So, 07.09.2008

Formel 1 - Belgien 2008 - Zu früh gefreut

Vorteil oder kein Vorteil?

Nur für wenige Stunden hieß der Sieger des Großen Preises von Belgien Lewis Hamilton. Dann wurde er von den Rennkommissaren auf drei zurückversetzt.
© Sutton

Motorsport-Magazin.com - "Das war einer der aufregendsten Siege meiner Karriere", freute sich Lewis Hamilton kurz nach der Siegerehrung in Spa-Francorchamps, kurz nachdem er nach der Zieldurchfahrt wahre Urschreie im Boxenfunk von sich gegeben hatte. "Genau davon habe ich gesprochen, genau davon habe ich gesprochen!", jubelte er nach seinem sportlichen Sieg im verregneten Ardennen-Krimi, der die spannendsten GP-Schlussrunden der letzten Jahre erlebte.

Das ist Motorsport und wenn es dafür eine Strafe gibt, dann ist etwas falsch.
Lewis Hamilton

Doch der Jubel sollte nicht lange anhalten. Bereits kurz nach Rennende kündigte die Rennleitung eine Untersuchung des Überholmanövers von Hamilton gegen Kimi Räikkönen an. Der Brite hatte sich auf feuchter Strecke in den Windschatten des Ferrari gefahren, setzte vor der Bus-Stop-Schikane zum Überholen an, kürzte jedoch die Schikane ab, da Räikkönen die Tür in der Schikane zumachte, und ließ danach auf der Zielgeraden Räikkönen reglementgemäß wieder vorbei. Dabei setzte er sich erneut in den Windschatten des Ferrari, der nach links herüberzog und somit Hamilton die Innenbahn frei machte. Dort bremste er Räikkönen in der La Source aus und ging trotz einer leichten Berührung in Führung.

Rückendeckung von den (Ex-)Fahrern

"Es wundert mich nicht, dass es eine Untersuchung gegeben hat. Denn erstens ist ein Ferrari involviert, da gibt es meistens eine Untersuchung, und zweitens war es eine delikate Situation in einer Schikane, bei der die Stewards ganz genau hinschauen müssen, ob sich Hamilton mit dem Abkürzen einen Vorteil verschafft hat oder nicht", analysierte Christian Danner für uns die Szene. Zu diesem Zeitpunkt war das Urteil der Rennkommissare noch nicht bekannt.

Hamilton gegen Räikkönen: das Duell des Rennens. © Sutton

"Nachdem ich es ein paar Mal in Zeitlupe gesehen habe, ist für mich sonnenklar, dass alles ganz normal zuging", sagte Danner. "Es war eine ganz normale Rennsituation, in der Räikkönen Hamilton sogar rausgekickt hat, was aber völlig okay ist." Hamilton habe Räikkönen nach der Abkürzung komplett vorbeigelassen und dann ganz normal überholt. "Die Untersuchung ist in Ordnung, aber es kann eigentlich nichts dabei herauskommen." Auch Ex-F1-Fahrer können sich mit ihren Einschätzungen der Rennkommissare irren...

Das beweist auch das zweite Beispiel. BMW Sauber-Testfahrer Christian Klien beurteilte die Situation so: "Sicher hat Hamilton abgekürzt, er wurde aber abgedrängt oder eigentlich muss man sagen, es ist ihm die Straße ausgegangen", erklärte der Österreicher. Danach habe er Räikkönen vorbeigelassen. "Er war hinter Kimi und hat ihn dann mit einem Überholmanöver wieder überholt." Für Klien kein Vergehen, dass einer Untersuchung durch die Rennkommissare würdig gewesen ist. Da empfand er Hamiltons Schlangenlinien nach der Eau Rouge schon fragwürdiger: "Laut Reglement darf man nur einmal die Linie wechseln", mahnte er. Diese Situation blieb jedoch ohne Folgen.

Kein unerlaubter Vorteil

Unserer Meinung nach hat sich Lewis keinen unerlaubten Vorteil verschafft.
Norbert Haug.

Hamilton selbst war sich nach Rennende keiner Schuld bewusst und sagte zu einer möglichen Bestrafung: "Keinesfalls erwarte ich eine Strafe. Das ist Motorsport und wenn es dafür eine Strafe gibt, dann ist etwas falsch." Er habe in der Kurve vorne gelegen und sich deshalb keinen Vorteil verschafft; genau das führen die Rennkommissare aber als Grund für seine nachträgliche 25-Sekunden-Zeitstrafe an: er habe sich durch das Abkürzen in der Bus-Stop einen Vorteil verschafft.

"In der Schikane versuchte ich zu überholen und wir berührten uns fast", beschrieb Hamilton die Situation. "Ich lenkte nach links, um das zu verhindern. Auf der Start-Zielgeraden ließ ich ihm Platz, wieder in Führung zu gehen, aber in der La Source kam ich innen an ihm vorbei. Es war fair. Eine Strafe wäre absolut falsch, aber ihr wisst ja wie sie sind, warten wir es ab", hatte er vielleicht doch schon eine böse Vorahnung davon, was kommen sollte.

Verschaffte sich Hamilton hier einen Vorteil? © Sutton

Ron Dennis war nach Rennende fest davon überzeugt, dass sein Pilot nichts falsch gemacht hat. "Erstens war Lewis bei der Schikane vorne und wurde nach außen gedrückt. Er war definitiv in Führung, als es aus der Schikane ging", sagte er. Diese Sichtweise habe ihm auch Rennleiter Charlie Whiting bestätigt. "Er ist keiner der Rennkommissare, aber er gab seine Meinung ab und sagte, wir hätten uns an die Regeln gehalten." Dennis sagte sogar, dass es gar keine Regelübertretung gegeben habe. "Denn die Kurve gehörte uns. Aber auch wenn wir sie nicht gehabt hätten, so haben wir Kimi wieder nach vorne gelassen."

Erwartungsgemäß sah Norbert Haug das genauso. "Unserer Meinung nach hat sich Lewis keinen unerlaubten Vorteil verschafft", betonte der Mercedes-Motorsportchef, der nie mit einer Bestrafung gerechnet hätte. "Ich weiß nicht, was daran zu beanstanden ist." Bei Ferrari wollte sich niemand so richtig zu der Situation äußern, nur eins stritt Teamchef Stefano Domenicali ab: dass Ferrari Protest gegen McLaren eingelegt habe. Stattdessen sagte er: "Wir haben heute eine Lektion gelernt. Man muss warten, nicht nur bis zum Rennende, sondern auch noch auf das Danach."

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123 Leser-Kommentare
am 17. September um 19:12 Uhr
Kimifan87:
Ich sage nur eins: Die Strafe ist richtig. Die Begründung liefern die Bilder. Hamilton hätte Kimi niemals überholt, wenn er nicht abgekürzt hätte. So einfach ist das. Das sehen alle anderen Fahrer übrigens auch so. Hamilton hatte den Sieg überhaupt nicht verdient. Der einzige, der ihn verdient hätte, war Kimi. Er hat in Spa gezeigt, dass er kein Motivationsproblem hat, was eigentlich bewundernswert ist. Nach diesem Saisonverlauf und all diesen Rückschlägen hätte ich schon längst das Handtuch geworfen.
am 11. September um 20:07 Uhr
MP4-23:
Du bist von Dir aber ganz schön eingenommen! was Schreibst du nur für einen Blödsinn.
am 09. September um 19:40 Uhr
Ice Wolf: Wahnideen!
Madonno; Bist du auf den Kopf gefallen, oder sonst irgendwie behindert! Als sich Lewis in Runde 2 drehte hatte Kimi 1,8 sek Rückstand! Kimi wich aus und so oder so mit oder ohne Schwung wäre er an Lewis vorbei! Lewis hat sich gedreht Ihr Aufleuchter! Hört doch einfach auf mit diesen Verschwörungskram! Ihr seid ja echt krank!
am 09. September um 11:29 Uhr
ralleph: Klar ist Kimi ausgewichen,
aber er hatte dadurch einen Vorteil. Er hätte genausogut innen fahren können. Das muß man doch bei 200kmh kurzfristig entscheiden können. Von Lewis wurde es schließlich auch erwartet. Er hat in der Situation auch einen Unfall verhindert. Wenn er reinzieht kracht es. Jetzt könnte man noch spekulieren, ob man das bei Ferrari nich billigend inkauf genommen hätte. Denn später in LaSource ist Kimi dem Lewis auch nochmal schön aufs Hinterrad gefahren. Ein Reifenschaden hat schon so manchen Siegtraum beendet.
am 09. September um 02:22 Uhr
Madonno: @Wolfsauge
Klettergeri hat exakt den Punkt gertoffen. Kimi wurde vielleicht abgedrängt (kann Hamilton ja genauso sagen!) und hat den weiten Weg genommen. Die Herren die den Hamilton bestraft haben sehen natürlich nicht, dass Kimi dadurch mehr Schwung hatte! Oder wie glaubst du fährt man einfach so am Gegner im gleich starken Auto vorbei? Nochmal - Kimi fuhr mal wieder nicht schlecht. Aber seine Formtiefs sind nicht WM würdig. Komischerweise hat Hamilton nie grosse Schwankungen drin. Das sagt einiges. Das ist Talent und harte Arbeit um das Auto so hinzubiegen dass es an jedem Rennwochenede passt. Hin und wieder schnell fahren reicht nicht. Und vor allem wenn es schwierig wird abfliegen! Ich hoffe du bist in der Vorpubertät - denn ansonsten lassen sich deine fanatischen Sätze nicht entschuldigen!
am 08. September um 22:56 Uhr
HaroldDemure:
@klettergeri: Sehe ich genauso, zumindest das Manöver in "La Source" direkt nach dem Start, da hat er sich eindeutig einen Vorteil verschafft! Aber letztendlich hat es ihm wenig genutzt, der "Weltmeister" verschrottet sein Auto lieber in der letzten Runde.....
am 08. September um 21:17 Uhr
flo87: mcbeth
hat recht. lewis hat aus seinem vorteil mehr o. weniger gleich den nächsten gezogen
am 08. September um 21:16 Uhr
Ice Wolf: So oder so!
War Kimi an diesen Tag und auch sonst unschlagbar! Er wäre sowieso vorbeigekommen mit und ohne wenn und aber! Seine Rundenzeiten waren 3/10 schneller als alle andere! Ich kann einfach nicht fassen dass der schwachmatische Weichei wirklich glaubte dass er an Kimi vorbei kommt! Er braucht schön grössere Eier um sich mit Kimi zu messen!
am 08. September um 21:14 Uhr
flo87: @klettergeri
bei beiden von dir aufgelisteten "vergehen" war kimi gezwungen außen zu fahren. beim start war kein platz, und beim dreher kann er ja schlecht in hamilton reinfahren (lewis kanada) oder dahinter warten bis lewis aus dem knick kommt. und der schwung hat sich mit dem längeren weg relativiert. wäre er innen durchgekommen hätte er sofort mehrere sekunden luft gehabt. von daher is es noch gut für lewis gewesen mit nem ordentlichen manöver überholt zu werden oder auch nich wie beim zweiten versuch von kimi kurz vor schluss als der lewis mit zickzack retten konnte. dafür ist die strafe gerecht obwohl das idiotische fahren bei 320 km/h gar nicht bestraft wurde
am 08. September um 21:12 Uhr
McBeth: vollkommen in ordnung..
Die Strafe geht m.e vollkommen in ordnung, weil Hamilton kimi zwar vorbeigelassen hat, ihn aber sofort wieder attackiert hat, in einer phase, wo kimi gerade erst vorbeigefahren war. Wenn es so ene Regel gibt, dass man nicht abkürzen darf, dann kann es nich sein, dass man sofort wieder angreifen kann. hamilton hatte definitiv och schwung aus seinem a bkürzmanöver

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