Do, 01.02.2007

Formel 1 - Kolumne - Pro und Contra

Kundenchassis

Können Sie sich noch daran erinnern, wann die letzte Woche verging, ohne dass der Begriff Kundenchassis fiel? Auch diese Woche bleibt nicht verschont.
© Sutton

Der einzig richtige Weg

von Philipp May

2008 ist es nach langer Durstrecke wieder so weit. Wenn Prodrive als zwölftes Team hinzukommt, wird es wieder ein volles Starterfeld mit 24 Autos geben - nach über 10 Jahren. Das verspricht Spannung auf der Strecke, ein engeres Feld, mehr Überholmanöver und auch mehr Sieg-, Podest- und Punkteanwärter. Was will man als Formel1-Fan denn noch mehr?

Welches Auto versteckt sich hier? Vielleicht spielt die Antwort bald keine Rolle mehr... © Sutton

Die Horrorvision, dass alle Top-Teams drei Autos an den Start bringen müssen, nur damit Bernie Ecclestone 20 Autos im Feld hat, wozu er nach den TV-Verträgen verpflichtet ist, scheint abgewendet. Stattdessen werden Erinnerungen an die goldenen 80er Jahre wach, als es noch eine Vorqualifikation gab, um den Grid zu begrenzen.

Wie ist der große Marsch in die Königsklasse für so viele auf einmal wieder möglich? Schließlich ist es gar nicht so lange her, dass die Teams reihenweise aus der F1 ausscheiden mussten. Prost oder Arrows sind nur zwei von vielen Beispielen. Der Grund ist einfach: Mit Kundenchassis wird der finanzielle Aufwand gerade für die kleinen Teams auf ein normales Maß reduziert. Und nur durch konsequente Kostenreduzierung kann die Formel 1 langfristig mit allen Herstellern erhalten bleiben.

Schon seit Jahren werden private Teams mit Kundenmotoren beliefert und niemand nimmt Anstoß daran. Warum sollte es auf einmal den Geist der Formel 1 zerstören, wenn dies nun auch mit dem Chassis möglich ist? Auch wenn offiziell von der "Konstrukteurs-WM" gesprochen wird, so meint man doch die "Team-WM". Und genau darum geht es in der modernen Formel 1: Die Abstimmung des Gesamtpaketes Fahrer, Chassis, Motor, Reifen etc. durch das Team ist entscheidend und nicht die schönste Skizze auf dem Reißbrett.

Was will der Formel 1-Fan noch mehr?
Philipp May

Und nicht zu vergessen nervt die ewige Diskussion um angeblich illegale Kundenchassis bei Super Aguri und Co. nur noch, und es ist an der Zeit, dass diese Never Ending Story endlich beendet wird. Also kann das Fazit nur lauten, Kundenchassis zuzulassen ist der einzig logische und damit richtige Weg.

Das böse Wort

von Stephan Heublein

Vor Saisonbeginn 2006 waren die gedrosselten V10-Triebwerke der Scuderia Toro Rosso der große Aufreger. Ein Jahr später stehen die Jungbullen erneut im Mittelpunkt der Aufregung: Diesmal ist es die Kundenchassis-Diskussion, die die F1-Welt in Atem hält. In kleinerem Ausmaß gab es diese übrigens auch schon 2006...

Eigentlich spricht alles für die Benutzung von Kundenchassis. Mehr konkurrenzfähige Autos, härtere Kämpfe um Platzierungen, Podestplätze und vielleicht sogar Siege. Das sollte dem geneigten F1-Fan doch reichen. Andererseits plädierte genau dieser F1-Fan in der großen FIA-Fan-Umfrage nicht nur für mehr Überholmanöver. Er wollte auch mehr Technologien.

Machen bald nur noch die Farben den Unterschied? © Sutton

Damit schwimmt er auf der gleichen Wellenlänge wie die Hersteller, deren Hauptargument in den Regeldiskussionen mit Max Mosley die Entwicklung neuer Technologien ist - egal ob auf Motoren-, Elektronik- oder eben Chassisseite. Aber ist die F1 noch die Königsklasse des Motorsports, wenn jeder - zugestanden gute - Geschäftsmann sich einen Motor und Chassis kaufen und damit Erfolge feiern kann?

Wo bleibt dann der Ruf der britischen Bastelbuden? Wo der Wettkampf der Konstrukteure, der im Konstrukteurs-WM-Titel gipfelt? Was ist das für ein F1-Team, wenn es noch nicht einmal Designer, Aerodynamiker und Konstrukteure beschäftigt? Wenn es noch nicht einmal ein eigenes Auto entwirft oder gar zusammenbaut? Wo bleibt der Charme eines Sauber Teams, der Hard Rock eines Eddie Jordan, die Sympathie für das Minardi Team? Als B-Teams der großen Automobilhersteller werden sie kaum ein tolles Image erlangen - schließlich kämpfen schon die Hersteller selbst um und mit ihrem Ruf.

Noch gefährlicher wird es, wenn den Chassislieferanten Einfluss auf die Kunden unterstellt wird - ja, bei den Motoren funktioniert es, aber auch hier wurde Ferrari oft eine Beeinflussung der Sauber-Strategie vorgeworfen. Wenn ein Team ein komplettes Auto erwirbt, dürften diese Schreie nicht weniger werden. Teamorder mag verboten sein, aber was ist bei Inter-Teamorder zwischen zwei verschiedenen Rennställen?

Dann könnte man es gleich ChampCar nennen.
Peter Windsor

Dem Interesse an der Formel 1 dürfte das nicht gut tun. Unser Kollege Peter Windsor schrieb deshalb in seiner F1Racing-Kolumne offensiv: "Am Sonntag packt jeder seinen blauen McLaren oder gelben BMW ein und schickt ihn an den Hersteller zurück. Wenn das die Zukunft der F1 sein soll, dann könnte man es genauso gut auch ChampCar nennen." Schließlich tendiert die Formel 1 mit Einheitsreifen, Einheitselektronik, eingefrorenen Motoren und einer möglichen Einheitsaerodynamik immer mehr in Richtung einer Einheitsformel.

Mit böser Zunge könnte man also behaupten: Ein voller Grid ist erstrebenswert, aber nicht auf Kosten richtiger Fahrzeugkonstrukteure und zu Gunsten von eingekauften und schlimmstenfalls fremdbestimmten Autos. David Richards und Prodrive haben den letzten Platz im 12er Grid verdient, denn sie besitzen alle Voraussetzungen und Fähigkeiten ein eigenes Auto zu bauen. Genau das sollten sie auch machen, ansonsten sollte vielleicht einer der angeblich vielen, vielen anderen Anwärter auf den letzten freien Platz die Chance erhalten ein echtes Formel 1-Team aufzubauen. Manchmal ist weniger eben doch mehr.

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19 Leser-Kommentare
am 11. Februar um 18:18 Uhr
Anonymer Kommenar: wer kommt auf 24...
eigentlich war ein voller Startfeld 26 Fahrzeuge, so war es zumindest als die F1 noch etwas war... Seit dem Ausstieg des Simtek-Teams nach dem GP-Spanien 1995 war nie mehr ein volles Starterfeld vorhanden!
am 02. Februar um 13:56 Uhr
Anonymer Kommenar: Vorqualifikation
Die Idee mit Vorqualifikation finde ich sehr gut. Für die Fahrer, die die Quali nich schaffen könnte man als "Trostpreis" ein extra Rennen veranstalten (Sprintrennen, eventuell Sonntag vormittag). Damit wäre allen geholfen und die Teams/Fahrer die nicht beim Hauptrennen dabei sind wären nicht umsonst angereist.
am 02. Februar um 11:44 Uhr
Anonymer Kommenar:
...Franz hat ganz recht, wenn er eine einheitliche Schnittstelle Chassis/Motor fordert. Ich halte es für sinnvoll, wenn man von Hersteller 1 ein Chassis kauft, von Hersteller 2 den Motor und von Hersteller 3 vielleicht das Getriebe. Viele wollen ja wieder etwas zurück in die alte F1, da gab es auch Kaufmotoren (fast alle Teams im Feld kauften Cosworth - Motoren) Es gab Kauf- Chassis (meines Wissens startete Tyrell mit Matra- Chassis) Getriebe und Bremsanlagen wurden (werden ?) zugekauft. Meines Wissens werden Kolben heute noch zugekauft (um es ironisch zu überhöhen: nicht jedes Team fertigt alle Schrauben selber - wozu denn auch!!!) Zukauf der Komponenten schließt ja eigene (Weiter-) Entwicklung nicht aus, und wozu sollte jedes Team das Rad jeweils neu erfinden? Und wenn man von verschiedenen Herstellern einzelne Komponenten miteinander Verknüpfen kann, schliesst das auch eine Einflußnahme des Verkäufers weitgehend aus. Ich hätte auch nichts gegen mehr Teams und ein Vorqualifying zur Erlangung eines von z.B. 24 Startplätzen.
am 01. Februar um 21:15 Uhr
Anonymer Kommenar: So ist es
Erst mal in anderen Klassen Erfahrung sammeln und eine solide technische und finanzielle Basis schaffen. Die F1 ist nicht für jeden Hinz und Kunz das richtige!
am 01. Februar um 17:43 Uhr
Anonymer Kommenar:
Wer in die F1 will, sollte auch die Möglichkeit haben, selber ein Chassie zu bauen. Wer das nicht kann, soll in der GP2 oder Champcar Serie ein Team gründen.
am 01. Februar um 17:29 Uhr
Anonymer Kommenar: Le Pro, Le Wo?
Ich sehe keinerlei Fortschritt in diesem Konzept. Vielleicht nur ein Hintertürchen für Ferrari?
am 01. Februar um 17:20 Uhr
Anonymer Kommenar: Wo ist die Herrausforderung???
Ich halte nichts von Kundenchassis, da dies der technologische Vortschritt in der Formel 1 blockiert. Die Aufgabe eines jeden Teams besteht darin, dass man Chassis baut um an die Grenzen der Technik und Physik heranzukommen. Wo bleibt dann das innovatitive Arbeiten, wovon auch die Hersteller provitieren für die "Straßenserien"? Mehr Zweikämpfe werden wir dadurch auch nicht haben, da es auch bei Kundenchassis "dirty air" gibt. Die einzige Möglichkeit, um mehr Überholmanöver zu sehen, ist die Einführung von Wings. Man darf die Formel 1 nicht kaputtsparen.
am 01. Februar um 15:00 Uhr
Anonymer Kommenar: Das Gute liegt so nah...
Betrachtet man die derzeitigen Diskussionen in der F1-Welt, so kann man sich nur noch an den Kopf fassen. Da werden auf der einen Seite Motorenentwicklungen eingefroren, damit es zu keiner Kostenexplosion kommt, die die kleinen Teams nicht verkraften können, auf der anderen Seite werden Kundenchassis aber bislang rigoros verteufelt. Ich verstehe nicht, warum die FIA nicht einen Weg findet, um eine Kostensteigerung zu verhindern und dennoch dem Geiste der F1, d.h. eigenständige und innovative Entwicklungen, zu entsprechen. Meiner Meinung nach ist dies realisierbar! Ein FIXES Budget für JEDES TEAM in Höhe von z.B. 200 Mio Dollar, dass von der FIA zentral verwaltet wird! Dann weiss ein jeder was es kostet und wird dennoch bemüht sein das maximale mit dem bestehenden Budget zu erreichen! Und es hätte einen weiteren Vorteil: Dem Wahnsinn bei den Fahrergehältern und dem Verkorksen von jungen Charakteren würde auch endlich ein Riegel vorgeschoben. Dann würde man sich zwei Mal überlegen, ob ein Fahrer wirklich 20 Mio Dollar und mehr verdient!
am 01. Februar um 12:59 Uhr
Anonymer Kommenar:
für teams wie williams und co wird die luft 2008 ganz schön eng. vorne fahren dann ferrari, renualt , 4mclaren und 4 hondas rum, da sind punkte kaum noch drin. und das es kleineren teams hilft glaub ich kaum, im gegenteil diese werden ganz verschwinden und bald gibt es nur noch 5 grossen hersteller die alle 2 teams haben.beste bsp is mclaren wo prodive ja das neue b team wird mit mclaren auto, motor und fahrer. frag mich warum man prodrive den 12 platz gegeben hat, denn nen fertiges auto kaufen kann jeder idiot.in der champcar serie gibts nur einen unabhängigen chasis und motor lieferant, aber wenn in der f1 mclaren die nen gutes auto haben 4 autos bauen, gewinnt nacher immer ein mclaren. und wenn ein top team mal 3 oder 4 teams beliefert dann gibts nur noch punkte für "1" team
am 01. Februar um 12:50 Uhr
Anonymer Kommenar:
warum sollte das kleinen teams den einstieg erleichtern ? es gibt nur 12 teams mehr will die fia nicht. ich halte von kunden chasis garnix jedes team sollte sein eigenes auto bauen 2008 wird man 4 mclaren mercedes auf der strecke sehn 4 redbull und 4 hondas das jedes team sein eigenes auto bauen mus gerade das hat die f1 ausgemacht, diesen wettbewerb. wenn man nun einfach nen komplettes auto kaufen kann wie prodive das ja macht, hat das nix mehr mit f1 zu tun. das es mehr überholmanöver gibt is auch quatsch wenn alle autos gleich startk sind wird gar nicht mehr überholt und pordive wird nen mclaren ganz sicher nicht überholen....
Pro und Contra
Pro und Contra

Regeländerungen, Kundenchassis, Fahrerwechsel, Titelkampf - in der Formel 1-Welt wird immer kontrovers diskutiert. Die adrivo.com Redakteure beleuchten beide Seiten - Pro & Contra der aktuellen Brennpunkte.


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