Di, 30.09.2008

Formel 1 - Kolumne - Karin Sturm

Formel-1-Großmacht Deutschland

Fünf Fahrer in der Formel 1, vier Fahrer in Singapur in den Punkten, vier Fahrer in dieser Saison auf dem Podium. Die F1 sieht Schwarz, Rot und Gold.
© WilliamsF1

Motorsport-Magazin.com - Wer hatte da vor zwei Jahren geunkt, nach dem Rücktritt von Michael Schumacher würde es lange dauern, bis Deutschland in der Formel 1 wieder eine entscheidende Rolle spielen würde? Schumis deutsche Erben strafen die Pessimisten Lügen: Vier deutsche Fahrer in den Punkterängen, sogar unter den ersten Sechs, das gab es noch nie - und auch wenn der absolute Weltrekord von vier Franzosen auf den ersten vier Plätzen beim Frankreich-GP 1982 nicht gebrochen wurde: Die deutschen Piloten präsentierten sich in Singapur als absolute Großmacht in der Formel 1.

Rosberg als Highlight

Nico Rosberg räumte den größten Pokal für Deutschland ab. © Sutton

Diesmal war es Nico Rosberg, der mit seinem zweiten Platz hinter Fernando Alonso das Glanzlicht beim ersten Nachtrennen der Formel-1-Geschichte setzte - und der gebürtige Wiesbadener, der alle andere als ein einfaches Jahr hinter sich hat, war ja auch wirklich einmal dran. Schließlich hatten die anderen Deutschen - mit Ausnahme von Adrian Sutil, der bei Force India nun mal auf verlorenem Posten steht, zuletzt alle ihre Highlights: Timo Glock mit dem zweiten Platz in Ungarn, den er seither immer wieder mit guten Leistungen bestätigt, Nick Heidfeld mit dem Überraschungscoup in Belgien, als ihn eine clevere Reifenwechselstrategie auf der Strecke auf Platz drei und dann durch die Hamilton-Strafe in der Ergebnisliste sogar auf Platz zwei brachte, und zuletzt natürlich Sebastian Vettel mit seinem Sensationssieg in Monza. Drei der vier haben übrigens eine gemeinsame Basis: Glock, Vettel und Rosberg verdienten sich ihre ersten Sporen in der Formel BMW.

Zwei Rückschläge

Für Rosberg, der zwar zum Saisonauftakt in Australien 2008 als Dritter auf dem Podium gestanden hatte, danach aber einige Rückschläge wegstecken musste, mit einem schlechten Auto und auch dem ein oder anderen eigenen Fehler kämpfte, war es ein Erfolg, den er zu Beginn des Rennens nie erwarten durfte. "Als ich nach dem Start hinter Jarno Trulli hing, dachte ich schon, alles sei gelaufen."

Auch Glock stand 2008 schon auf dem Podium. © Sutton

Als er dann endlich an dem oft als rollende Schikane bekannten Italiener vorbei war und mit einer "Qualifyingrunde nach der anderen" aufholte, der nächste Schlag, als zum ersten Mal das Safety-Car raus kam, er aber trotz gesperrter Boxengasse zum Tanken kommen musste. "Da dachte ich: Jedes Mal in diesem Jahr ist es das gleiche. Ich war wirklich sauer und hatte die Hoffnung schon aufgegeben, weil ich glaubte, das war es jetzt."

Glück im Unglück

Was ihm dann ein bisschen half: Die Sportkommissare brauchten relativ lange, um die eigentlich eindeutige Strafe für das Tanken bei geschlossener Boxengasse auszusprechen, weil sie zuvor noch über die Bestrafung des chaotischen Stopps von Felipe Massa entscheiden mussten. Wodurch Rosberg ein paar Runden Zeit hatte, an der Spitze einen großen Vorsprung auf die meisten der im Feld feststeckenden wichtigsten Gegner herauszufahren.

Ein bisschen Glück im Unglück - von dem 23-Jährigen aber auch sehr stark und fehlerfrei umgesetzt. Da geizte dann auch Vater Keke, Formel-1-Weltmeister 1982, nicht mit Lob: "Es ist eine enorme physische Leistung, heute hier den Grand Prix zu fahren, mit einer Rennzeit von fast zwei Stunden, und dann auch noch Zweiter zu werden, trotz einer Strafe. Das ist schon toll. Nico trainiert sehr hart und heute ist er dafür belohnt worden. Heute musste man nur kämpfen. Das hat er gemacht und so das beste Ergebnis seiner Karriere herausgefahren. Großartig!"

Goldene Zukunft

Die Autogramme der Deutschen werden immer beliebter. © Sutton

Leicht wird es Rosberg aber trotzdem in Zukunft nicht haben. Er muss wohl ein weiteres Jahr bei Williams bleiben - auch wenn das Gerücht, es könnte doch noch einen Platztausch zwischen ihm und Nick Heidfeld geben, nicht totzukriegen ist und im Abstand von ein paar Wochen immer wieder auftaucht. Und dass der Williams 2009 plötzlich ein Top-Auto werden könnte, das wäre schon ein mittleres Formel-1-Wunder - aber das eine Jahr dort wird er wohl aussitzen müssen, ehe ein Wechsel zu einem Top-Team möglich wird.

Da hätte Heidfeld 2009 technisch wohl die besseren Karten, so er denn seinen Platz bei BMW behalten darf und nicht doch noch durch Fernando Alonso abgelöst wird, was zuletzt aber eher wieder unwahrscheinlicher als wahrscheinlicher wurde. Optimistisch kann auch Timo Glock sein - bei Toyota geht es aufwärts, was mit Sicherheit auch seinem Input zu verdanken ist, wie die Japaner aus Köln durchaus wissen.

Sebastian Vettel schließlich ist überzeugt, dass das, was er mit Toro Rosso geschafft hat, 2009 mit Red Bull auch möglich sein sollte, wenn nicht sogar ein bisschen mehr. Keine schlechten Aussichten also, dass das Ergebnis von Singapur bald einmal eine Wiederholung oder sogar Steigerung erfährt. Diesmal wurde ja der Punkterekord von 20 Zählern in einem Rennen für Deutschland, den 2003 in Indianapolis Michael Schumacher als Sieger, Heinz-Harald Frentzen als Dritter und Nick Heidfeld als Fünfter aufgestellt hatten, "nur" egalisiert...

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16 Leser-Kommentare
am 01. Oktober um 14:42 Uhr
Patricko:
na ja, es haben hier nur ein paar negativ geschrieben. Die meisten haben schon kapiert, dass man auf unsere 5 Deutschen stolz sein kann und dass wir mit Rosberg und Vettel 2 Kandidaten haben, auf die wir in Zukunft bauen können. Sorry, aber mit 5 Teilnehmern sind wir momentan einfach eine Großmacht, denn das Wort sagt ja schon, dass dies erstmal von der anzahl, und nicht von dem Ergebnis abhängt. Der Schumi Boom hat den deutschen Nachwuchs beschert...schau mer mal, was daraus wird.
am 01. Oktober um 09:51 Uhr
GM-F1:
Im Prinzip hat es @Formulaone gut auf den Punkt gebracht. Ich sehe es auch so. Was mich wirklich interessiert-Fone hat es auch schon angerissen- ist, Sutil mal in einem besseren Auto zu sehen. Ich kann mir gut vortstellen, daß er nach seiner `Lehrzeit` gute Resultate einfahren könnte. Das hat er in Monaco bei Regen unter Beweis gestellt. Ich vermute, er ist mindestens so stark wie ein Coulthard oder Webber im vergleichbaren Auto...wenn nicht sogar einen Tick besser.
am 30. September um 23:20 Uhr
ABS: Das stresst wie nichts anderes... UNVERGLEICHBAR
Kann 'Deutschland' und 'Formel1' in einem Satz nicht mehr hören=Gift. Nicht das ich was gegen D hätte, es stresst einfach ungemein wenn mans jedesmal unter die Nase kriegt (wenn sie wenigstens Siegen würden, dann: ok) - das ist auch ein Grund warum ich kein RTL mehr kucke... Man muss noch erwähnen, das hier im adrivo (ÖsterreicherSeite) nicht ständig von Deutschen gesprochen wird und das die meisten die 'Nasevoll' von RTL her haben und es der armen Karin geben.
am 30. September um 20:06 Uhr
Formulaone:
Wenn ich mir hier einige Kommentare durchlese, kann ich nur müde lächeln. Fakt ist, wir haben 5 deutsche in der F1. Keine Nation ist dort besser vertreten. Und woran liegt das? An der guten Ausbildung von Rennfahrern in Deutschland. Ausgelöst auch durch den Schumi-Boom in den letzten 15 Jahren. Wir sollten froh sein, so gut vertreten zu sein. Sicher, 5 Fahrer sind mehr als genug, 2-3 würden eigentlich auch reichen, schließlich ist das eine WM und keine deutsche Meisterschaft. So lange allerdings Fahrer wie Piquet, Nakajima oder Fisichella in der F1 fahren, haben es diese 5 deutschen locker verdient dort zu fahren. Für mich haben die alle viel Potential. WM-Kandidaten der Zukunft sind für mich aber nur Rosberg und Vettel. Die sind beide sehr jung und sehr gut. Sie brauchen nur das richtige Material. Heidfeld und Glock sind schon etwas älter, können aber mit dem richtigen Material zumindest ein paar Rennen gewinnen. Sutil kann man nicht so gut einschätzen, weil der Force India eine Gurke ist. Er hätte es eigentlich verdient, mal in einem etwas besseren Auto zu sitzen, selbst wenn es nur ein Torro Rosso oder ein Williams ist.
am 30. September um 17:12 Uhr
Patricko: Deutsche Fahrer
Super Rennen von den vier Deutschen!!! Vettel und Rosberg sind auch meiner Meinung nach die Kandidaten für die größeren Erfolge, aber auch hinter Glock stehe ich schon seit seinem ersten Rennen 2004. Glock und Vettel haben in den letzten Rennen bewiesen, was sie können. Rosberg freilich hat vom Safety Car profitiert. Ihm gönne ich ein TopAuto in den nächsten Jahren.
am 30. September um 17:07 Uhr
Valentino_Rossi_46:
Unter Normalen Umständen hat aber nur Heidfeld ein Podium geschafft. Vettel, Rosberg und Glock haben nur durch Safety Car Chaos, Regen und viele Ausfälle profitiert. Sicher muss man das einem Vettel erstmal nachmachen so in einem unterlegenen Auto ein Rennen zu dominieren, aber ohne den Regen wäre er vielleicht von 5-7 gestartet und wäre auch in dem Bereich ins Ziel gekommen. Regen gehört zwar dazu und mann kann es nicht beeinflussen, aber aus eigener Kraft haben die eig. keine Chance aufs Podium und das wird sich nächstes Jahr auch nicht ändern.
am 30. September um 14:35 Uhr
Devito: Vollkommen richtig
Zuerst mal @ s1gn, ich glaub das Frau Sturm uns hier alle mit ihrem Fachwissen locker in die Tasche stecke, also mal locker bleiben. ;-) Was die Zukunft der Deutschen angeht braucht man sich wirklich keine Sorgen zu machen. Besonders Vettel und Rosberg haben meiner Meinung nach das Zeug zum Weltmeister. Glock überrascht mich dieses Jahr auch sehr, hätte nicht gedacht das er Trulli so in den Griff bekommen könnte. Einer der Besten Deutschen Fahrer fährt momentan ja noch nichtmal in der Formel 1. Denke das Nico Hülkenberg mindestens auf dem Level von Rosberg und Vettel ist.
am 30. September um 13:36 Uhr
arnozz:
jetzt ernst: 15 GP, 20 Fahrer, 5 Deutschen (1/4), --- 1 Sieg (1/15), 8 mal auf die Treppen (8/45 ca. 1/6), 120 Punkte (120/615 ca. 1/5), und 20 Ausfälle (20/71 ca. 1/3.5) ... wo ist die Großmarcht ? 120 Punkten sind nicht schlecht, aber Finnland hat 102 Punkte zu zweit geschaft, und Polen 64 Allein !! (und Brazil 101 zu dritt...) Also bitte, ein bischen Bescheidenheit wäre gut angebracht, danke !
am 30. September um 12:51 Uhr
DiamondDog: @ alphaville
du sagst es, wir sind formel 1 fans, und haben ab und zu mal spaß dran, wenn die fia es mal net veraut. aber kann uns muss die f1 nur dann spaß machen, wie asaint schon sagte "20/20 fahrern aus deutschland kommen" und was haben die deutschen denn für ein ausrufezeichen gestellt. wenn so viele fahrer aus einer nation kommen, ist es eigentlich pflicht dass die unter die punkte kommen, weil es prozentual einfach wam wahrscheinlichsten ist. es ist gar beschämend wenn nur einer oder gar keiner drin ist. also... ich guck garnicht auf die farben der nationen. mir ist es wurscht woher der fahrer kommt, hauptsache er macht mir als typ und racer spaß. wisst ihr von wem ich großer fan bin und gar war noch zu schumchers zeiten? MONTOYA
am 30. September um 12:44 Uhr
Matti1993: @ alphaville
wurde zeit dass das einer mal sagt diese niveaulosen kommentare dadrunter kann man sich sonst wo reinschieben!
Karin Sturm
Karin Sturm

Von Australien bis Brasilien: Karin ist seit 1982 Stammgast im F1-Paddock. Zudem beschert sie den Fans ein alljährliches Jahrbuch und erzielte Welterfolge mit ihren Büchern über Schumacher & Senna.


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