So, 22.06.2008

Formel 1 - Frankreich GP - Mit Loch zum Doppelsieg

Der vierte Leader

In der Nase hatte Ferrari bereits ein Loch, in Magny Cours kam bei Kimi Räikkönen auch noch eines im Heck dazu.
© Sutton

Motorsport-Magazin.com - Ohne Vorwarnung verliert Kimi Räikkönens F2008 massiv an Leistung. Der Finne wundert sich, blickt in den Rückspiegel und sieht das rechte Auspuffendrohr an einem Kabel im Wind flattern. Sofort weiß er: "Wenn so etwas passiert, dauert es nicht mehr lange, bevor etwas anderes schief geht."

Ich hatte Glück, dass ich überhaupt ins Ziel gekommen bin.
Kimi Räikkönen

Die Rundenzeiten fallen dramatisch ab, immer wieder verliert er an Leistung, die dann plötzlich wieder einsetzt, die Verkleidung des Ferrari mit der Startnummer 1 wird gefährlich angekokelt, es brennt sich regelrecht ein Loch ins rote Karbon, irgendwann fliegt das Endrohr in einer Kurve ganz ins Kiesbett. Aber der Ferrari hält bis ins Ziel durch. "Ich konnte sogar noch ziemlich gute Rundenzeiten fahren und Zweiter werden", freute sich Kimi auf seine Art - ohne viel Lächeln. "Andererseits hatte ich Glück, dass ich überhaupt ins Ziel gekommen bin, denn das Auto blieb einige Male fast stehen." Viele Runden hätte er so nicht mehr durchgehalten.

WM-Leader Nummer 4

"Letztlich ist es eine Enttäuschung, da ich ein gutes Wochenende mit der Pole und einer klaren Führung hatte, aber andererseits nehme ich acht Punkte mit und stehe in der WM besser da als zuvor", sieht Räikkönen das Positive an seinem Frankreichabstecher, der ihm im letzten Jahr noch einen Sieg und die Wende in der WM gebracht hatte. Nach Magny Cours führt bereits der vierte Pilot in diesem Jahr die Fahrerwertung an: Felipe Massa ist der erste Brasilianer seit Ayrton Senna, der auf Platz 1 der Formel 1-WM steht.

Kimi überprüfte, was er angerichtet hatte. © Sutton

Die vielen Wechsel an der WM-Spitze zeigen, dass die Saison 2008 so abwechslungsreich wie schon lange nicht mehr ist. Nach den letzten vier Rennen führte jeweils ein anderer Fahrer die Weltmeisterschaft an. Bislang hatte nur BMW Sauber eine weiße Weste. Ferrari und McLaren haben in den ersten sieben Rennen gleich mehrmals gepatzt - entweder durch Fehler des Teams, Fehler der Fahrer oder durch eine allgemein schwache Performance. "Wir haben das Potential, um sehr gut abzuschneiden", weiß Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali, "aber wir müssen in jedem Detail perfekt sein, vor allem bei der Zuverlässigkeit."

Jeder kann gewinnen

Bei der Standfestigkeit liegt noch immer BMW Sauber vorne, doch in Magny Cours legten sie zum ersten Mal ein "Wellental" ein, wie es Mario Theissen nannte. "Dass Ferrari hier sehr stark ist und einen Riesenvorteil hat, war schon am Freitagmorgen zu sehen", analysierte der Motorsportdirektor. "Unsere Pace war an diesem Wochenende ganz einfach nicht gut genug", sagte Willy Rampf ehrlich. "Trotzdem haben wir die zweite Position in der Konstrukteurswertung verteidigt."

Wenn man an einem Wochenende drei Strafen bekommt, ist es schwierig, daraus etwas zu machen.
Martin Whitmarsh

Denn McLaren Mercedes rühmte sich zwar einer guten Pace, konnte diese aber wegen dreier Strafen nicht in das gewünschte Ergebnis umsetzen. "Wenn man an einem Wochenende drei Strafen bekommt, ist es schwierig, daraus etwas zu machen", betonte Martin Whitmarsh. Ohne die Durchfahrtsstrafe für Lewis Hamilton wäre für ihn Platz 3 möglich gewesen, glaubt Norberg Haug. So musste sich das Team mit Platz 4 von Heikki Kovalainen trösten. Andererseits sagt Whitmarsh: "Wir hatten dieses Jahr schon so viele Dinge, die schief gelaufen sind, und sind trotzdem mit Lewis nur 10 Punkte vom WM-Führenden weg." Hamilton müsse nur ein Rennen gewinnen und Massa einmal ausfallen und schon sei der Vorsprung dahin.

Das weiß auch der neue WM-Leader Massa. "Ich habe in den ersten beiden Rennen nicht gepunktet und führe die WM jetzt an", rechnete er vor. "Kimi hat in den letzten beiden Rennen nicht gepunktet und kämpft trotzdem um die WM, also dürfen wir niemanden außer Acht lassen." Magny Cours stellt gerade erst die Halbzeit der WM-Saison dar. "Es ist noch ein langer Weg bis zum letzten Rennen."

Die 5 Fragezeichen

Lewis zog verärgert von dannen... © Sutton

Was ging an Räikkönens Auto kaputt?
Kimi Räikkönen beklagte sich über einen starken Leistungsverlust, sein Auspuff flog in hohem Bogen durch die Luft. Beim Boxenstopp gab es schon nichts mehr, dass das Team hätte entfernen können. Das Kabel wollte man nicht wegschneiden, da dies nur entscheidende Sekunden gekostet hätte. Doch was genau ging kaputt und warum? "Das wissen wir leider nicht", sagte Teamchef Stefano Domenicali, der jedoch verriet, dass der Motor höchstwahrscheinlich für das nächste Rennen gewechselt werden muss. Eine Strafe droht Räikkönen dadurch nicht - der erste Motorwechsel ist in diesem Jahr straffrei. Zurück zum Auspuff: "Wir konnten das Problem nicht nachvollziehen und weil die Teile wegflogen, wird es schwierig, sie alle zu finden und zu analysieren."

Trotzdem versuchte man Räikkönen so gut es ging zu helfen. "Wir versuchten alles, um den Motor unter diesen Bedingungen zu schützen." Aufmerksame Zuschauer konnten in der Cockpitperspektive des Finnen erkennen, wie er immer wieder Knöpfe drückte und Einstellungen vornahm, um das Motor-Mapping an die Situation anzupassen.

Wie beurteilten die Beteiligten die Hamilton-Strafe?
"Es ist immer gefährlich, Strafen zu kommentieren", sagte Martin Whitmarsh. "Die Stewards müssen andere Informationen gehabt haben als wir." Auch Ron Dennis wählte den "konstruktiven" Weg und wollte keine Meinung kundtun. Nur Lewis Hamilton verteidigte sich öffentlich: "Die Durchfahrtsstrafe war für mich nicht eindeutig", sagte der Brite. "Ich glaubte, dass ich Vettel fair überholt hatte und eingangs der nächsten Kurve vor ihm war, wenn ich nach innen gezogen hätte, wären wir miteinander kollidiert."

Ich habe ihn nicht vorbeigelassen, weil ich nicht glaubte, dass ich ihn über den Kerb überholt habe.
Lewis Hamilton

Vettel sah Hamilton an sich vorbeischießen und dachte danach, dass er ihn wieder vorbeilassen würde. "Er ist geradeaus gefahren und hat den zweiten Teil geschnitten, normalerweise lässt man dann das Auto wieder vorbei", sagte Vettel. "Ich habe ihn nicht vorbeigelassen, weil ich nicht glaubte, dass ich ihn über den Kerb überholt habe", verteidigte sich Hamilton. "Ich hatte ihn schon vorher überholt."

War der Zweikampf Kovalainen gegen Trulli fair?
Es war die letzte Runde, Heikki Kovalainen gab alles, um Jarno Trulli zu überholen. "Ich habe alles versucht, innen, außen, langsame Kurven, schnelle Kurven, einfach überall, aber ich fand keinen Weg vorbei. Er hat sich verteidigt und keinen Fehler gemacht", verriet der Finne. Eine Berührung will keiner von beiden gespürt haben. "Ich glaube nicht, dass wir uns berührt haben", so Kovalainen, "es war eng, aber selbst eine Berührung ist okay, so lange man auf der Strecke bleibt." Trulli gestand, dass der McLaren-Piloten viel schneller gewesen sei. "Einmal dachte ich, er würde mich kriegen", erzählte der Italiener, der den letzten Angriff so erlebte: "Es war klar, ich war innen. Ich habe meine Linie gehalten und er war außen. Wenn du außen bist, musst du lupfen, sonst bist du weg."

Zweikampf gewonnen, Podium errungen: Jarno machte die Schamach von 2005 wett. © Sutton

Warum war Trullis Podestplatz etwas Besonderes?
In der Woche vor dem Frankreich GP verstarb der ehemalige Toyota-Teamchef Ove Andersson. Trulli und das Team widmeten den dritten Platz ihrem ehemaligen Boss. Schon seit Freitag fuhren die Autos mit einem aufgemalten Trauerflor, auch die Teammitglieder trugen ein solches. Trulli hatte zudem eine offene Rechnung mit Magny Cours. 2004 wurde er hier in Diensten von Renault in der letzten Runde vom Podest heruntergestoßen, Flavio Briatore verzieh ihm das nie und tauschte ihn noch während der Saison aus - danach wechselte Trulli zu Toyota. Jetzt schloss sich der Kreis. Diesmal hielt der Italiener den Angriffen bis ins Ziel stand.

Warum war Bourdais sauer?
"Ich musste Räikkönen vorbeilassen, aber weil er in Schwierigkeiten war, zog ich von ihm weg", erklärte Sebastien Bourdais. Trotzdem bekam der Franzose von den Streckenposten blaue Flaggen gezeigt. "Das war etwas hart, denn dadurch verlor ich drei Sekunden und dann noch mehr Zeit hinter ihm."

Warum verlor Alonso Platz 7 an Piquet?
"Ein Force India sah mich nicht und ging nach außen, ich fuhr deshalb innen, um ihm auszuweichen und kam zu weit nach draußen", erklärte Fernando Alonso den Platztausch mit seinem Teamkollegen Nelsinho Piquet kurz vor dem Ende des Rennens. "Aber ob einer oder zwei Punkte verändert mein Leben nicht."

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9 Leser-Kommentare
am 25. Juni um 18:48 Uhr
snaut: das kann nicht sein
"...wenn ich nach innen gezogen hätte, wären wir miteinander kollidiert." in der ersten kurve war er bereits ganz innen schauts euch das an http://youtube.com/watch?v=f6Z77h5podw
am 24. Juni um 11:15 Uhr
asaint: @thomaster Okay 1. "nicht" getilgt
nichtsdestotrotz übertreibst du erheblich mit deiner Äußerung zu Lewis Hamilton. Er ist ganz klar ein anderer Typ. Love him or hate him. Fakt ist, Lewis lieferte letztes Jahr das ab, was Kubica dies Jahr zu einem Teil gelingt. Und mitnichtens verschweige ich die Tatsache, dass es auch mir recht und lieb wäre, würde Lewis hier und da einfach mal die Klappe halten. Er ist "Cocky" und das schreibe ich seiner Unerfahrenheit zu mehr nicht. Ansonsten kann ich nur wieder und wieder anmerken, dass das, was einige hier so von sich geben disqualifizierend ist. Hier wird mir zu maßlos draufzugeschlagen. Hamilton wird WM und selbst dann wird es Leute geben, die nichts Gutes an ihm auslassen wollen. Aber was solls, in meinem Fokus ist und bleibt der Spaßfaktor den der junge im Rennen abliefert ganz besonders dann, wenn er zum überholen ansetzt. Genau dieser Spaß ist es, den ich 11 Jahre vermisst habe und ich glaube ab 2009 wird es noch spannender.
am 24. Juni um 00:41 Uhr
thomaster:
das erste "nicht" im ersten Satz bitte streichen ;-)
am 24. Juni um 00:38 Uhr
thomaster: @ asaint
An Weitsicht mangelt es dir nicht, wenn dir nicht mal auffält dass Herr Lewis immer Arroganter wird. Und zum Punkt Erfahrung: Vergleiche doch mal Kubica mit Lewis - viel mehr Rennen ist er nicht gefahren, sammelt fleißig Punkte, ist auf dem Boden geblieben, labert nicht so ein Schrott daher, von Arroganz keine Spur, ist um ein vielfaches sozialisierter als dieser uneinsichtige VOLLTROTTEL und Mr. Großkotz Hamilton. Hamiltons Arroganz und Überheblichkeit ist kaum zu übertreffen.
am 24. Juni um 00:04 Uhr
asaint: Du meine Scheune
liest hier denn keiner seine eigenen Kommentare!? Mensch klettert alle mal runter vom Hochstand der Hamilton ist im zweiten Jahr sammelt Punkte kämpft um die WM und hat einen atemberaubenden Fahrstil es macht Spaß ihm zuzusehen Period! Massa brauchte Jahre, um der zu werden, der er jetzt ist! Es gibt derzeit unter einigen von euch und einigen in den Medien eine derart unanständige Kurzsichtigkeit, dass einem glatt übel wird. Alle mosern über Langeweile in der Formel1 jetzt ist es sau spannend wir haben endlich wieder richtige Typen und dennoch gibt es Labertaschen, die schlichtweg jegliches Maß an sportlicher Fairniß missen lassen. 24 Rennen ist der Junge alt, JA er macht Fehler, JA er könnte ach hier und da mal einfach die Klappe halten, JA er wird unglücklicherweise gehyped - was nervt und JA er ist von sich überzeugt - wie alle anderen auch und nochmal JA er ist kein Tiger Woods ABER nochmal er ist SAUSCHNELL er hat einen ASTREINEN Agressiven Fahrstil und er gibt niemals auf dazu kommen WAHNSINNS Überholmaneuver! Einige von euch denken und vergessen dabei, dass sie NIX wissen und das stinkt ! Lasst mal etwas Platz und gebt der Freude Luft. Hier ein Link für diejenigen unteruns, die English lesen und verstehen können. Clive Allen's Blog http://f1insight.madtv.me.uk/
am 23. Juni um 20:53 Uhr
Jracer:
Nun ja, ich bin auch kein Freund von Hamilton, aber man muss so Fair sein und zugeben, dass vom Mittelfeld nach vorne zu fahren in der Formel 1 und gleichzeitig noch in Frankreich nicht so einfach ist. Im gleichen Zug, muss ich erwähnen, das sich jetzt langsam aber sicher das wahre Gesicht von Hamilton zeigt. Wenns nicht klappt, dann mit der Brechstange. Sollte Hamilton eine Saison lang kein WM - Fahrzeug haben, könnte Ihn das aus der Bahn werfen, davon bin ich überzeugt. Hier zeigt sich jetzt wie einfach der Einstand in die Formel 1 war für das Wunderkind 2007 !! Genau das Gegenteil hat Kimi bewiesen, immer dran bleiben und so viele Punkte wie möglich hamstern und wenn die Kiste und Haut auseinanderfällt......grins
am 23. Juni um 15:36 Uhr
thomaster: Hamilton = Nullnummer
Hamilton ist eine gehypte Nullnummer, die es selbst mit besten Materialien nicht schafft WM zu werden.
am 23. Juni um 13:42 Uhr
ceniza: @rennfreund sagt:
Anscheinend ist Hamilton nur richtig gut wenn er vorne weg fahren kann, sobald er im Pulk steckt fehlt ihm die Geduld genannt "Rennintelligenz" ;-) Kurze, zutreffende, objektive Analyse der racer qualitaeten des lewis Hamilton. Ausserdem ist er sehr uneinsichtig, was die regeln betrifft und sucht die schuld immer bei den anderen. Wenn er noch WM werden will, muss er in den naechsten rennen ueberzeugen und ferrari muss abfallen, was ich nicht glaube, denn nun kommen viele Ferrari-Strecken. Onkel Norbi wie immer in McLarens Traum- Wunderwelt!
am 23. Juni um 00:24 Uhr
Rennfreund:
"Ohne die Durchfahrtsstrafe für Lewis Hamilton wäre für ihn Platz 3 möglich gewesen, glaubt Norberg Haug" --- Naja, so wie Hamilton unterwegs war glaube ich nicht an einen möglichen 3. Platz. Schon beim ersten Boxenstopp waren seine Bremsen vollkommen überhitzt und er hatte teils Glück das er Piquet nicht hinten rein donnerte. In der Manier (mit Brechstange) wie er fuhr hätte entweder der McLaren nicht durchgehalten oder Hamilton hätte gecrasht. Man konnte sehen das er nach seinem regulären Boxenstop schon nicht mehr so pushte und ich denke das lag daran das er das Auto vorher hoffnungslos überfuhr und er deshalb etwas Power rausnehmen mußte um das Rennen überhaupt fertig fahren zu können. Ich bin sicher das Kovaleinen zum Schluss hin das bessere Materieal hatte weil er schonender fuhr und von daher behaupte ich mal das wenn Hamilton zu den beiden (Trulli und Kova) den Anschluss gefunden hätte, dann wäre an den beiden nicht vorbei gekommen weil Kova schonender mit seinem McLaren umgegangen und materialbedingt entsprechend mehr Performance hatte. Anscheinend ist Hamilton nur richtig gut wenn er vorne weg fahren kann, sobald er im Pulk steckt fehlt ihm die Geduld genannt "Rennintelligenz" ;-)

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