Mi, 11.06.2008

Formel 1 - Kolumne - Andi Gröbl

Vorsicht - Idiot am Steuer!

Lewis Hamilton hat sich in Montreal zum Gespött der Leute gemacht. Ein Fehler wie dieser wird ihm garantiert nie wieder passieren.
© Sutton

Motorsport-Magazin.com - Wie unerbittlich waren die Schnellrichter der Presse mit Lewis Hamilton, nachdem er Kimi Räikkönen bei Rot ins Heck gerutscht ist? Und der Finne legte den urteilswütigen Schreiberlingen den Ball noch auf den Elfmeterpunkt mit deftigen Worten. Unterm Strich bleibt: Lewis Hamilton ist ein Idiot, der zu dumm ist, ein Formel 1-Auto zum Stehen zu bringen. Tja, ich würde meinen: Das sieht nicht gut aus für Hamilton. Ein Parkschaden dieser Art, dargebracht vor einem Millionenpublikum lässt selbst den größten Überflieger wieder ein wenig erdgebundener wirken. Und trotzdem würde ich mit Lewis nicht so hart ins Gericht gehen. Denn er ist in allerbester Gesellschaft. Die ganz Großen des Sports hatten alle ihre fragwürdigen Momente. Wer sich nicht mehr erinnern kann:

Auch David Coulthard kennt diesen Moment des Versagens. © Sutton

Der große Schumi ist im Herbst seiner Karriere in Shanghai in der Runde zum Startplatz dem Minardi von Christijan Albers hinten drauf gekracht. Und im selben Rennen dann hinter dem Safety Car von der Strecke geflogen. Es war der "perfekte" Schlussstrich unter eine katastrophale Saison - 2005 sah Schumacher mit Ferrari kein Land. Und dann machte es eben Rumms und Albers kannte sich gar nicht mehr aus. Trotzdem hat Michael Schumachers glanzvolle Karriere unter dem Malheur nicht wirklich gelitten.

David Coulthard schaffte es bei Williams, in Monza eine vielumjubelte Pole Position herauszufahren. Der Schönheitsfehler dabei war nur, dass er sich in der Ascari-Schikane selbst wegschmiss, als er das Feld in der Aufwärmrunde zum Start anführte. Spott und Häme ergossen sich über ihn. Wenig später gelang es ihm, den Williams während des Rennes bei der Boxeneinfahrt zu verschrotten, weil er zu flott zum Reifenwechsel unterwegs war. Und? Uncle David ist immer noch dabei. Und hat durch Peinlichkeiten sicher gelernt, wie man einen so kühlen Kopf bewahrt, dass man in einem Chaos-Rennen wie Kanada den Red Bull aufs Podium manövriert.

Nigel Mansell hatte in Montreal einiges zu verarbeiten. © Sutton

Auch Alain Prost hat den Ferrari einmal in der Anwärmrunde in die Wiese gesetzt. Anders als für Coulthard war das Rennen für den Professor gelaufen. Und die WM auch. Und die Spaghetti-Presse unterstellte dem Franzosen so ziemlich alles, was ein Rennfahrer falsch machen kann. Dabei war das noch gar nichts gegen das Kanada-Kunststück von Nigel Mansell 1991. Da lag der Löwe uneinholbar in Führung und winkte ein paar Kurven vor dem Ziel bereits den Fans zu. Das fand die Elektronik seines Williams nicht ganz so logisch und drehte die Kiste sicherheitshalber ab. Vor Millionen Zusehern musste Mansell am Straßenrand parken, während sein ewiger Rivale Piquet im Benetton sich noch bei der Siegerehrung kaputt lachte über so viel Blödheit. Alles nur menschlich.

So wie der Ausfallsgrund von Niki Lauda in den 1970er-Jahren. Der Ferrari-Star hatte jede Menge Zeit zum Nachdenken und dachte blöderweise an das Falsche. Genauer gesagt die Falsche, nämlich die Damenbekanntschaft vom Vorabend (das hat er mir selbst bestätigt - in nicht ganz jugendfreien Worten, daher hier nur eine entschärfte Version). Und eh er sich's versah, hing der Ferrari im Kies. Ausfall quasi aus hormonellen Gründen...

Selbst Ayrton Senna war vor Fehlern nicht gefeit. © Sutton

Auch ein Ayrton Senna war nicht davor gefeit, sich vor aller Welt zum Deppen zu machen. In Monaco lag der Brasilianer 1988 bereits 40 Sekunden vor seinem Teamkollegen Alain Prost. Nichts und niemand sollte ihn an diesem Tag aufhalten können. Außer seine eigene Unachtsamkeit. In der Kurve am Hafen schmiss er ohne ersichtlichen Grund den McLaren in die Leitplanken. Prost gewann und Senna verkroch sich direkt in seinem Appartement, ohne auch zur Box zurückzukehren. Stundenlang war er auf Tauchstation bis Ron Dennis eine Sucheskorte ausschickte, weil er sich Sorgen machte. Aber Senna ging aus dieser Niederlage stärker hervor als er je gewesen war. Es war ein Knackpunkt in seiner Karriere, die erst dadurch zur Perfektion reifen konnte.

Und da sprechen wir noch gar nicht von den Peinlichkeiten, die den Normalsterblichen passiert sind. Wie Giancarlo Fisichella, der in Sepang zwei Mal (!) bereits mit seinem Auto nicht den Startplatz gefunden hat und damit für kuriose Abbrüche sorgte. Oder der spätere Jaguar-Testfahrer Björn Wirdheim, der in der F3000 zum Zeichen seines Sieges in Monaco an der Boxenmauer verlangsamte, um seinem Team zuzujubeln. Blöderweise war die Ziellinie aber erst hundert Meter danach, und Nicolas Kiesa kassierte den 1. Platz. Gäbe es einen Preis für die dümmste Aktion aller Zeiten, er wäre Wirdheim damals sofort verliehen worden. Ich bin mir daher sicher: Lewis Hamilton hat dieser Sonntag in Kanada sehr geschmerzt. Er hat ein wenig von seinem Nimbus als überperfekter geklonter Supermann eingebüßt. Und das ist gut so. Für die Formel 1 und vor allem für ihn. Denn dieser Fehler ist ihm garantiert zum letzten Mal passiert. Und wenn ich Ferrari oder BMW wäre, hätte ich Hamilton ab sofort noch mehr auf der Rechnung.

Euer Andi Gröbl
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50 Leser-Kommentare
am 26. Juni um 01:16 Uhr
JC: @thomaster
Als bekennender Senna-Fan kann ich nur zustimmen. Leider kam nur die Wiederauflage der GPDA für Senna zu spät.
am 15. Juni um 15:59 Uhr
thomaster: Hamilton is stupid
Das sollte er definitiv und er sollte endlich mal die Farben seines Helms ändern. Es ist eine Schande, dass so ein Vollidiot dessen Heuchelei und Arroganz seines gleichen sucht, die Farben und das Design Ayrton Senna's Helm nachahmt !!! Als Ayrton Senna in den englischen Medien mit diesen Großkotz verglichen worden ist, da hat er sich sicherlich mehrmals im Grab gedreht. Hamilton hat nicht im geringsten mit ihm Ähnlichkeiten - ausser dessen Helm. Ayrton war ein großer Fahrer, er hatte Charakter, Respekt, hat sich für die Sicherheit eingesetzt (GDPA) und vieles andere mehr. Und was ist Hamilton - einfach nur stupid !?!
am 15. Juni um 07:43 Uhr
genius-2k6:
vlcht sollte er mal ein Fahrsicherheitstraining mitmachen ... da lernt man, dass man die Bremse lösen muss ... ;o)
am 14. Juni um 20:59 Uhr
Iceman's good:
er ist ja zuerst nach links gezogen, aber so weit wie ich das mitbekommen habe, ist er ja voll in die Eisen, wodruch natürlich der Reifen stehen blieb und dann gehts nimmer nach links, denk ich mal.
am 14. Juni um 13:25 Uhr
genius-2k6:
Im Rennen sind in der Boxengasse 80 oder 120 km/h erlaubt (In Kanada müssten es wegen der engen Gasse 80 sein). Und da wird's schon echt schwierig zu sehen, ob ein Auto bremst zumal er ja nicht damit gerechnet hat. Was mich eher wundert ist, das er nicht nach links ausgewichen ist, wo mehr als eine Wagenbreite platz war.
am 14. Juni um 00:28 Uhr
thomaster: Absicht sehr unwahrscheinlich
1. 30 mph = 48,3 km/h 2. Glaube nicht dass er es absichtlich gemacht hat, er hat einfach auf die Ampel nicht geschaut und war wohl mit seinen Knöpfen am Lenkrad beschäftigt - genau wie Rosberg. 3. Es war trotzdem sehr sehr lustig ;-)
am 13. Juni um 23:16 Uhr
Ice Wolf: Eben 30 kmh!
Jeder Kind hätte mit sein Velo gebremst aber er schafft es nicht mit Carbonbremsen! Vieleicht war es auch Absicht.
am 13. Juni um 11:57 Uhr
Flaxx: Schönes...
youtube video, wirft in dem zusammenhang ein noch peinlicheres licht auf lewis hamilton.
am 13. Juni um 00:20 Uhr
thomaster: Sorry....
für die Doppeposting, irgendwie hatte ich einen Hänger....
am 13. Juni um 00:19 Uhr
thomaster: Accident at 30 mph - Wie der Vater so der Sohn *LOL*
http://youtube.com/watch?v=1-oLuLfXg9Q
Andi Gröbl
Andi Gröbl

Andi kennt die Boxengassen der F1-Welt in- und auswendig. Als Boxengassenreporter, Kommentator und Journalist berichtet er seit Jahren über seine Leidenschaft Motorsport.


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