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Tim Sandtler
Tim ging den klassischen Motorsportweg: Aus der Kartwelt in die Formel BMW und von dort in die Formel 3 EuroSerie. 2008 tritt er in der Formula Master Serie im Rahmen der Tourenwagen-WM an.Formula Master - Kolumne - Tim Sandtler
Teamwork ist alles
Motorsport-Magazin.com - Viele haben sich bestimmt schon gefragt, wie der perfekte Teamkollege aussieht. Das ist definitiv eine schwere Frage, eigentlich müsste er immer langsamer sein als man selbst. Doch über lange Sicht gesehen würde man so selbst nicht weiterkommen. Ein Teamkollege ist auch dafür gut, selbst zu lernen und schneller zu werden. Am besten ist es bestimmt, wenn man ungefähr denselben Level hat und ähnliche Zeiten fährt. Wenn der Teamkollege ständig langsamer ist als man selbst, dann wird man nie etwas von ihm lernen können.
Auf der Rennstrecke sind wir zwar alle Gegner, jeder will gewinnen und hat seine Tricks. Aber im Team muss man sich gegenüber völlig offen sein und seine Erfahrungen teilen. Nur so kann man das Auto weiterentwickeln und wird selbst schneller - zumindest außerhalb des Cockpits darf man nicht egoistisch sein.
Klar, es passiert auch mal, dass der Teamkollege schneller ist - zum Beispiel, wenn man als Rookie in eine Serie einsteigt. Aber dafür sind erfahrene Piloten im Team gut, so lernt man von ihnen. Problematisch wird es höchstens, wenn der Teamkollege ständig schneller ist und man auf jeder Strecke eine halbe Sekunde verliert - dann sollte man sich seine Gedanken machen. Wenn man immer alt gegen seinen Partner aussieht, ärgert einen das schon; schließlich will man auf gleichwertigen Material die besseren Resultate holen.

In der Formel BMW bin ich lange Zeit alleine gefahren, erst nach einem Wechsel bekam ich meinen ersten Teamkollegen. Das war Marco Holzer, mit dem ich mich bis heute prima verstehe. Wir sind uns zwar schon auf der Strecke näher gekommen, das ist völlig normal, jeder will nach vorne. Aber abseits der Strecke kommen wir gut zurecht, stehen weiterhin in Kontakt und beobachten uns gegenseitig.
Als ich in die Formel 3 eingestiegen bin, hatte ich gleich drei Teamkollegen. Für einen Rookie wie mich war das zu der Zeit natürlich klasse, Guillaume Moreau und Charlie Kimball sind zwei tolle Typen, die mir viel helfen konnten. Zwischen uns hat immer eine tolle Atmosphäre geherrscht. Nur leider gab es in dem Team auch einen französischen Piloten der anderen Sorte, aber das ist eine andere Geschichte...
In meiner bisherigen Karriere habe ich mich noch mit keinem meiner Teamkollegen verkracht. Wenn man sich auf der Strecke begegnet, muss man einen passenden Mittelweg zwischen Aggressivität und Vernunft finden, um später vorne zu landen. Wenn man die Daten kennt, weiß man auch wo die Schwachpunkte liegen... Trotzdem gibt es auch Momente, in denen man seinen Teamkollegen lieber kampflos passieren lässt und nichts riskiert - wenn er beispielsweise deutlich schneller ist und ein gutes Resultat holen könnte.
Derzeit fahre ich in der Formula Master zusammen mit Filip Salaquarda in einem Team. Wir kennen uns schon aus der Formel 3-Zeit und verstehen uns richtig gut. Zu Beginn der Saison waren wir dicht beisammen, mal war er vorne, dann wieder ich. Wir verfolgen beide dasselbe Ziel und können das Team so nach vorne bringen. Das ist auf jeden Fall besser als die ganze Zeit schlechte Laune zu verbreiten.
In Estoril hat sich die Arbeit der vergangenen Monate erstmals bezahlt gemacht, als ich im zweiten Rennen auf das Podium fahren konnte. Damit bin ich zufrieden, auch wenn der Sieg von der Pole schöner gewesen wäre. Mein Team hat super Arbeit abgeliefert und Platz drei ist eine gute Steigerung zu den ersten Rennen. Und für die zweite Saisonhälfte bleibt damit noch ein bisschen Luft nach oben...
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