so hoch wie in der GP2.

Die GP2 wird gerne als das Sprungbrett in die Formel 1 bezeichnet. Nico Rosberg, Scott Speed oder Heikki Kovalainen haben im letzten Jahr bewiesen, wie gut die Serie ist und wie man aus der GP2 in die F1 aufsteigen kann.

Es gibt natürlich auch Beispiele bei denen es weniger gut gelaufen ist. Gimmy Bruni und Giorgio Pantano konnten im letzten Jahr nicht viel bewegen, aber das ist im Motorsport normal. Manchmal läuft es eben aus diversen Gründen nicht. Ich weiß aber aus meiner F1-Zeit bei Jordan, dass Giorgio mit Sicherheit schnell Auto fahren kann.

Die GP2 wird oft als die Rennserie bezeichnet, die am nächsten an der Formel 1 dran ist. Angesichts der komplizierten Aerodynamik kann ich mich dem durchaus anschließen. Die Champ Cars sind von den Rundenzeiten vielleicht genauso schnell wie ein GP2-Auto, aber die Kurse sind einfach unterschiedlich und die Autos sind viel schwerer, was einen großen Unterschied ausmacht. Unter diesen Gesichtspunkten ist die GP2 viel näher an der Formel 1 dran.

Eins hat die GP2 der Formel 1 sogar voraus: Wir fahren schon jetzt mit Slicks, die in der F1 möglicherweise in den kommenden Jahren ihr Comeback feiern werden. Wie viele meiner Fahrerkollegen bin auch ich ein Freund von Slickreifen, weil Slicks einfach der Inbegriff von Rennreifen sind. In der Formel 1 mussten die Autos eingebremst werden, um die Kurvengeschwindigkeiten zu senken, aber mit einem Slick verhält sich das Auto viel besser.

Die ersten Tests mit meinem neuen BCN Competicion Team verliefen leider noch nicht rund. Wir hatten viele technische Probleme und konnten noch nicht viel mit dem Auto arbeiten. Beim ersten Test stellten wir fest, dass das Monocoque einen Schaden hatte. Dadurch haben wir einen ganzen Testtag verloren.

Beim zweiten Paul Ricard Test ist mir der Tank gerissen, weshalb ich einen halben Testtag verloren habe, an dem wir eine Rennsimulation geplant hatten. Das wollten wir auf Barcelona verschieben, aber dort konnten wir wegen Elektronikproblemen zwei Tage lang nicht richtig fahren.

Das ganze Auto war instabil und teilweise unfahrbar. Das gleiche Problem trat auch bei vier anderen Teams auf, aber die Techniker konnten den Auslöser dafür einfach nicht finden. Erst als wir am zweiten Testtag den Gaspedalsensor zum zweiten Mal ausgetauscht haben, ließ sich das Problem beheben. Die Vorbereitung ist also alles andere als perfekt verlaufen.

Mit meinem Team bin ich allerdings sehr zufrieden. Sie haben gut gearbeitet und ich kann ihnen bei den technischen Problemen nichts vorwerfen. Jetzt müssen wir uns einfach darauf konzentrieren aus unserer Ausgangslage das Beste zu machen.

Ich bin mir sicher, dass wir vorne dabei sein können. Aber ich sehe mindestens 12 Fahrer, die Rennen gewinnen können und deshalb ist es unglaublich schwierig eine Vorhersage für das erste Rennen zu treffen. Insbesondere nachdem unsere Tests so schwierig verlaufen sind. Aber ich bin mir sicher: Wenn alles funktioniert, kann ich vorne mitfahren.

Euer Timo Glock
Artikel bewerten
kommentieren
versenden
drucken
  • schlecht
  • mäßig
  • brauchbar
  • gut
  • super

Diesen Artikel bookmarken bei...

BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews
Timo Glock
Timo Glock

WM-Punkte im 1. Rennen - und das in der F1! Timo ließ bei seinem Debüt für
Jordan einige Augenbrauen hochschnellen. Danach sammelte er Erfahrungen
in der ChampCar und GP2.