So, 25.05.2008

Formel 1 - Hamilton gewinnt in Monaco

Chaos im Fürstentum

Lewis Hamilton hat es geschafft. Im zweiten Anlauf gewann er den Prestige-GP in Monaco.
© Sutton

Motorsport-Magazin.com - Ganz Großbritannien hatte einen Traum: in seinem erst fünften Formel 1-Grand Prix sollte Lewis Hamilton ausgerechnet beim Glamourrennen in Monaco den ersten Sieg einfahren. Aus dem Traum wurde nichts. Hamilton belegte hinter seinem Teamkollegen Fernando Alonso Platz 2. Damit gab er sich ein Jahr später nicht zufrieden. "Jetzt hast du den Sieg, der vielleicht schon ein Jahr überfällig war", funkte Hamiltons Renningenieur bei der Zieldurchfahrt ins Cockpit.

Nach seinem Fehler fuhr Hamilton ein perfektes Rennen. © Sutton

Zuvor hatte sich der Brite in beeindruckender Manier den Sieg in den nassen Straßen von Monaco gesichert, obwohl er schon nach sechs Runden zu einem Reparaturstopp an die Box kommen musste. Im Regen hatte er mit dem rechten Hinterreifen die Leitplanke gestreichelt und sich einen Reifenschaden eingehandelt. Genau dafür entschuldigte sich Hamilton, noch bevor er im Boxenfunk über seinen ersten Monaco-Triumph und die Führung in der Fahrer-WM jubelte. "Das war fantastisch", freute sich Ron Dennis. "Wir haben uns von allen Rückschlägen erholt und die Strategie hat sich ausgezahlt."

Für Hamilton ist der Sieg in Monaco ein Highlight in seiner noch jungen Karriere, welches er bis zu seinem Lebensende nicht vergessen werde. "Ich hatte einen guten Start, wusste, dass wir ein gutes Auto haben und ich Felipe angreifen konnte", schilderte er auf der Siegerpressekonferenz. Aber die Sicht ließ ein nahes Auffahren nicht zu. Dann der entscheidende Moment: ein kleiner Fluss lief über die Strecke, der McLaren übersteuerte und Hamilton berührte die Leitplanke leicht. "Das Team hat schnell reagiert und fantastische Arbeit geliefert, ohne sie würde ich nicht hier sitzen."

Zunächst sah alles nach einem weiteren Sieg von Felipe Massa aus. Der Brasilianer fuhr dem Feld davon, bis er vor der St. Devote den Notausgang nutzte und so die Führung an Robert Kubica verlor. Nach seinem ersten Boxenstopp korrigierte Massa das Bild zwar und setzte sich vor den Polen auf Platz 2. Doch Kubica konnte sich bei der zweiten Runde der Boxenstopps wieder an Massa vorbeischieben und so die Verfolgerrolle von Hamilton übernehmen. Der Brite stoppte nach seinem frühen Reparaturstopp nur noch einmal, konnte sich allerdings einen ausreichenden Vorsprung auf Massa und Kubica herausfahren.

Felipe Massa verspekulierte sich bei der Strategie. © Sutton

"Es geht ganz schnell, nur eine kurze Unkonzentriertheit und schon passiert so etwas", sagte Massa nach seinem Fehler, der ihn die Führung kostete. "Ich habe auf der Markierung gebremst, hatte keine Bremswirkung und bekam die Kurve nicht mehr." Zudem fiel sein Funk für rund 20 Runden aus, so dass er gar nicht genau wusste, was auf der Strecke passierte. "Trotz des Fehlers war meine Pace im ersten Stint toll, auch im Vergleich zu Lewis und Robert. Das Auto war perfekt." Beim ersten Boxenstopp wechselte das Team die Strategie auf einen Stopp und tankte den Ferrari voll. "Das war ein Riesenfehler." Die Strecke trocknete immer mehr ab und Massa musste noch mal hereinkommen und Trockenreifen holen. "Wir hatten mehr Regen erwartet, aber der kam nicht. Schade, wir haben einen Fehler bei der Strategie gemacht."

Robert Kubica hatte nur einen zu niedrigen Reifendruck zu beklagen, der ihn in den ersten paar Rennrunden daran hinderte, die Pace der Spitzengruppe mitzugehen. Danach konnte er Räikkönen passieren, als dieser seine Drive Through-Strafe absaß und Massa, als dieser den Fehler in St. Devote machte. "Nach dem ersten Stopp kam Felipe vor mir raus und konnte mir etwas davonziehen, weil ich viel Graining hatte. Als meine Hinterreifen besser wurden, konnte ich wieder aufholen, aber nicht überholen." Als Kubica dann sah, wie gut Timo Glocks Rillenreifen funktionierten, entschied er sich, auch auf Trockenreifen zu wechseln. "So konnte ich Felipe überholen. Aber der 2. Platz war das Maximum, das wir hier herausholen konnten."

"Ich habe das Rennen sehr genossen", sagte Mario Theissen. "Wir waren ja nach dem Qualifying nicht gerade in der Offensive. Das Rennen lief aber perfekt, wir waren bei allen Bedingungen sehr stark." Kubica blieb übrigens der einzige Topfahrer, der im gesamten Rennverlauf keinen Fehler beging. Hamilton schlug an der Leitplanke an, Massa rutschte ins Aus und Räikkönen machte gleich zwei Fehler: einen Ausrutscher in der ersten Kurve und einen Unfall mit Adrian Sutil.

Schrott im Fürstentum

Heidfeld wurde von Alonso abgeschossen. Danach war sein Rennen gelaufen. © Sutton

Bereits vor dem Start ging es turbulent zu: Heikki Kovalainen kam nicht weg und musste das Rennen folglich aus der Boxengasse in Angriff nehmen. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste: auch beim zweiten Finnen Kimi Räikkönen gab es vor dem Start ein Problem - die Mechaniker zogen seine Reifen erst nach dem 3 Minuten Signal auf. Die Folge: eine Drive Through Strafe, die Räikkönen in Runde 13 absaß.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Fahrer schon die erste Safety Car-Phase hinter sich. Am Start lief noch alles glatt. Hamilton schoss an Räikkönen auf Platz 2 vorbei, vorne fuhr Massa unangefochten einen Vorsprung heraus. Die Top-3 lagen bereits nach drei Runden acht Sekunden vor Robert Kubica. Die ersten Karbonteile flogen in Runde 2 als Jenson Button auf Nick Heidfeld auffuhr und seinen Frontflügel beschädigte. Es sollte nicht der letzte Flügelwechsel in der Box bleiben.

Als nächstes kam Nico Rosberg zu einem Nasenwechsel herein und auch Timo Glock benötigte einen neuen Frontflügel. Er hatte sich eingangs Start und Ziel gedreht und dabei seinen Toyota beschädigt. Bei einem weiteren Dreher zur Rennmitte schlug Glock noch einmal an, dann mit dem Heckflügel. Damit aber noch nicht genug des Kleinholz: als nächstes schlug Lewis Hamilton an der Leitplanke an. Er beschädigte sich seinen Reifen hinten rechts und musste ebenfalls an die Box kommen. Das gleiche Bild wiederholte sich zwei Runden später bei Fernando Alonso.

Fernando Alonso riskierte zu viel. © Sutton

In Runde 8 der erste größere Knall, der sich nicht durch einen Notboxenstopp beheben ließ. David Coulthard rutschte mit seinem Red Bull zum zweiten Mal an diesem Wochenende in die Leitplanke, diesmal auf dem Weg hinauf zum Casino. Damit aber nicht genug: auch Sebastien Bourdais im Schwesterauto verlor die Kontrolle über seinen Boliden und fuhr dem bereits gestrandeten Coulthard ins Heck. Das Safety Car rückte aus und führte das Feld wieder zusammen.

Kurz nach dem Re-Start startete Alonso seine aggressive Phase auf Regenreifen. Gegen Mark Webber ging es gut, der Spanier rückte auf Position 6 nach vorne. Bei Nick Heidfeld war der Ex-Champion in der ehemaligen Loews-Kurve zu optimistisch, fuhr dem Deutschen in die Seite, drehte ihn fast um und löste einen kleinen Stau aus. Für Alonso bedeutete es den nächsten Boxenstopp, diesmal um den Frontflügel zu wechseln. Heidfeld konnte weiterfahren, hatte aber nach einigen Runden einen Reifenschaden hinten links, der ihn ans Ende des Feldes zurückwarf. In Folge des Loews-Staus erwischte es auch Nico Rosberg zum zweiten Mal: diesmal wurde ihm sein Frontflügel unverschuldet beschädigt, einen Reparaturstopp musste er dennoch einlegen.

Sutil hätte zum Helden von Monaco werden können. © Sutton

In Runde 61 half Rosberg kein Boxenstopp mehr: in einem heftigen Crash zerlegte er seinen Williams zwischen den Leitplanken. Rosberg hob auf dem Kerb innen ab, schlug erst rechts und dann links in der Mauer ein. Vor dem Rennen war er sich sicher, Kubica schlagen zu können. Nach zwei Notstopps und einem Unfall musste er sich von draußen ansehen, wie Kubica auf Platz 2 fuhr. Hinter Hamilton, Kubica und Massa belegte Mark Webber den vierten Platz vor Sebastian Vettel, Rubens Barrichello, Kazuki Nakajima und Heikki Kovalainen. Der Finne fuhr unbeobachtet und von den Zwischenfällen begünstigt immerhin noch einen Trostpunkt ein.

Der tragische Held des Monaco GP war jedoch Adrian Sutil. Der Deutsche im Force India fuhr fast das gesamte Rennen auf einem Punkteplatz, kam erst spät zu seinem einzigen planmäßigen Boxenstopp und lag nach der Safety Car-Phase wegen des Rosberg-Unfalls hinter Massa und vor Räikkönen auf dem vierten Platz. Dann der Schock: Räikkönen verlor ausgangs des Tunnels die Kontrolle über seinen Ferrari und krachte Sutil ins Heck. Beide kamen an die Box, Sutil musste das Rennen dort aufgeben. Räikkönen fuhr als Neunter knapp an den Punkterängen vorbei. "Es geht nicht immer nur ums Geld, es geht auch um Gefühle", sagte Sutils Teamchef Colin Kolles. "Es tut mir für Adrian sehr leid." Man habe die richtige Strategie gewählt und gewusst, dass man im Regen am stärksten sei. "Wir haben eine gute Show abgeliefert, jeder hat gesehen, dass wir auf einem sicheren vierten Platz lagen. Man kann Kimi keine Schuld geben, es kann jedem Fahrer passieren."

Der Finne entschuldigte sich bei den Fernsehinterviews nach dem Rennen mehrmals für den Unfall: "Ich wollte bremsen, aber meine Bremsen waren kalt, ich wollte ihm ausweichen, aber ich schaffte es nicht und bin in ihn reingefahren", so Räikkönen. "Ich habe selbst den fünften Platz verloren und es tut mir leid für Adrian, wer weiß, wie oft er mit dem Auto so weit vorne mitfahren kann?"

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34 Leser-Kommentare
am 26. Mai um 12:48 Uhr
ceniza: auch ein Nick heidfeld ist nicht perfekt
http://es.youtube.com/watch?v=7tmAH97g0Os da war doch mal was.... Alle fahrer machen mal fehler, dafuer sind es menschen.
am 26. Mai um 12:34 Uhr
Nickfan: etwas blind das Wolfsauge!
Das Auge von DR.Wolfsauge scheint schon etwas getrübt zu sein. Von Resignation bei Nick Heidfeld habe ich zumindest nichts gesehen. Immerhin hat er bis zu dieser dummen Aktion von Alonso ein Superrennen gezeigt, das auch an Aggressivität nichts zu wünschen übrig ließ. Oder meint DR.Wolfsauge das spätere, olympische Hinterherfahren von Nick mit einem fast nicht mehr fahrbaren Auto?
am 26. Mai um 12:08 Uhr
thomaster: Niemand ist fehlerlos
Ich denke auch wie Ceniza, dass jedem mal ein dummer Fehler unterlaufen kann. Wenn man sich einen 7-fachen Weltmeister wie Schumacher zum Beispiel anschaut - was hat der für einen haufen Mist in seiner Karriere gebaut!?! Von den absichtlichen & böswilligen Mist z.B. "parken in Monaco" ganz abgesehen.
am 26. Mai um 10:56 Uhr
ceniza: @rennfreund
ich behaupte ja auch nicht, dass das toll war, was Alonso da gestern in der Kurve gebracht hat, aber ihn deswegen jetzt auf dem scheiterhaufen zu verbrennen, finde ich nun doch etwas uebertrieben. Und ich erinnere mich da an eine vergleichbare situation, in ungarn 2006 heidfeld/M.Schumacher, wo die reaktionen dann aber ganz anders ausfielen....es handelte sich ja auch da nicht um den ungeliebten spanier, sondern um, ihr wisst schon...lol*
am 25. Mai um 23:11 Uhr
Carmenrosa: @Formulaone.
Ein Mitgrund ist sicher auch sein schlechtes Quali. Mitten im Verkehr geht es nun mal hektischer zu. Gerade in Monaco. Alonso hat natürlich auch seines dazu beigetragen, so einen Schnitzer sollte sich ein Doppel-WM normal nicht leisten. Aber eben, daß sind nun mal Autorennen.
am 25. Mai um 22:31 Uhr
Rennfreund: @ceniza...
es ging um einen Positionskampf und egal bei welcher Rennserie, es ist dem Vordermann sein Recht dem Hinteren die Tür zuzumachen. Zudem kann man in dieser Kurve niemals überholen wenn der Vordermann einem nicht offensichtlich die Tür offen lässt und das hatte Nick nicht malangedeutet. Alonso war nicht mal ansatzweise neben Nick als das dieses hirnrissige Manöver seitens Alonso hätte gut gehen können. Das war bisher das stümperhafteste was ich von diesem "Nasenbohrer" gesehen habe. Kimis Aktion war auch nicht gerade weltmeisterlich, der Unterschied zu Alonso ist folgender, Kimi wollte gar nicht angreifen, keine Absicht, er verlor einfach das Auto, Alonso aber meint wenn er kommt dann müssen alle weichen. Er hat absichtlich und nicht versehentlich, versucht in eine Lücke zu stechen die keine war. In meinen Augen wäre das absolut bestrafungswürdig, da wurden andere Fahrer schon für weniger bestraft *andenkopfgreif*
am 25. Mai um 21:00 Uhr
Basti 4 Mclaren:
So leid es mir für Heikki tut, aber er ist raus aus der wm. An Mclarens' stelle würde ich jetzt voll auf Lewis setzen, nur so kann man die Ferraris aufhalten. Ich hoffe dass Ron Dennis nicht zu sehr auf den 2-Mann-Grundsatz setzt - das wäre einfach falsch...
am 25. Mai um 20:56 Uhr
Ice Wolf: Kubica weltmeisterlich!
Heute hat er definitiv an Grösse gewonnen. So leid es mir auch für Nick tut, Kubica macht ein fenomenalen Job im Moment. Und das hat nix damit zu tun dass Nick in der Krise steckt und womöglich schon resigniert hat. Genau dass scheint der Fall zu sein bei Nick. Solche Fahrer sind leider fehl am Platz denn ein richtiger Fahrer gibt nie auf! Ich sage gebt Kubica ein Siegauto und er fährt alle in Grund und Boden!!
am 25. Mai um 20:25 Uhr
giri67: mein pfefferkern....
donnerstag und samstag morgen sah ich nicht rot.... samstag 15.00 Uhr wurde die welt schon röter... sonntag begann sehr schlecht und wurde immer schlimmer als ferrari fan entschuldigung an Sutil und Force India ich hätt denen echt die 5 Punkten gegönnt, hat mir echt leid getan Alonso hat alles probiert ... schief gegangen Raikonen kapital fehler. Massa Strategie Fehler Kova pech Hamilton und MCM über alles. Aber in 2 Wochen ist die Welt Wieder ROT grüsse an ALLE ausser Silberschrott2008
am 25. Mai um 19:48 Uhr
Formulaone: @Carmenrosa
Und warum hat Heidfeld keine Punkte eingefahren? Vielleicht solltest du das auch mal erwähnen. Und dabei auch berücksichtigen, auf welcher Position er lag, als ihm jemand ins Auto fuhr. Warten wir ab, in Montreal war Heidfeld 2007 sehr stark.

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