Sa, 12.04.2008

Formel 1 - Kolumne - Pro und Contra

BMW Sauber - reif für den Titel?

Ehre wem Ehre gebührt. Aber ist der aktuelle WM-Spitzenreiter der Konstrukteure schon reif für den Weltmeistertitel?
© Sutton

Dem Plan voraus

von Stephan Heublein

BMW Sauber war der Zeit und seinem Plan schon immer voraus. Bereits im ersten Jahr als Werksteam standen Nick Heidfeld und Robert Kubica je einmal auf dem Podium. Im zweiten Jahr wurde BMW Sauber sogar drittbestes Team hinter McLaren und Ferrari, die Konstrukteurswertung wies sie offiziell sogar als Vizeweltmeister aus, auch wenn Mario Theissen auf das Geschenk am grünen Tisch nicht viel gibt. 2008 sind Siege aus eigener Kraft angepeilt, 2009 der Angriff auf den WM-Titel.

Nach 3 Rennen in dieser Saison führt BMW Sauber die Konstrukteurs-WM an, Nick Heidfeld ist Zweiter in der Fahrer-WM. Die Weiß-Blauen scheinen ihrem Plan schon wieder voraus zu sein, der erste GP-Sieg scheint schon in der ersten Saisonhälfte in greifbarer Nähe zu liegen. Aber kann es bereits diese Saison mit dem WM-Titel klappen? Ist BMW Sauber schon reif für den großen Durchbruch?

Der Bigboss hat schon mal gratuliert… © Sutton

Im Winter fragte sich selbst Nick Heidfeld, ob das Team mit dem ungewohnten Druck - intern wie extern - klar kommen würde. Dieser lässt sich nicht vermeiden, wenn man im Kreis der ganz Großen mitmischen möchte. Bislang war von Druck nichts zu spüren - natürlich werden solche Rennwochenenden mit Fehlern des Teams, der Fahrer und Problemen am Auto noch kommen. Aber das Team hat schon bewiesen: es kann zurückschlagen, sich aus Tiefs herausarbeiten, was besonders wichtig ist für einen echten Titelanwärter. Das Rollout und der erste Test des F1.08 waren ernüchternd, die Fahrer waren unzufrieden, das Auto hatte keine gute Balance. Neue Teile und neue Ideen wurden entwickelt, die Probleme beseitigt. BMW Sauber kam stark zurück - könnte jetzt sogar noch weiter sein. Die Konkurrenz muss gewarnt sein.

Ron Dennis zweifelt trotzdem an der Entwicklungsgeschwindigkeit der neuen Nummer 2 - oder angesichts der Konstrukteurswertung sogar der vorläufigen Nummer 1. Ab dem Europaauftakt würde McLaren mächtig nachlegen, prophezeite Dennis - was sie angesichts der letzten beiden Rennen wohl auch müssen. BMW Sauber konnte schon 2007 mit dem Entwicklungsspeed der Top-Teams mithalten, der Abstand blieb konstant - bis man sich dazu entschieden hat, mehr auf 2008 hinzuarbeiten, was sich zu Beginn dieser Saison ausgezahlt hat. Es gibt also keinen Grund zu glauben, dass ihnen nicht das gleiche auch dieses Jahr gelingen wird. Die Ressourcen und das Personal dafür sind vorhanden - nur die Parallelentwicklung für die neuen Aerodynamikregeln und KERS für 2009 könnten etwas stören, aber dieses Problem haben alle Teams.

Darf sich Mario Theissen auf noch mehr Erfolge freuen? © BMW

Hat BMW Sauber also schon 2008 die Chance, einen der beiden WM-Titel zu gewinnen? Die ersten Rennen sagen ja: drei Strecken, drei unterschiedliche Charakteristiken, drei starke Leistungen. Ein BMW Sauber-Fahrer stand bislang bei jedem Rennen auf dem Treppchen. Sicher hatte jeweils ein Konkurrenzteam ein schwaches Wochenende. Sicher war jeweils ein Konkurrenzteam schneller. Aber sollte das in den verbleibenden 15 Rennen so weitergehen, zählen Zuverlässigkeit und Konstanz vielleicht mehr als der pure Speed. Ausschließen darf man in der F1-Welt bekanntlich nichts...

Der Konkurrenz noch etwas hinterher

von Falko Schoklitsch

BMW Sauber ist der aktuelle Erfolg natürlich zu gönnen, gar kein Zweifel. Irgendwie waren sie aber dennoch von den Umständen ein wenig begünstigt. In Melbourne war Ferrari nie so aus den Startlöchern gekommen und McLaren musste das dann in Malaysia und Bahrain gleich kopieren - alte Gewohnheiten kann man eben nicht ablegen.

Aber genug des Zynismus und zurück zu BMW Sauber. Das Team hat primär davon profitiert, die einzige Mannschaft zu sein, die sich größere Ausrutscher verkneifen konnte. Lediglich der Ausfall von Robert Kubica steht fünf soliden Zielankünften und zwei zweiten Plätzen gegenüber. Ein Blick auf Bahrain zeigt aber, wie es unter normalen Umständen laufen könnte.

Robert Kubicas Pole Position (wer "Pole auf Pole" schon zwei Minuten nach Ende des Qualifyings nicht mehr hören konnte, möge sich bitte melden - danke) war durch wenig Sprit und dadurch einen frühen Stopp erkauft und letztendlich konnten die Ferrari bereits etliche Runden vor Schluss abstellen und sicher den Doppelsieg ins Ziel bringen. Zwar ging es wieder auf das Podest, aber das Gefühl, der Sieg wäre machbar gewesen, kam nie auf. Genauso wenig war das in den ersten beiden Rennen der Fall.

Noch ist Rot eine Nasenlänge voraus. © Sutton

Stark war die Vorstellung von BMW Sauber bislang trotzdem, das wird ihnen niemand absprechen. Dennoch, es wird Wochenenden geben, wo einmal bei beiden Spitzenteams alles normal läuft und dann darf man sich in München oder Hinwil nicht wundern, dass es doch nur Platz vier oder fünf gibt - wird man sich wahrscheinlich ohnehin nicht, dafür sind die Leute bei BMW Sauber, allen voran Mario Theissen, zu klug. Und wenn dann McLaren und Ferrari ohne Probleme ins Ziel kommen und damit viele Punkte mitnehmen, dann wird die Führung in der Konstrukteurs-WM auch schnell wieder futsch sein.

Natürlich werden jetzt einige sagen, Kovalainen hatte ja keine Chance gegen die BMW in Bahrain und bei ihm lief alles optimal. Scheint einigermaßen richtig, außer dass Kovalainen am Ende dann derjenige war, der die schnellste Runde fuhr und dabei war er um mehr als drei Zehntel schneller als der Rest des Feldes. McLaren war zwei Wochenenden einfach blass, aber wenn in Barcelona wirklich so aufgedreht wird, wie das schon meine Kollege oberhalb von Ron Dennis prophezeit hat, dann kommt Silber wieder ins Spiel. Ferrari war dort ohnehin schon zwei Rennen und BMW könnte dann wieder auf Position drei als Zuschauer sitzen - allerdings auf einem starken Rang drei, der beim nächsten Patzer gleich wieder alles möglich macht. Im Moment macht es Weiß-Blau eben mit Konstanz.

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14 Leser-Kommentare
am 31. Mai um 15:38 Uhr
eians:
Nicht so schnell.First der erste Sieg,dann regelmäßig Punkte sammeln.Dann kann man von Titel reden
am 15. April um 15:07 Uhr
k1200r: jein
@johnny: nicht gleich übertreiben mit dem "deklassieren". das sie um die KWM mitspielen, dürfte klar sein, FWM wohl nicht. Ich bin gespannt wann HEI oder KUB als erster für das Team siegen und wer.
am 14. April um 15:45 Uhr
johnny:
ich sag jetzt einfach mal, dass bmw sauber die mclaren in dieser saison deklassieren wird.
am 14. April um 13:41 Uhr
Carmenrosa: Nächste Saison,
vielleicht.
am 14. April um 07:53 Uhr
genius-2k6: Titel durch Konstanz
Wenn es so weiter geht, das sich rot und silber in der performance abwechselt und BMW konstant dazwischen bleibt, dann wäre es durchaus möglich, dass BMW den Konstruteurstitel gewinnt, ohne dass Sie ein Rennen gewinnen. Dann dürfen die sich aber kein schlechtes Wochenende erlauben. Realistisch denke ich, wenn BMW seine Performance hält, ist der 2. Platz drin. Dafür lieber ein oder zwei mal auf dem Podium ganz oben.
am 12. April um 21:07 Uhr
Swischmk:
Ich glaube auch, dass es für den Titel heuer noch zu früh ist, obwohl ich ein großer BMW-Fan bin. Allerdings sollte man nicht vergessen (mich wundert, dass das noch niemand angesprochen hat), dass BMW noch höher in der WM führen könnte. Jetzt kann ich natürlich alle hören, die sagen:" Na klar, die anderen Teams könnten auch schon mehr Punkte haben, wenn sie weniger Fehler gemacht hätten". Aber genau das ist der Punkt, die anderen Teams haben Fehler gemacht (Massa in Melbourne, Hamilton in Bahrain, usw.) BMW hat noch keinen Fehler gemacht. Niemand in diesem Team kann etwas dafür, dass den Kubica in Australien ein Kamikaze abgeschossen hat. Und wenn ich somit die Punkte, die Kubica in Melbourne somit nicht machen konnte, dazurechne, wäre der Abstand doch schon größer als nur ein Punkt. Mir ist schon klar, das der WM-Stand nunmal so ist wie er ist, und das Ferrari noch schneller ist wie BMW. Allerdings wird die WM nicht nur durch Speed sondern auch durch Konstanz entschieden, und wenn man diese zwei Punkte kombiniert, ist BMW sicher stärker als es der WM-Stand im Moment zeigt.
am 12. April um 18:33 Uhr
zappotrumpf: @-ims
Dann hätte Kovalainen gewinnen müssen wenn er 5 Zehntel scheller war als Massa, oder? Die Ferrari hatten keinen Druck von BMW und BMW keinen von McLaren. Aber Kovalainen hatte Trulli und Konsorten im Rücken. Da fährt man 7 runden vor Schluß noch volles Rohr! Die schnellsten Rennrunden spiegeln nicht unbedingt die wahren Stärken wieder (siehe Heidfeld in Malaysia)!
am 12. April um 18:20 Uhr
GM-F1:
Spanien wird wie immer die wirklichen Stärken (und Schwächen) der Autos offen zeigen. Wird interessant sein. Dennoch wird sich BMW in seiner prima Leistung bestätigen, wahrscheinlich kurz hinter Ferrari.
am 12. April um 16:37 Uhr
Formulaone:
Die Zeit von Kovalainen war gut, keine Frage. Aber wer sagt denn, dass die BMW gegen Rennende noch volles Rohr gefahren sind? Ich gehe davon aus, dass es auch bei Kubica und Heidfeld irgendwann "hold position" hieß. Ähnlich wie bei Ferrari. Mal sehen, wie es in Spanien aussieht. Dort wird es eine neue Standortbestimmung aller Teams geben. Die Strecke zeigt normalerweise auch, welches Auto wirklich gut ist und welches ein Flop ist.
am 12. April um 16:22 Uhr
c-ims: --
Kovalainens schnellste Runde (1.33.193) war ungefähr vier Zehntel schneller als die schnellste von Heidfeld (1.33.565) und Massa (1.33.600). Die letzten Stops der Fahrer waren in der 47. Runde (KOV), 45. (HEI) respektive 39. (MAS). Insofern halte ich Kovalainens Zeit im Verhältnis zur Zeit von Heidfeld schon für sehr beachtlich. Und Kovalainen konnte drei, vier weitere ähnlich schnelle Runden dranhängen. Über die Renndistanz hatte McLaren aber keine Chance.
Pro und Contra
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Regeländerungen, Kundenchassis, Fahrerwechsel, Titelkampf - in der Formel 1-Welt wird immer kontrovers diskutiert. Die adrivo.com Redakteure beleuchten beide Seiten - Pro & Contra der aktuellen Brennpunkte.


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