Di, 08.07.2008

Formel 1 - Kolumne - Karin Sturm

Ende der Krise

Nick Heidfeld ist wieder obenauf. Die Wochen der Kritik und der Zweifel sind vorbei. Aber nicht nur Heidfeld schaffte in Silverstone den Befreiungsschlag.
© Sutton

Motorsport-Magazin.com - Nicht immer sind alle drei, die nach einem Grand Prix auf dem Podium stehen, wirklich glücklich. Diesmal konnten sie es wirklich sein - und sie waren es auch. Nicht nur Lewis Hamilton, der sich mit seinem überlegenen Heimsieg erst einmal aus den Negativ-Schlagzeilen gefahren und die Kritik der letzten Zeit in überschwänglichen Jubel von allen Seiten umgewandelt hatte. Auch die beiden anderen neben ihm konnten in diesem Chaosrennen ein "Comeback" aus unterschiedlich langen Tiefs feiern.

Es war noch nicht hundertprozentig, ein bisschen was geht noch.
Nick Heidfeld

Rubens Barrichello nutzte die Gunst der Stunde, sein Regentalent und das glückliche Strategiehändchen eines Ross Brawn, um zum ersten Mal seit dem Skandalrennen von Indianapolis 2005 wieder auf dem Treppchen zu stehen. Und dann war da natürlich noch Nick Heidfeld - der sich im Gegensatz zu Kanada diesmal über den zweiten Platz wie über einen Sieg freuen konnte.

Auch er hatte eine schwere Zeit hinter sich, nach den Qualifyingproblemen, die ihm mehrere Rennen verdarben, ihn gegen seinen Teamkollegen Robert Kobica nicht besonders gut aussehen ließen und schon Spekulationen provozierten, er könne 2009 vielleicht sogar seinen Platz bei BMW-Sauber verlieren. Doch Heidfeld ließ sich nicht verrückt machen, arbeitete in den letzten Wochen zusammen mit seinen Ingenieuren härter denn je - und konnte jetzt die Früchte ernten.

Auch Rubens Barrichello brachte die Kritiker zum Verstummen. © Sutton

Die Schwierigkeiten im Qualifying, das Problem, die Reifen für eine Runde nicht richtig auf Temperatur zu bringen, hat er jetzt wesentlich besser im Griff, "auch wenn es noch nicht hundertprozentig ist, ein bisschen was geht sicher noch." Immerhin reichte es in Silverstone für den fünften Startplatz, "und danach haben wir im Rennen alles richtig gemacht." Heidfeld gehörte zu den ganz wenigen, neben Hamilton und Barrichello, die es schafften, das Auto auch bei schwierigsten Bedingungen immer auf der Straße zu halten. Und neben seinem extremen Fahrgefühl bestätigte "Quick Nick" auch seine andere besonders herausragende Qualität. Er ist nicht nur schnell - was auch die zweitschnellste Rennrunde insgesamt beweist, er ist auch der Meister-Überholer in der Formel 1. Nach seinem ersten Stopp konnte er Glock und Alonso auf einmal in derselben Kurve überholen, ein paar Runden später auch Räikkönen und Kovalainen in einem Zug.

Kein Wunder, dass es da von allen Seiten Komplimente gab. "Er war nie neben der Strecke, ist also hoch verdient von Platz fünf auf Rang zwei vorgefahren, hat alles richtig gemacht", freute sich BMW-Motorsportdirektor Dr. Mario Theissen, der jetzt auch sehr optimistisch in die Zukunft schaut "Ich glaube, bei ihm ist der Knoten jetzt wieder geplatzt und ich erwarte ihn in dieser Form auch in den kommenden Rennen."

Ich glaube, bei ihm ist der Knoten jetzt wieder geplatzt und ich erwarte ihn in dieser Form auch in den kommenden Rennen.
Mario Theissen

Vor allen beim Heimrennen in Hockenheim in zwei Wochen möchte Heidfeld natürlich sofort an die Silverstone-Leistung anknüpfen - ob bei Regen oder Sonnenschein. In dieser Woche steht ja noch ein Test in Hockenheim auf dem Programm - zwei Tage wird er da fahren, um schon einmal an der Abstimmung und speziell noch einmal am Qualifying zu feilen, um auch da noch die letzten Hundertstel herauszuholen. "Natürlich wäre es besonders schön, gerade in Deutschland wieder auf dem Podium zu stehen."

Nicht nur, dass damit dann wohl auch die letzten externen Zweifler überzeugt wären, dass Nick Heidfeld wieder genau da angekommen ist, wo er im letzten Jahr aufgehört hat. Hält der derzeitige Trend an, dürfte man auch bei BMW-Sauber keine Veranlassung sehen, das erfolgreiche Team aus Heidfeld und Kubica, das sich bis jetzt meistens sehr gut ergänzte in seiner Mischung aus Erfahrung und jugendlichem Ungestüm, zu verändern...

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22 Leser-Kommentare
am 09. Juli um 22:07 Uhr
Ice Wolf: Heidi hat sich gefangen!
Dass ist auch nur passiert weil Theissen endlich kapiert hat wer das Tema vorwärts treiben kann, nämlich Heidi. Seit BMW mehr auf Heidi eingeht ist auch BMW besser unterwegs. Kubica ist sehr gut aber ihm fehlt die Erfahrung eines Heidfelds um etwas zu reissen!! Als Mitentwickler gehört Heidi mit zu den besten und jetzt ist er engültig noch der "Ueberholkaiser"!!Was will man mehr!
am 09. Juli um 11:22 Uhr
GM-F1: @Strietzel
Doch, ich hatte Dir im Punkt `opfern` beigepflichtet, weil ich auch denke, daß man den Eindruck erhält, Nick müßte sich hinten anstellen. Bin da ganz Deiner Meinung! @mark.vignton: natürlich besteht ständig die Gefahr, daß man sich manches Mal zu sehr hochpeitscht. Jeder hat so seine Favouriten. Denke, daß ist auch i.O. . Nur sachlich sollte man bleiben.
am 09. Juli um 03:13 Uhr
Carmenrosa: Heute gelobt morgen kritisiert,
davon können wahrscheinlich alle F1-Fahrer ein Lied singen. Sie bewegen sich nun mal auf einer Gradwanderung wo der Gipfel und der Absturz sehr eng beieinander liegen und wenn es dann noch Regnet, dann sind sie ja so nur mehr Seiltänzer ohne Netz.
am 08. Juli um 22:53 Uhr
mark.vignton:
ich finde, ohne daraus einen trend ableiten zu wollen, das es in dieser saison, oder eigentlich auch schon letzte, irgendwie nur noch extreme gibt. sowohl in die positive wie auch in die negative richtung. kaum hat heidfeld oder hamilton ein gutes rennen (egal unter welchen umständen) pickt man sich das positivste heraus und stellt es über alles. genauso wenn etwas nicht läuft. das sich dies jetzt auch so in der berichterstattung niederschlägt empfinde ich als sehr traurig. das die teams das machen kann ich vielleicht noch nachvollziehen. das die medien diese verbaldiarrhoe einfach übernehmen eigentlilch nicht. ich vermisse immer mehr objektivität, fakten und hintergrundinfos, die es zwar noch gibt, die aber irgendwie weniger wird. es wird lieber auf einen initiierten sensationszug aufgesprungen, als objektive fakten kreativ in worte zu verpacken.
am 08. Juli um 18:32 Uhr
eians: @alle(Themawechsel)
Alle kritisieren nur Hamilton. Hier ein Video von Räikkönen: http://www.viddler.com/explore/KRS_Evenstar/videos/112/ Was für ein Verhalten!!!!und noch dazu die Lüge von Robertson und Colajanni.Es ist einfach lächerlich!!!!!!
am 08. Juli um 18:09 Uhr
Strietzel: @automatix
Was hast Du denn für ein Rennen gesehen? Heidfeld war doch nicht langsam! Er und Hamilton waren auch nicht die einzigen, die von vermeintlich tollen Boxenstopps profitiert haben! Zwischen beiden gabe riesige Unterschiede in einzelnen Runden in beide Richtungen! Hamiton fuhr um sein Leben und Heidfeld fuhr ein sehr gutes, schnelles Rennen, in den jeweilig richtigen Momenten schnell und auch vorsichtig! Eben anders als Kubica! Der wollte mit der Brechstange an Kovalainen vorbei, fand ich total überflüssig! Herr Theissen fand das übrigens auch schlecht, deswegen war er nicht ganz happy! Heidfeld hat es richtig gemacht, stellt Euch vor, was Ihr und die Presse für Kommentare schreiben würdet, wenn er genauso deppert rausgerutscht wäre, wie der Kubica...! Find es schade, dass zu meiner vorherigen Ausführung zum Thema Heidfeld-Sieg in Kanada geopfert" keiner was sagt!
am 08. Juli um 16:42 Uhr
rolletho: Barrichello ist ja wohl...
nur Dritter geworden weil er die richtigen Reifen drauf bekommen hat. Diese Strategie haben sich BMW und Mercedes nicht getraut. Und klar waren zu bestimmten Zeiten Leute bis zu 10 Sekunden schneller als Andere - ja auch als Heidfeld. Aber woran lag das denn bitte. AN DEN REIFEN!! Fakt ist in den beiden letzten Qualis sah es besser aus (ob Kubica nun Pole geholt hätte oder nicht) und in den Rennen gabe es eh wenig zu meckern. Jetzt darf er mal 2 von 3 Tagen testen so wie Robert die letzten 3 Tests. Mal sehen wie es dann in Hockenheim aussieht.
am 08. Juli um 15:42 Uhr
thomaster: Sorry @ Formulaone
Mein letzter Kommentar geht an GM-F1
am 08. Juli um 15:39 Uhr
thomaster: @ formulaone
Meinst du Theissen macht Freudensprünge, wenn aufgrund eines technischen Defektes eine mögliche PolePosition verschenkt worden ist? Ein 5 Startplatz ist für BMW nun wirklich nichts Weltbewegendes.
am 08. Juli um 15:02 Uhr
Dreamon: Welcher Aufwärtstrend.
in magny cours war er zwar ausnahmsweise mal nicht meilenweit weg im Quali aber er ist als 12 gestartet und hat das Rennen als 13 beendet. HALLO!!!!! In Silverstone weiss niemand, was Kubica im Quali geschafft hätte und das Rennen war eine gute Leistung von Heidfeld unter besonderen Bedingungen. Sogar Rubens war dritter. Einfach Lotterie deluxe. Einen Aufwärtstrend sehe ich noch lange nicht.
Karin Sturm
Karin Sturm

Von Australien bis Brasilien: Karin ist seit 1982 Stammgast im F1-Paddock. Zudem beschert sie den Fans ein alljährliches Jahrbuch und erzielte Welterfolge mit ihren Büchern über Schumacher & Senna.


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