Magazin

Andi Gröbl Logo von Andi Gröbl

Andi Gröbl

Andi kennt die Boxengassen der F1-Welt in- und auswendig. Als Boxengassenreporter, Kommentator und Journalist berichtet er seit Jahren über seine Leidenschaft Motorsport.
Fr, 12.10.2007

Formel 1 - Kolumne - Andi Gröbl

Wird das noch was, Nick?

Acht Jahre Formel 1 für Nick Heidfeld - Zeit für eine kritische Zwischenbilanz.
© Patching/Sutton

Motorsport-Magazin.com - Nick Heidfeld ist für mich der älteste 30-jährige, den ich kenne. Vielleicht liegt das nur daran, dass ich ihn seit seiner Formel 3000-Zeit als Reporter begleiten durfte. Daran, dass er schon mit 18 Testfahrer bei McLaren war und ich daher das Gefühl habe, er muss schon seit ewig Formel 1 fahren.

Nick stellt sich nicht ins Rampenlicht. © Sutton

Er war der erste deutsche Pilot der Schumacher-Generation Version 2.0. Also einer jener Kids, die von ihren Eltern als Dreikäsehoch auf die Kartbahn geschickt wurden, weil der Mann aus Kerpen eine nie gekannte Formel 1-Hysterie in Deutschland ausgelöst hatte. Schon als 9-jähriger wusste er auf die Frage von Fernsehreportern des WDR die einzig richtige Antwort auf die Frage nach dem Ziel: "Formel 1-Fahrer!!" posaunte er am Arm seiner Mutter Angelika in die Kamera.

Mittlerweile sind 134 Grand Prix-Wochenenden vergangen. Die Formel 1-Statistik lehrt uns: Wenn einer bis dahin noch keinen Grand Prix gewonnen hat, dann wird das nichts mehr. Zum Vergleich: Rubens Barrichello musste 124 Rennen lang warten (oder ein paar mehr, je nach Rechenweise). Andererseits hat uns die Formel 1-Statistik auch schon andere Dinge erklärt: es sei unmöglich, mehr Titel als Fangio zu holen. Oder ganz und gar unmöglich, als Rookie Weltmeister zu werden.

Nick Heidfeld ist andererseits das lebende Beispiel dafür, wie ungerecht die Formel 1 sein kann. Seine Fähigkeiten sind unbestritten. In allen 11 Garagen im Fahrerlager werden Sie kein abschätziges Wort über ihn hören. Nick in einem BMW-Sauber, das ist die klare Führung in der B-Liga der Formel 1: 58 WM-Punkte sind eine Menge Holz, wenn die ersten vier Plätze in jedem Rennen quasi im Abo an Silber oder Rot vergeben wurden.

2001 sah Kimi in seiner Debütsaison kein Land gegen Quick Nick. © Sutton

Und kann sich irgendjemand daran erinnern, dass Nick mal einen Bock geschossen hätte? Ich kann mich täuschen, aber sein Crash mit Sato in Österreich im Jahr 2002 muss wohl der letzte gewesen sein. Da war er mit kalten Reifen und Bremsen ein wenig zu optimistisch, als ihn eine Bodenwelle ins Gras beförderte. Und Anfang 2005 die Kollision mit Michael Schumacher in Melbourne, die aber eher ein Rennunfall war. Da schaffen andere an einem einzigen Rennwochenende mehr Unsinn.

Kurzum: Fahrerisch kann man dem Mönchengladbacher absolut keinen Vorwurf machen. Und ich behaupte einmal, ohne es genau zu wissen: das Preis/Leistungs-Verhältnis bei Nick ist ein äußerst attraktives für potenzielle Arbeitgeber.

Er hat reihenweise Teamkollegen erledigt: Räikkönen, Massa, Frentzen, Villeneuve und jetzt den hochtalentierten Kubica. Alle miteinander großartige Rennfahrer. Trotzdem tritt Nick karrieremäßig scheinbar auf dem Stand. Von hinten drängen die Vettels und Rosbergs nach. Und Nick braucht nach 134 Rennen zum Gewinnen immer noch einen Regenschauer, ein Erdbeben oder einfach eine Verkettung glücklicher Zufälle. Woran liegt es also?

Darf Nick irgendwann noch einmal in einen Silberpfeil klettern? © Sutton

Möglich, dass Nick Heidfeld das letzte bisschen Egoismus fehlt. Die Ellbogen, die Brutalität, mit der einer wie Alonso bereit ist, sogar sein eigenes Team in den Abgrund zu stürzen, nur damit ihm kein anderer im Weg steht. Ich hatte ein paar Mal das Vergnügen, abseits der Formel 1-Strecke mit dem Sauber-Team zu arbeiten. Es war jedes Mal eine Freude, Filme mit den Fahrern zu drehen. Und Nick Heidfeld hatte nie die Allüren anderer Kollegen. Kein Wartenlassen, kein unwilliges Anknurren, wenn die Kamera mal nicht gleich auf Anhieb wollte. Nur ein einziges Mal konnte er seine Emotionen nicht ganz kontrollieren: In Monza 2001, als Mercedes nach dem Häkkinen-Rücktritt bekannt gab, dass ausgerechnet Kimi Räikkönen das Cockpit bekommen würde - Nicks Teamkollege bei Sauber.

Es soll eine denkbar knappe Entscheidung zwischen den Youngsters gewesen sein. Wer weiß, wie alles gekommen wäre, wenn Peter Sauber damals den 20-Millionen-Dollar Scheck aus Stuttgart abgelehnt hätte. Heidfeld hätten die Silbernen damals zum Nulltarif haben können. Er stand ja noch unter Vertrag bei ihnen. Vielleicht ist gerade das Nick Heidfelds Dilemma. Wenn man ihm einen einzigen Vorwurf machen kann: Er hat sich zu billig verkauft. Und wäre da nicht das Verhandlungsgeschick eines Werner Heinz, dann wäre Nick vor ein paar Jahren sogar auf der Ersatzbank der Formel 1 gelandet und nicht bei Jordan.

Trotzdem bin ich überzeugt: Nick Heidfeld kann Weltmeister werden. Und er ist ein Fahrer in den besten Jahren. Aber auch die sind irgendwann vorbei. Doch wenn ich es mir recht überlege: Könnte es nicht sein, dass bei McLaren-Mercedes nächstes Jahr ein Cockpit frei wird? Das wäre meines Erachtens eine hervorragende Gelegenheit, einen historischen Irrtum aus dem Jahr 2001 nochmals gerade zu biegen.

Euer Andi Gröbl
Artikel bewerten
kommentieren
versenden
drucken
  • schlecht
  • mäßig
  • brauchbar
  • gut
  • super

4.93

Diesen Artikel bookmarken bei...

BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews

Leser-Kommentare (19)

Kommentar schreiben
Seite 1 2
am 15. Oktober um 11:37 Uhr
Nachricht schreiben Profil ansehen Bilder ansehen Freunde von kool-flow

Zu c-ims

Schau mal nach wieviel Rennen Nick 2005 gefahren ist. Frank Williams musste dann ja unbedingt seinen Pizzonia ans Steuer lassen der absolut nichts gerissen hatte und das fünf Rennen lang. Webber ist nur für eine Runde gut.
am 14. Oktober um 13:52 Uhr
Nachricht schreiben Profil ansehen Bilder ansehen Freunde von AYRTON SENNA

nick heidfeld

nick und bmwsauber haben das zeug dazu weltmeißter zu werden es brauch halt zeit rom ist auch nich an.1 tag erbaut
am 14. Oktober um 09:52 Uhr
Nachricht schreiben Profil ansehen Bilder ansehen Freunde von BMW=Heidfeld

schade

ja ich glaube BMW kann in der F1 sich gegen die top Teams durchsetzen..warum denn nicht hat doch Renault auch geschafft
am 13. Oktober um 22:28 Uhr
Nachricht schreiben Profil ansehen Bilder ansehen Freunde von icc125
.......oh man wie die Zeit vergeht;die Aktion mit Sato schon wieder ein halbes Jahrzehnt her !! Stimmt Nick ist einer sympatischsten F1 Fahrer,ohne Allüren,fair und verdammt schnell.So wie ich Nick einschätze hat er Charakter und verzichtet auf ein Cockpit im silberen Unimogrennstall und versucht im BMW die Arroganz in Silber zu schlagen. Klar muss auch die Karre passen um zu gewinnen,aber weiss/blau ist auf dem richtigen Weg. @Formulaone hast du geglaubt das Märchenonkel Nobby je was zu sagen hatte bei MäcMärchen?? Der ist doch nur als Maskottchen dabei,damit wenigstens ein Deutscher am Komandostand sitzt.Ob dem seine Funkgarnitur überhaupt nen Micro hat??oder doch nur Kopfhörer zum Befehl empfang ???Schön wäre wenn Nick in Brasilien den silbernen in die Suppe spucken könnte und sie dadurch die WM verlieren.Wär ausgleichende Gerechtigkeit für die Verarsche die sie mit ihm gemacht haben. Ich Wünsche Nick weiterhin alles Gute in der F1 und das er noch lange dabei bleibt und Rennen gewinnt.
am 13. Oktober um 18:16 Uhr
Nachricht schreiben Profil ansehen Bilder ansehen Freunde von Nickfan

Wäre schön

Als langjähriger Fan von Nick wünsche ich mir nichts mehr als das Nick auch in der F1 doch einmal auf dem höchsten Treppchen steht. Da ich allerdings nicht glaube, daß BMW die beiden führenden Teams in den nächsten zwei Jahren nachhaltig einholen wird, bin ich skeptisch, ob Nick jemals einen Sieg erringen kann. Ich habe auch so viele schöne Rennen von Nick gesehen und mich gefreut, wenn er auf dem Podium stand. Ich hoffe sehr, daß Nick von den nicht allzu vielen Millionen, die er in der F1 verdient hat, viele Jahre sorgenfrei leben kann (inkl. Familie) und daß er niemals irgendwann mit Groll auf seine F1-Karriere zurückblickt. Das Wichtigste ist m. E., daß man sich selber treu bleibt und nicht anfängt eine Rolle zu spielen, die einem nicht liegt. Wäre echt schööööööön, wenn Nick doch einmal als erster die Zielfahne sieht, egal welche Umstände dafür nötig sind.
am 13. Oktober um 11:22 Uhr
Nachricht schreiben Profil ansehen Bilder ansehen Freunde von n200

Reihenweise Teamkollegen ...

erledigt, auf welchem Planeten lebt der Gröbel eigentlich? Gegen Alesi ist er in der Debutsaison übel getaucht. Dann gegen den absoluten Noob Räikkönen (dieser ohne Fahrsims wie z.B. Hamilton) ganz knapp die Oberhand geschafft. Tschuldigung es war völlig klar, dass die Lernkurve von Kim viel steiler nach oben verlaufen wird. Deshalb auch die 20 Mio. Ablöse von McM (logisch nachvollziehbar). Heidfeld ist sicher ein sehr, sehr guter Fahrer. Sicher auch fähig die WM zu gewinnen, das ist klar. Aber dass er sich da jetzt so toll gegen die genannten Fahrer durchgesetzt hat, ist absoluter Quatsch. ---- Und dass er im Vergleich zu anderen Fahrer wenig Fehler macht, stimmt auch nicht. Seine Überholmanöver auf der Innenbahn, die er noch auf dem Rasen durchzieht und das Fahrzeug nicht mehr kontrollieren kann, ... dann in die Gegner rauscht, kommen leider immer wieder vor.
am 12. Oktober um 21:03 Uhr
Nachricht schreiben Profil ansehen Bilder ansehen Freunde von davide
Als Daimon Hill im besten Auto sass, im Williams, wurde ihm gesagt, dass jeder mit diesem Auto gewinnen könne. Darauf hat Daimon geantwortet:" der Unterschied zu allen Anderen ist, dass ICH im Auto sitze. Nick muss entlich zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Auto sitzen und dies hat nur wenig mit Glück zu tun. Er wird es auch nächstes Jahr schwer haben, denn Ferrari und Mc Laren werden forne belieben und auch Renault wird wieder forne mitmischen. Ob BMW dass auch fertigbringt wage ich zu bezweifeln.
Lua
am 12. Oktober um 17:23 Uhr
Nachricht schreiben Profil ansehen Bilder ansehen Freunde von Lua

Schöner Artikel

Bei dem Titel hätte ich gar nicht gedacht, dass da was Positives kommt, aber bis auf die zwei erwähnten Punkte mit Schumacher (Nick gehört nicht zu der "Version 2.0") und Frentzen (wobei Heidfeld noch mehr Pech als HHF hatte), würde ich allen Punkte zustimmen, auch die in den Kommentaren, die überraschender Weise gar nicht beleidigend sind wie eigentlich sonst ziemlich häufig! Das Einzige, wo ich mir sehr unsicher bin ist, ob er überhaupt von McLaren zurückgenommen werden sollte. Es wäre schon nobler, erhobenen Hauptes mit steigendem Erfolg denen irgendwann im BMW vor der Nase herumzufahren. Meine Theorie betreffend 2001 ist, dass McLaren ihn nicht genommen hat um den Einfluss von Mercedes gering zu halten. Außerdem wollte man bei McLaren nie einen stillen, unkomplizierten Fahrer mit technischem Verständis, sondern einen, der extravagant ist, schnell und nicht rummurrt. Deshalb haben sie jetzt auch Probleme mit Alonso... Was das Bild betrifft, dass immer mehr junge Deutsche Fahrer nachdrängen und Heidfeld angeblich alt aussehen lassen, muss man sagen, dass es hauptsächlich mediengemacht ist, die einfach einen jungen Helden wollen, den sie zuerst entdeckt und hochgelobt haben. In Wirklichkeit vergessen sie eben, dass Heidfeld seit Jahren solide und fast fehlerfrei fährt und die bejubelten Teamkollegen auf Distanz hält. Siehe Punktewertung.
am 12. Oktober um 16:39 Uhr
Nachricht schreiben Profil ansehen Bilder ansehen Freunde von Headcracker

Armer Nick!

Er kann einem fast Leid tun. Schon 8 Jahre Formel 1, immer der Nächste hinter den Top Teams. Aber ein 5. Platz ist wenig wert. Das Problem ist das Auto. Schön und gut, das nächstbessere Team hinter Ferrari und McLaren zu sein ist nicht schlecht. Aber es geht besser. Entweder muss BMW nächstes Jahr ein gutes Stück aufholen oder Nick muss zu Ferrari oder McLaren wechseln.
am 12. Oktober um 16:36 Uhr
Nachricht schreiben Profil ansehen Bilder ansehen Freunde von F1-Gladiator

Nick for ´World-Champion´

Es gibt genau zwei Fahrer in der F1, die aufgrund ihres technischen verständnisses ein Auto schneller machen können (vermutlich kommt Vettel noch dazu): Nick Heidfeld und Fernando Alonso; d.h. BMW und Renault (vorausgesetzt Alonso wird verpflichtet) fahren nächstes Jahr um die WM.
Seite 1 2