Mi, 06.08.2008

Formel 1 - Kolumne - Andi Gröbl

Kimi, der Schläfer

In Italien rumort es ob der Passivität, mit der Kimi Räikkönen die Operation Titelverteidigung in Angriff nimmt. Wie lustlos darf ein Weltmeister sein?
© Sutton

Motorsport-Magazin.com - Die italienischen Tageszeitungen gingen mit ihrem Weltmeister in den letzten Tagen ungewöhnlich hart ins Gericht. Obwohl Kimi Räikkönen mit Rang 3 der eigentliche Gewinner des Grand Prix von Ungarn war, ließ man kaum ein gutes Haar an ihm. "Er ist ein blasser Abklatsch des Fahrers, der er einmal war" war zu lesen. Und "Räikkönen ist nicht der Fahrer, den Ferrari braucht. Er soll sich lieber mal selbst fragen, ob er noch die Motivation hat."(Tuttosport)

Starker Tobak. Und für mich klingt das alles nicht nach einer künstlich aufgeblasenen Medienkampagne, um über das Sommerloch zu kommen. Den Italienern reicht es tatsächlich.

Schlafwagen mit Gelegenheitsturbo

Kimi ist untergetaucht, manchmal wacht er kurz auf. © Sutton

Was Kimi seit seinem letzten Sieg in Spanien abgeliefert hat war in der Tat alles andere als eines Weltmeisters würdig. Und wer ihn ein wenig kennt, für den kommt alles nicht unerwartet. Da war mal der peinliche Rammstoß gegen Adrian Sutil in Monaco. Immer wieder Monaco. Nirgendwo sonst finden so viele Partys statt. Nirgendwo sonst ist die Versuchung für einen Mann in der Blüte seiner Jahre so groß, mal mit ein paar Kumpels auf den Putz zu hauen. Ein Gerücht, das sich im Fahrerlager hartnäckig hält lautet: Im Vorjahr soll Kimi in Monaco vor dem Rauswurf gestanden sein. Angeblich soll er nach dem freien Freitag nicht unbedingt fahrtüchtig gewesen sein. Aber Achtung vor schnellen Urteilen. Es ist ein Gerücht, nicht mehr.

Tatsächlich hat sich der Weltmeister nach seinem Sieg in Barcelona irgendwie ausgeklinkt. Und er ist meines Erachtens immer noch nicht zurück. Eine andere Erklärung gibt es nicht für seine matten Leistungen im direkten Vergleich mit Felipe Massa. Der Brasilianer ist sehr, sehr gut, keine Frage. Aber Kimi ist aus einem anderen Holz geschnitzt. Trotzdem schnarcht er scheinbar im Rennen herum, nur um kurzfristig aufzuwachen, eine schnellste Runde hinzuknallen und wieder in den Sleep Mode zurück zu wechseln. So geschehen in Ungarn, in Hockenheim und so weiter.

Seit Barcelona auf Urlaub

Normalerweise kommt bei solchen Teamchef-Meetings nie etwas Gescheites raus. Zuerst diskutieren sie alle drei Stunden lang, welcher Wochentag heute eigentlich ist. Und dann muss der erste weg zu seinem Flieger.
Ian Philips

Und das ist nicht nur meine persönliche Einschätzung. So sagte Force India-Marketingchef Ian Philipps am Rande des Ungarn-Rennens: "Der ist doch seit Barcelona auf Urlaub." Und Ian, das Jordan-Urgestein ist einer der wenigen Bosse, der nie ein Blatt vor dem Mund nimmt. (So kommentierte er die neugegründete FOTA nach dem Meeting in Maranello als höchst bemerkenswert, denn "normalerweise kommt bei solchen Teamchef-Meetings nie etwas Gescheites raus. Zuerst diskutieren sie alle drei Stunden lang, welcher Wochentag heute eigentlich ist. Und dann muss der erste weg zu seinem Flieger." )

Vielsagend auch Kimis öffentliches Auftreten. Am Donnerstag war er in der offiziellen FIA-Pressekonferenz geladen. Dort wartet die versammelte Weltpresse. Wer nur drei Minuten zu spät kommt, muss tief in die Tasche greifen. Kimi hatte schon ein paar Mal das Vergnügen. In Budapest habe ich auf die Uhr geschaut - persönlicher Rekord: 27 Minuten zu spät. Alonso und Kovalainen wollten gerade gehen.

Und nach dem Rennen hatte er über sein Rennen nur folgendes zu sagen: "boring". So spricht keiner, in dem das Feuer brennt. Keiner, der dort hineingeht, wo es wehtut. Deswegen ist er seit 8 Rennen sieglos. Und ehrlicherweise wird er heuer mit dieser Einstellung auch nicht mehr viele Rennen gewinnen.

Comeback im Kimi-Style?

Ein Weltmeister auf Urlaub: wann kommt er zurück? © Sutton

Und um nicht in den Verdacht der Majestätsbeleidigung zu geraten, möchte ich alle Kritiker gleich mal zurückpfeifen. All das hat einen Grund. Rennfahrer sind sensibel. Auch Kimi ist so gestrickt, auch wenn er der letzte wäre, der öffentlich drüber redet. Die Öffentlichkeit hat auf seinem Radar gar nicht verloren. Leicht genervt macht er sich über alle Rücktrittsgerüchte in Ungarn lustig: "Schön, dass die Leute alle wissen, was ich im nächsten Jahr mache. Wenn es so weit ich, kann ich sie ja dann alle anrufen..." Wer weiß schon, was dem Finnen fehlt. Sportler haben Durchhänger, wenn die Frau Stress macht, wenn es der Familie nicht gut geht, wenn das ewige Reisen verhindert, sein bisheriges Leben weiterzuleben. Ich kenne genügend Leute, die Jobs in der Formel 1 deswegen geschmissen haben. Ich war auch einer davon.

Der Zorn der Italiener wird Kimi unweigerlich treffen, wenn er so weitermacht. Es wird ihm trotzdem egal sein. Zeitungsschreiber sind auf seiner Beliebtheitsskala ungefähr so hoch oben wie ein Besuch beim Zahnarzt. Und vergessen wir eines nicht: Im Vorjahr hatte Kimi Räikkönen in der Weltmeisterschaft einen Rückstand von 20 Punkten auf Lewis Hamilton, heuer sind es nur 5. Wenn wir das mal nicht vergessen. Und wie sagte Ian Philipps noch so schön: "Im Vorjahr ist Kimi nach dem Budapest-Rennen drei Wochen auf Urlaub in irgendeine Bar in Italien gegangen. Und dann kam er frisch aufgeladen zurück und war ab Fuji voll auf Betriebstemperatur." Möglich ist alles. Wundern würde mich es nicht, wenn der Schläfer demnächst endlich mal aufwacht. Es wäre die richtige Antwort für alle - original Kimi-Style.

Euer Andi Gröbl
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31 Leser-Kommentare
am 08. August um 15:39 Uhr
Carmenrosa: Nicht herausragend,
waren seine Leistungen in letzter Zeit sicher. Würde es eher einen leichten Durchhänger, denn einen Winterschlaf nennen. Ich hoffe (für die Spannung im Titelkampf) das er sich wieder erhebt, bevor es zu spät ist. Hätte nähmlich Massa das letzt Rennen gewonnen, würde es jetzt (wegen Bevorzugung bei Ferrari) nicht gut für Räikkönen ausehen.
am 07. August um 20:42 Uhr
Ice Wolf: Ehrenwort!
Ich werde es auf jeden Fall mal versuchen Ihn in Wollerau zu treffen und falls er einverstanden ist dann können wir feiern! Wir sind immerhin seine treuesten Fans weltweit!
am 07. August um 20:17 Uhr
slobnok: @dr.wolfsauge
ich nehme dich beim wort, ich werde da sein...
am 07. August um 19:51 Uhr
Ice Wolf: Bringt nix!
An alle meine Kimifans Freunde! Regt euch nicht auf den diesen Schwachsinn brauchen wir gar nicht! Im November feiern wir dann die wildesten Partys zusammen! ja wir werden es krachen lassen! kommt nach Wollerau im November ihr seid alle eingeladen!
am 07. August um 10:57 Uhr
ceniza: Andi
ist nicht der einzige, der sich gedanken macht ueber die lustlosigkeit des finnen. Surer sagt:""Er fährt gerne Auto und er macht das alles, aber der letzte Biss ist weg."Steht kimi an einem scheideweg? Wie lange kann er dem druck der geschaeftsleitung und der oeffentlichkeit noch stand halten? Ich hoffe sehr, das wir in valencia wieder einen motivierten starken Kimi sehen werden.
am 07. August um 08:41 Uhr
automatix:
man muß es so sehen - kimi ist nur 5 Punkte hinter dem WM Spitzenreiter, fuhr in Ungarn trotz einer sehr schlechten Taktik im Quali (ob er sich das selber ausgesucht hat, soviel mehr benzin rein zu tun als Massa auf dem Überholfeindlichen Kurs?) aufs Podium, wäre möglicherweise noch irgendwo an Glock vorbeigekommmen, wenn ihm nicht schon wieder die Kiste auseinandergefallen wäre (da sollte Ferrari mal drüber nachdenken, nach Melbourne, Magny Cours und Ungarn fehlen Kimi wegen mangeldner Zuverlässigkeit bei Ferrari schon genug Punkte, um locker WM führender zu sein). Hockenheim war Kimis einzig wirklihc schwaches Rennen dieses Jahr und im Gegensatz zu Massa hat Kimi nur einen selbstverschuldeten Nuller.
am 07. August um 02:01 Uhr
ceniza: Auch ein Kimi
muss mal kritik ertragen koennen. Weiss gar nicht, was ihr euch so anstellt! Tut ja gerade so, als wiuerde kimi geteert und gefedert. es ist nun mal wahr, das seine fahrerischen leistungen in den letzten rennen sehr zu wuenschen liessen und der Finne sehr passiv und uninteressiert rueber kommt. Klar hat nicht nur er schuld, sondern auch das auto, das pech und vllt. konzentriert man sich im team ja doch mehr auf massa. Wir koennen immer nur davor gucken, und nicht dahinter. Und Kimi ist ja auch der letzte, der alles in der oeffentlichkeit breit tritt, eher schubst er mal aus frust einen fotografen oder eine journalistin. Trotzdem denke ich, das herr groebl so einigen aus der seele redet.
am 06. August um 21:55 Uhr
Formulaone:
So abwegig ist Herr Gröbls Artikel auch nicht, wie einige hier sagen. Kimi wirkt zur Zeit etwas lustlos. Trotzdem hat er sein Können nicht verloren. Er hatte auch sehr viel Pech. In Magny Cours hätte er locker gewonnen. In Montreal war ebenfalls der Sieg drin und in Silverstone wäre er zumindest zweiter geworden, hätte man sich bei Ferrari für die richtigen Reifen entschieden. Und wie Herr Gröbl schon völlig richtig sagt: letztes Jahr zur gleichen Zeit war Kimis Rückstand in der WM viel größer. Es ist noch alles drin für Kimi, der Rückstand ist quasi nichts und Hamilton noch nicht WM. Soll Kimi sich jetzt in der Sommerpause mal so richtig gehen lassen, seinen Wodka schlürfen und in Valencia kommt er dann voll erholt und motiviert zurück.
am 06. August um 21:50 Uhr
Kimifan87:
Ach und übrigens: In Silverstone ist Kimi 4. und nicht 6. geworden. So viel zur journalistischen Recherche.
am 06. August um 21:41 Uhr
Kimifan87: Herr Gröbl
Ihre Kolumne ist echt ein Witz. Für wen halten Sie sich eigentlich ? Woher nehmen Sie sich das Recht zu glauben oder zu wissen, was in Kimi vorgeht ? Wie zum Teufel kommt ihr ****** Journalisten dazu zu behaupten, dass Kimi keine Lust mehr hat und er die Rennen total unmotiviert angeht ? Kimi ist verdammt nochmal kein "Schläfer", lustlos oder unmotiviert und es ist total respektlos, wie sich einige Personen (Lauda und Haug eingeschlossen)ihm gegenüber verhalten und ihn nieder machen. Nur weil Massa in den letzten zwei Rennen besser abgeschnitten hat, heißt das nicht, dass es an Kimi liegt. Schon mal daran gedacht, dass er Probleme mit dem Auto hat ? Wenn es bei Schumacher mal nicht lief, was 2005 die ganze Saison über der Fall war, hat auch niemand behauptet, dass er unmotiviert ist. Und natürlich wird auch wieder auf das angeblich so wilde "Partyleben" von Kimi verwiesen, was überhaupt nichts damit zu tun hat. Kimi soll in Monaco 2007 nicht fahrtüchtig gewesen sein ? Das ist nicht Ihr ernst ?! Geht's noch ganz gut ? Ist man hier schon so down, dass man so einen Dreck auch nur für erwähnenswert erachtet ? Und was soll wieder dieses Rumgehacke auf dem Vorfall von Monaco 2008 ? Das war doch kein dummer Fehler ! Das Heck ist bei 200 Sachen ausgebrochen ! Er ist unglücklich in Sutil reingerutscht. Er konnte es nicht verhindern. Und jetzt wird Kimi auch noch das Wort im Munde umgedreht. Kimi fand das Rennen langweilig, weil er 2/3 des Rennens hinter Alonso festhang. Aber das wird nicht so von Ihnen wiedergegeben. Außerdem wird schön verschwiegen, dass sein Flieger Verspätung hatte und er deswegen zu spät kam. Das hat also nichts mit Lustlosigkeit zu tun. Und seit wann wissen Teamchefs von anderen Rennställen, was im Fahrer eines Konkurrenten vorgeht ? Und auf die italienischen Medien sollte man sowieso nicht hören. Wenn Kimi in Valencia überlegen gewinnt, dann ist er wieder der absolute Held. Ich kann nur hoffen, dass Kimi diesen ganzen Scheiß nicht liest, denn das sind nämlich die Dinge, die Kimi an der Formel 1 stören. Das ganze blöde Gelaber der Presse und der Rummel um seine Person. Lana hat die Leistung von Kimi und die Umstände der letzten Rennen sehr gut zusammengefasst. Und dieses lässt nur einen Schluss zu: Die ganzen "Anschuldigungen" sind haltlos und kompletter Schwachsinn.
Andi Gröbl
Andi Gröbl

Andi kennt die Boxengassen der F1-Welt in- und auswendig. Als Boxengassenreporter, Kommentator und Journalist berichtet er seit Jahren über seine Leidenschaft Motorsport.


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