Mo, 28.07.2008

DTM - Exklusiv - Polarisierender Paffett

Freund & Feind im Audi-Lager

Zwischen fair und unsportlich: Gary Paffett weiß nach einem spektakulären Nürburgring-Rennen im Audi-Lager zu polarisieren...
© DTM

Motorsport-Magazin.com - 2007er-Boliden auf den Startplätzen zwei und vier; ein Jahreswagen auf der vierten Position im Rennen: Der siebte Saisonlauf auf dem Nürburgring verlief ganz nach dem Geschmack der Fans, die nach der spektakulären 2007er-Saison ihren Grundbedarf an Action bisher nicht gedeckt sahen. Dass Gary Paffett nach einer kämpferischen Leistung den vierten Platz herausfuhr, freute nicht nur sein Persson-Team. Dennoch hatte man im Audi-Lager höchst unterschiedliche Meinungen vom Zweikampfverhalten des Ex-Champions...

Zwischen absolut fair...

Ich mag es, mit Gary zu kämpfen
Mattias Ekström

"Am Start bin ich nicht gut weggekommen, da konnte Mattias an mir vorbeiziehen, aber später habe ich ihn mir wieder geholt", schildert Gary Paffett gegenüber der adrivo Sportpresse die noch eher harmlosen Ursprünge eines harten Kampfes um Platz vier. Mit Beginn des starken Regenschauers zum Ende des Rennens fand der britisch-schwedische Zweikampf seinen Höhepunkt: "Als es zu regnen begann, haben wir ein paar Fehler gemacht. Mattias Ekström hat stark aufgeholt, wir hatten dann ein richtig gutes Duell."

Ein Duell, das nicht ohne deutlichen Lackaustausch vonstatten ging. Sowohl Ekström als auch Paffett klopften jeweils einmal deutlich am Fahrzeug des Gegners an. "Der Fight zwischen Mattias und mir war absolut fair. Wir kennen uns sehr gut und sind lange Zeit zusammen Rennen gefahren und wissen, was wir tun können und was nicht. Es gab Berührungen, aber es war fair. Das ist Motorsport", nimmt der DTM-Champion von 2005 die Blessuren an seiner C-Klasse mit Gelassenheit hin.

In ihrer Meinung von Gary Paffett waren Mattias Ekström und Timo Scheider uneinig wie selten... © DTM

Zwar beendeten beide Kampfhähne das Rennen nicht ohne Verwarnung durch die Rennleitung. Doch auch Mattias Ekström, dessen Helm seit jeher das Motto "Go hard or go home" schmückt, sah an dem Zweikampf nichts Anstößiges: "Gary fuhr ein wenig konservativ, als der Regen stärker wurde. Der Kampf selbst war fair. Er hat wohl in der Kurve zuvor realisiert, dass er zu schnell war, und dann war ein bisschen zu spät auf der Bremse und hat mich leicht berührt." Als sich die Himmelstore noch weiter öffneten, schlug Paffett erfolgreich zurück. "Als dann der Regen noch stärker wurde, hatte ich mit Untersteuern zu kämpfen - und er hat mich zurücküberholt."

"Nichts anderes habe ich erwartet. Aber ich mag es, mit Gary zu kämpfen", stellt Ekström seinem einstigen Hauptrivalen ein Kompliment aus - und erinnert sich an die gemeinsamen Titelkämpfe in den Jahren 2004 und 2005. "Wir fahren beide hart, aber so, dass man nicht im Reifenstapel endet." Weniger locker als sein Teamkollege sah Timo Scheider das harte Zweikampfverhalten des Briten. Auch der Meisterschaftsführende hatte sich mehrfach im Duell mit dem Persson-Piloten befunden - und trug ein deutlich lädiertes Dienstfahrzeug davon.

... und ziemlich überflüssig

Über Monate hat man bei Mercedes 2007 über das Duell Scheider vs. Spengler in Zandvoort genörgelt
Timo Scheider

"Die Aktion von Gary war ziemlich überflüssig", kommentiert Scheider uns gegenüber ein deutliches Auffahren des Briten, dem ein nicht unbeträchtlicher Teil der Heckpartie von Scheiders A4 DTM zum Opfer fiel. "Über Monate hat man im letzten Jahr über den Zweikampf Scheider vs. Spengler in Zandvoort genörgelt", spielt der Abt-Audi-Pilot auf die harten Vorwürfe an, die vor einem Jahr nach seinem Zandvoorter Zweikampf gegen den Kanadier erhoben wurden. "Da kann ich nur sagen, dass DTM für mich dann fairer Sport ist, wenn man Lackaustausch hat, aber eben nicht andere ins Kiesbett drückt oder dem Gegner ganze Teil vom Auto fährt."

Timo Scheider verwies auf Paffetts eher beschränkt wichtige Rolle im Meisterschaftskampf - und klagte über ein anschließend unfahrbares Auto. "Ich hatte ihn gerade überholt, als er mir in der nächsten Kurve sinnlos aufs Heck gefahren ist", schildert der Lahnsteiner die Situation. "Das Auto war danach nicht mehr gut zu fahren. Wir haben die Aero-Teile entwickelt, um einen Nutzen von ihnen zu haben." Das britisch-deutsche Duell von Nürburg könnte der Auftakt einer ganz besonderen Freundschaft gewesen sein...

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